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Radio: Vergessen? Oder schon aufgegeben?

Oder anders gefragt: Warum wird über Live-Fakes im Fernsehen berichtet, nicht aber über den viel häufigeren Fake im Radio?

 

Der neueste Fall: Der Bericht von Dietrich Leder über einen [Edit 31.10.2011 inzwischen ist klar: vermeintlichen] Live-Fake beim Börsenbericht im ZDF-heute journal.

In der „Funkkorrespondenz“, einem Mediendienst aus Bonn, prangert er an: Das ZDF habe die Schalte zwischen Nachrichtenmann und Börsenfrau wie live inszeniert.

Und in der Tat. Auch der Mitschnitt in der Mediathek zeigt wie sich der Sprecher Heinz Wolf scheinbar seiner Kollegin Valerie Haller zuwendet, um mit ihr zu sprechen.

Doch blöderweise  ist wenig später im Hintergrund eine Uhr zu sehen. 19:59 steht drauf. Der Talk also: aufgezeichnet. [Edit 31.10.2011: Falsch. Wie das ZDF wissen lässt, wird die Uhr in der Frankfurter Börse jeden Tag zum Feierabend um 19:59 angehalten. Nicht die Schalte, die Uhr ist also falsch. Siehe Kommentar und Entschuldigung unten.] Oben links in der Ecke aber wird groß „Live“ eingeblendet. Logo: Wer will schon vor laufenden Kameras mit einer Kollegin vom Band sprechen? Das könnte man ja durchaus für behandlungsbedürftig halten.

Viele halten das aber auch für normal. Jedenfalls, wenn Radiomacher das tun. Nachgestellte Gespräche gehören dort längst zum Alltag.

Die Moderatoren sind vielfach nur Schauspieler, die einfühlsame Fragen auf Lücke sprechen. Und sie machen nicht mal vor journalistisch heiklen Themen Halt.

Ich selbst habe erlebt, wie das tränenreiche Interview mit der Verwandten eines Vermissten auseinander geschnitten und nachvertont wurde. Ergebnis: Die Frau hörte sich später im Radio mit einem Moderator reden, den sie nie gesprochen hatte.

Aber: „Normal“ „Egal.“ Und: „So macht man das im Radio.“ Mehr als Schulterzucken haben viele Journalisten nicht mehr übrig für solche Fakes. Schon gar nicht die, die über Medien berichten, scheint mir. Wahrscheinlich, weil sie das Radio schon aufgegeben haben. Schade drum. Denn eine öffentliche Standpauke und Diskussion täte uns Radiomachern gut, denke ich. Beim Fernsehen hat’s doch auch schon mal geklappt.

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