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Wie kann man PR-Beiträge korrekt anmoderieren?

Wer sich nicht weigern und seiner Redaktion nicht klar machen kann, dass PR-Beiträge und verkaufte Werbestücke nichts im redaktionellen Teil zu suchen haben, sollte wenigstens versuchen, sich als Moderator so korrekt wie möglich zu verhalten und die Spielräume auszunutzen, die einem bleiben.

Man kann zum Beispiel in der Anmoderation darauf hinweisen, dass das ein Beitrag ist, der von einem Unternehmen oder einer Lobby-Gruppe in Auftrag gegeben wurde.

Beispiel: Dieser Beitrag des Ärzteverbunds MEDI.

Statt der willfährigen Anmoderation im Beispiel, die den Moderator quasi zum Werbesprecher des Verbands macht, könnte man folgende klare Einleitung formulieren:

Die Kassenärzte machen mobil. Sie streiken dieser Tage. Und warum? Weil sie ihre Existenz gefährdet sehen. Schuld seien die Krankenkassen, sagen sie, und ein ihrer Ansicht nach verqueres Abrechnungssystem. Im Namen des MEDI-Ärzteverbundes fasst Wolfgang Siegloch die Argumente zusammen:

oder

…Der Ärzteverbund MEDI hat seine Argumente deshalb jetzt auch in einem eigenen Radio-Beitrag zusammengstellt:…

oder

… Deshalb weisen die Ärzte jetzt auch mit eigenen Radio-Beiträgen auf ihre Situation hin, zum Beispiel der Ärzteverbund MEDI. Der lässt wissen:….

Idealerweise würde man versuchen, eine ähnliche Formulierung auch noch mal in der Abmoderation unterzubringen.

Entscheidend ist, sich so weit wie möglich von dem PR-Beitrag zu distanzieren und klar zu machen, dass das kein journalistisch neutraler Beitrag der Redaktion ist. Als Moderator darf man dann ein reines Gewissen haben. Juristisch ist man mit so einer Formulierung aber nicht zwingend aus dem Schneider. Leider.


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″FAQ Ethik im Hörfunk – FAIR RADIO antwortet″ von FAIR RADIO steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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0 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Zitat : „Juristisch ist man mit so einer Formulierung aber nicht zwingend aus dem Schneider. Leider.“

    Ich kenne ihren juristischen Hintergrund nicht aber: das ist vollkommener Quatsch! Kein Gesetz der Welt verbietet es in Deutschland Radiobeiträge auszustrahlen die von einem Unternehmen finanziert wurden wenn der Radiosender dafür kein Geld oder eine andere Dienstleistung in Anspruch nimmt.

    Das ist weder ungesetzlich noch strafbar!

    Bitte geben Sie keine juristischen Hinweise oder Tipps wenn sie es nicht wirklich wissen. Denken Sie daran: Erst recherchieren – dann berichten!

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    • Liebe/r Frau/Herr(?) Reckermann,

      sie haben recht: PR-Beiträge, die im Auftrag von Unternehmen erstellt und kostenlos an Radiosender verteilt werden, sind – solange kein Geld fließt – nicht illegal und nicht verboten. Genau das bemängelt fair radio. Und genau das haben wir auf diesen Seiten vielfach schon beschrieben, kritisiert, erklärt.

      Dennoch können auch an sich legale PR-Beiträge für Sender und Radiomacher juristische Folgen haben. Dann nämlich, wenn die Beiträge eine deutlich erkennbare werberische Form und Sprache haben. Sie fallen dann unter § 2 Abs. 2 Nr. 8 RStV.

      Beispiel: Radio Kiepenkerl. Der Sender hat einen werbenden Beitrag gesendet, den die zuständige Landesmedienanstalt gerügt hat. Für die Begründung war es irrelevant, ob der Beitrag bezahlt wurde. Allein seine werbende Machart war ausreichend, die Ausstrahlung zu verurteilen.

      Besonders heikel wird es, wenn die Beiträge pharmazeutische Themen behandeln (Und das tun sie oft. Die Pharma-Industrie liefert viele werbende PR-Beiträge). Denn seit einem wegweisenden EuGH-Urteil können Journalisten für unhinterfragte Werbebehauptungen über Medikamente haftbar gemacht werden.

