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Aufwachen! Neues Radio mit alten Fehlern

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Viele Medien entdecken gerade das Hören neu: Facebook macht Live-Audio. Und Zeitung macht jetzt auch Podcasts. Schön! Das hören wir von fair radio erstmal gern.

Schade dabei: Wenn die Audiomacher von heute die Fehler von gestern wiederholen.

RP Online zum Beispiel: Die Zeitung ist mit ihrem „Aufwacher-Podcast“ nach eigenen Angaben ziemlich erfolgreich: Rund 10.000 Zuhörer jeden Morgen. Und der Podcast wird während der Aufnahme auch noch bei Facebook live gestreamt – mit um die 4-5.000 Views.

„Live vom Newsdesk heißt es da.“ Und dann moderiert Henning Bulka das Gespräch mit dem Korrespondenten oder der Korrespondentin an – und „spricht“ mit Anja Stein über die G20-Proteste in Hamburg…

ab Minute 1:45 min
(Bei Dir erscheinen hier keine Videos? Das kann an Deinem Browser liegen. Bitte wechseln.)

…oder auch mit Thomas Bleskin über Unwetter in Norddeutschland:

ab Minute 1:40

Nur: Der Moderator hat mit Anja Stein oder Thomas Bleskin in Wirklichkeit nie gesprochen. Schon gar nicht live. Die Gespräche sind eingekaufte und vorproduzierte Antworten. Bereitgestellt vom Audiodienst der Deutschen Presseagentur.


Der heftig verständig nickende Moderator tut damit so, als ob er sich wirklich gerade mit dem Korri unterhält. Hat es aber nie getan.

Auf fair radio-Nachfrage, warum RP online das so macht, bekommen wir von Judith Conrady, der stellvertretenden Redaktionsleiterin, ein altes „unfair radio“-Argument zu lesen:

„Wir sind nicht davon überzeugt, dass unsere Leser die Gespräche tatsächlich für Live-Schalten halten.“

Das Argument verwenden auch Radioleute seit Jahren immer wieder: Dem Hörer (oder Leser) ist das doch egal. Der merkt‘s noch nicht mal. Dass das nicht stimmt, wissen wir bei fair radio durch eigene Erfahrungen im Radioalltag und durch viele Gespräche und Zuschriften wie diese:


Glaubwürdigkeit geht verloren. Denn viele Hörer gehen davon aus, dass die Frage eines Moderators und die Antwort eines Korris zusammenhängen – und eben nicht nur Theater vorgespielt wird.

Aber: fair radio wirkt!

Erfreulicherweise hat sich RP Online auf unsere Anfrage hin bereit erklärt, einiges zu ändern:

„Wir sind allerdings ohnehin gerade dabei, die Abläufe in der Redaktion für unsere Leser (und Hörer) transparenter zu machen… [Wir werden] noch einmal besonders darauf achten, ob das Wort „live“ in Zusammenhang mit einer Live-Übertragung der Aufzeichnung bei Facebook, die wir an manchen Tagen anbieten, nicht in einigen Fällen irreführend ist.“

Außerdem soll im Podcast in Zukunft klarer zwischen eigenen und zugekauften Inhalten getrennt werden:

„Deshalb haben wir entschieden, künftig ausdrücklich zu erwähnen, dass es sich um dpa-Kollegen handelt – genau wie wir die RP-Redakteure, mit denen die Kollegen im Podcast Gespräche führen, als Mitarbeiter der RP ausweisen.“

Auf die Form des gespielten Gesprächs wollen die Macher bei RP Online leider nicht verzichten:

„Wir finden, dass ein Gespräch eine sehr hörerfreundliche Darstellungsform ist. Wir planen derzeit, sie weiterhin zu nutzen.“

Dabei gibt es auch andere hörerfreundliche Formen – ohne gespieltes Gespräch. Nur, falls es sich RP Online nochmal anders überlegt – und andere Audiomacher erst gar nicht damit anfangen wollen…

Wiederholung ist ja auch im Radio, pardon: Podcast öde.
Deshalb: Nicht die Fehler von gestern nachmachen!

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. „Wir sind nicht davon überzeugt, dass unsere Leser die Gespräche tatsächlich für Live-Schalten halten“ – wieso sollten sie nicht? Es wird doch perfekt alles dafür getan, um sie das glauben zu machen. Wie traurig, dass sich Medienmacher immer wieder solche Ausflüchte zurecht legen. Kann man nicht einfach mal zugeben, dass es ein Fehler ist, Leser oder User absichtlich in die Irre zu führen? Das Vorhaben, in Zukunft weiterhin ein Gespräch vorzugaukeln, weil es eine „hörerfreundliche Darstellungsform“ sei, ist nicht nur eine merkwürdige Begründung für die Informationsübermittlung via einer offensichtlich nicht stattfindenden Kommunikationssituation, sondern auch äußerst kurzsichtig. Die Flut an Glaubwürdigkeitsstudien, die die Medienunternehmen in den vergangenen zwei Jahren in Auftrag gegeben haben, weil sie offensichtlich einen Vertauensverlust befürchten, gehen alle in eine Richtung: Die Leser, Hörer, Zuschauer schauen immer kritischer auf die Presseveröffentlichungen. Die von den europäischen Rundfunkanstalten in Auftrag gegebene Jugendstudie „Generation What“ weist sogar verheerende Daten in Bezug auf das Vertrauen der jungen Generation in die Medien aus. Transparenz und Ehrlichkeit auf der ganzen Linie – das haben unsere Rezipienten verdient und das würden sie gewiss mit Wertschätzung honorieren…

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  2. „Wir finden, dass ein Gespräch eine sehr hörerfreundliche Darstellungsform ist. Wir planen derzeit, sie weiterhin zu nutzen.“
    Es ist ja gerade kein Gespräch.

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  3. Diese albernen GIFs machen diesen Beitrag leider völlig kaputt und dienen 0 der Glaubwürdigkeit.
    Aber das kennt man von euerm Verein ja leider seit dem Beginn: Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.

    „Gehen Sie bitte weiter, hier gibt es nichts zu lesen.“

    Antworten

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