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Geht’s auch weniger pathetisch?

Überlegungen zum Antenne Bayern-Gewinnspiel-Drama und seinem Helden

Die Aufregung bei Antenne Bayern ist groß. Geradezu atemlos. Ja, aufgelöst. So klingt jedenfalls das, was man als Hörer im Radio mitbekommt. Der Grund: Man hat ein Gewinnspiel veranstaltet. Hörer können Geld gewinnen. Antenne Bayern übernimmt täglich eine Rechnung. Welche, das wird jeden Morgen ausgelost. Wer sich dann rechtzeitig beim Sender meldet, gewinnt.

Doch plötzlich ist da ein Gewinner, der will sich seinen Sex-Urlaub in Thailand bezahlen lassen. Und Morgenmoderator Leikermoser ist empört: „Die Rechnung kann ich nicht übernehmen.“ Und noch live auf Sendung und unmittelbar nachdem der überraschende Gewinner gezogen wurde, widerspicht ein Kollege. Man MÜSSE zahlen, sagt er. Schließlich stehe das so in den Teilnahmebedingungen.

Seitdem geht ein großes Drama über den Äther. Der Held: Moderator Leikermoser. Ein Mann zwischen Pflicht und Neigung. Geradezu klassisch zerrissen zwischen dem, was er muss, und dem was er möchte. Zwischen schnödem Gesetz und moralischer Verpflichtung. Die Hörer treten als mitgerissene Zwischenrufer auf. Sie dürfen sich für Leikermoser, ihren Held, in die Bresche werfen. Denn natürlich stehen sie an seiner Seite: Man darf die Sextouristen nicht auch noch zu Gewinnern machen. Doch ein Anwalt macht auf Sendung wenig Hoffnung: Der Sender wird am Ende zahlen müssen.

Dann der Höhepunkt. Dritter Akt im klassischen Drama: Leikermoser gibt eine Stellungnahme ab. Er will standhaft bleiben. Er will sich nicht der „Beihilfe zum Menschenhandel“ schuldig machen. Dafür riskiert er „eine Strafe von bis zu 500.000 Euro“. Starke Worte. Dann bricht geradezu theatral das Musikbett ab. Leikermoser endet mit: „Jeder von Ihnen kann mich verklagen. Und wissen Sie was? Verklagen Sie uns, wenn Sie meinen. Diese Rechnung zahle ich nicht.“

Doch wer von den Antenne-Bayern-Hörern hat denn mit Klage gedroht? Keiner. Die Foren sind voll mit begeisterten Leikermoser-Unterstützern. Natürlich. Denn wer auch – außer der geprellte Gewinner – sollte es im Ernst anders sehen? Der Konflikt IST kein Konflikt für die Hörer. Für die ist die Sache klar.

Warum also der übermäßige Pathos? Weil es Quote bringt? Und Publicity? Weil man so schnell wunderbare Schlagzeilen machen kann? Der Verdacht drängt sich leider auf. Denn die Antwort auf die entscheidende Frage bleibt Antenne Bayern bis jetzt schuldig: Hat der mögliche Gewinner denn mit Klage gedroht? Auch Hörer stellen diese Frage auf Facebook, bekommen aber keine Antworten. Außerdem gilt seit heute Morgen generell: Keine Auskünfte mehr. „Aus juristischen Gründen.“

Stattdessen schießen nun also die Spekulationen ins Kraut. Nicht mehr nur schmeichelhafte. Denn auch die Hörer vermuten inzwischen, dass da „mal wieder eine Mücke zum Elefanten gemacht“ wird. Und: „Kein Mensch kann mir erzählen, dass das mit der Rechnung nicht geplant war!“ (Zitate aus dem Facebook-Forum von Antenne Bayern). Das wiederum wird kein Mensch mehr herausfinden können.

Doch schlimmer noch: Ob Leikermoser wirklich völlig ahnungslos in die Lostrommel gegriffen hat. Ob er wirklich keine Gelegenheit hatte, sein Gewinnerlos mal vorher anzuschauen. Im Grunde ist das jetzt fast schon egal. Denn selbst wenn alles seine Richtigkeit hat, die Art, wie der Sender seine Aufrichtigkeit und Standhaftigkeit inszeniert und immer wieder mit höchstem Pathos in Programm gehoben hat, muss Zweifel wecken.

Ich jedenfalls hätte mir mehr Bescheidenheit und klare nachrichtliche Sätze gewünscht und – so schwer es einem in einem emotionalen Medium wie dem Radio fallen muss – weniger Drama. Der Glaubwürdigkeit des Senders hätte das gut getan. Aber wer weiß: Vielleicht kriegt die Inszenierung am Ende ja noch die Kurve? Denn erst, wenn der Vorhang gefallen ist, können die Kritiker endgütlig beurteilen, ob Antenne Bayern da wirklich ein Drama oder doch nur eine Schmierenkömödie gegeben hat.