      In der Kürze der obigen Antwort war das möglicherweise missverständlich. Vielen Dank.

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  2. Sie haben recht, beide. Diese Art Werbung wird von den Medienanstalten gerügt.
    Und hat damit also keine Konsequenzen.

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  3. Es tut mir leid, aber Jetzt schreiben Sie leider noch mehr unrichtige Sachen. Zur Aufklärung hier der von Ihnen erwähnte Absatz des Rundfunkstaatsvertrages:

    § 2 Abs. 2 Nr. 8 RStV
    Schleichwerbung die Erwähnung oder Darstellung von Waren, Dienstleistungen, Namen, Marken oder Tätigkeiten eines Herstellers von Waren oder eines Erbringers von Dienstleistungen in Sendungen, wenn sie vom Veranstalter absichtlich zu Wer- bezwecken vorgesehen ist und mangels Kennzeichnung die Allgemeinheit hinsich- tlich des eigentlichen Zweckes dieser Erwähnung oder Darstellung irreführen kann. Eine Erwähnung oder Darstellung gilt insbesondere dann als zu Werbezwecken be- absichtigt, wenn sie gegen Entgelt oder eine ähnliche Gegenleistung erfolgt,

    Da die Ausstrahlung vom Veranstalter nicht zu Werbezwecken vorgesehen ist(er senden ja aus redaktionellen Erwägungen), ist es also keine Schleichwerbung!

    Das Eu GH- Urteil befasst sich mit dem Umstand das eine Interviewpartnerin von dritter Seite fuer ihre Aussagen im TV bezahlt wurde.

    Schlussendlich: Weder der Rundfunkstaatsvertrag noch die Erlasse der Landesrundfunkanstalten sind Gesetzte! Wer dagegen verstößt verhält sich also auch nicht ungesetzlich und macht sich auch nicht strafbar!

    Hört auf den Radioredakteuren in Deutschland vorzuschreiben was sie senden dürfen oder was nicht!

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  4. Wir schreiben hier niemanden etwas vor, sondern reden und diskutieren über alltägliche journalistische Ethik, also über das, WAS wir senden. Und „Reckermann“ würde sich wundern wie auf sein Verhalten die „Kunden“ reagieren…..die sitzen mir als Radio-Lehrbeauftragten jede Woche in Seminaren gegenüber und kritisieren viele der KollegInnen und genau DAS, was Sie offensichtlich für richtig empfinden. Denn: Werte und Ethik – das ist ein Trend – vor allem unter jungen Radiohörern.

    Es geht hier nicht um Recht haben oder juristisches Recht, sondern um das eigene Feeling und Verständnis für das, was wir senden. Und wir bei fair radio halten das, was Sie für richtig und rechtens halten, ganz einfach für Betrug am Hörer. Dem nämlich gaukeln Sie etwas vor, was nicht der Realität entspricht und was den Journalismus komplett zerstört.

    Als jahrelanger BBC-Mitarbeiter habe ich außerdem die Erfahrung gemacht, dass diese „Reckermannschen“ Sitten typisch deutsch sind. Bei der BBC wäre ein Radiomacher, der fordert, Redaktionen sollen extern und von Firmen bezahlte Beiträge senden, von jetzt auf gleich gefeuert. Wie in vielen anderen Dingen, könnte die BBC den deutschen Radiomachern auch hier Vorbild sein.

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  5. Halten wir fest es geht Fair-Radio nicht um „juristisches“ Recht – so ein hohler Blödsinn ! Herr Seiwert Fauti: An welcher Uni sind Sie Lehrbeauftragter und wann haben Sie das letzte Mal einen Radiobeitrag veröffentlicht? Man findet im Netzt nur Sachen über Sie, aber wenig von Ihnen! Selbst beim großen Onlinearchiv der BBC ist nichts zu finden! Komisch…

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  6. Er ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Calw, was wirklich leicht im Netz zu finden ist. Könnte die Diskussion bitte geschlossen werden!

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