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  1. …. Richtig! ! ! Pacta sunt servanda „Verträge sind einzuhalten“ ist das Prinzip der Vertragstreue im privaten Recht. Diesen Grundsatz lernt jeder Jura Student im ersten Semester und auch seine Grenzen: Wann ein Vertrag z.B. sittenwidrig ist.
    Ist ein Vertrag sittenwidrig, so gilt er als von Anfang an nichtig § 138 Abs. 1 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch). Davon können auch Teilnahmebedingung eines Gewinnspiels keine Ausnahmen zulassen.
Dass die Zahlung des Sex-Urlaubs sittenwidrig ist steht für jeden Hörer und juristischen Laien ohne jeden Zweifel fest. Daran sollte auch die Antenne Bayern Redaktion und ihr Justiziariat denken, wenn sie die Zahlung übernehmen sollte.

    Jedenfalls hat Herr Leikermoser richtig gehandelt und seine Entscheidung verdient Respekt. Sollte der Sender, wie ein Anwalt es sagt, am Ende doch zahlen müssen, bin ich gespannt, wie man diesen Schritt rechtfertigen will. Übrigens ist der Fall dann auch für die Staatsanwaltschaft und für den EuGH für Menschenrechte interessant. Der Sender macht sich aufgrund der Zahlung dann indirekt wegen Beihilfe zum Menschenhandel strafbar. Und ob das wirklich gewollt ist?

    Nur warum keine Reaktion der Redaktion? Doch PR, um den Höreranteil zu pushen? Auf diese Art und Weise gewinnt der Sender keine Kunden bzw. Hörer. Jedenfalls dann nicht, wenn keine Reaktion in Social Media Channels erfolgt. Die Begründung: “Aus juristischen Gründen möchte man nichts sagen”, zählt hier nicht! Genügend Beispiele hat es gegeben, warum das nicht funktioniert – ob die Deutsche Bahn oder Henkel mit Pril als jüngstes Beispiele wie auch andere diverse PR-Desaster auf Twitter, Facebook und Co. in den letzten ein/zwei Jahren. Der Punkt ist und bleibt: Die Währung von (Social) Media heißt Vertrauen und der Kunde/ Hörer hat ein Recht auf eine Stellungsnahme der Redaktion.

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  2. Nun: Ich bin einigermaßen erstaunt –
    über die Gutgläubigkeit vieler Antenne-Hörer! Liest man die Verteidigungsposts auf dem Antenne-Bayern-Youtube-Channel über die heldenhafte Verweigerung des Herrn Leikermoser – dann muss ich mich doch fragen: Wer glaubt denn diesen Quatsch!?!?

    Seit wann wird denn im Privatfunk „live und ohne doppelten Boden“ ein Gewinner gezogen? Ist nicht vielmehr die Ziehung des Gewinners, der anschließende Applaus, die Überraschung alles schön vorher geplant, durchgestylt oder gar vorproduziert? In so einem Fall wäre ein ach so moralisch verwerflicher Absender doch gar nicht on air genommen worden!
    Ich ganz persönlich glaube auch nicht, dass es diesen Absender jemals gegeben hat (warum wurde hier übrigens der Name nicht vorgelesen?). Die ganze Schmierenkomödie klingt mir zu sehr nach Marketing-Stammtisch-Idee nach drei bis fünf Bier, um mit dem Sender mal wieder ins Gespräch zu kommen. Und tada: hat ja funktioniert.

    Die rechtlich fragwürdige Auslegung des vermeintlichen „Anwalts“ wurde ja dankenswerterweise schon zurecht gerückt. Was ist übrigens mit dem „Rechtsweg“, der ja bei solchen Gewinnaktionen immer „ausgeschlossen ist“? Wer sollte da also überhaupt klagen können – bzw. wollen?

    Mein Fazit zu dieser Antenne Bayern-Nummer: Billig, unseriös – dumm!

    Grüß Gott Herr Leikermoser!

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  3. Danke für den Bericht! Ich werde Antenne Bayern nicht mehr einschalten. Leikermoser ist unten durch

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  4. Ich habe Antenne bis jetzt immer gehört. Das einzigste was mich nervte war der Leikermoser in der Früh. Nach dieser PR Aktion werde ich Antenne Bayern nicht mehr einschalten, da ich es hasse wenn mir ins Gesicht gelogen wird.

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