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Was kann ich gegen unethische Arbeitsweisen und Anforderungen meiner Redaktion tun, ohne als freier Mitarbeiter gleich damit rechnen zu müssen, keine Aufträge mehr zu bekommen?

Frage beim Ethik-Gespräch mit Sandra Müller an der Evangelischen Medienakademie Düsseldorf. Ihre Antwort:

Das ist in der Tat eine schwierige Frage. Denn steckt man als Reporter, Moderatorin oder Nachrichtenmacher erstmal in einer Situation, mit der man sich nicht wohl fühlt, sind ethische Fragen oft nicht mehr ohne Emotionen zu debattieren. Grundsätzlich gilt deshalb: Ethische Fragen in der Redaktion am besten schon dann ansprechen, wenn sie nicht akut sind. Zum Beispiel:

  • Warum zeichnen wir so viel auf und geben das als live aus? Gäbe es nicht andere Möglichkeiten?
  • Ist es nicht eigenartig, dass unser Frühmoderator nur noch Fragen auf Lücke stellt, aber selber keine echten Gespräche mehr führt?
  • Warum muss ich diese von Firmen bezahlten Beiträge wie journalistische Stücke anmoderieren? Ist das nicht illegal?
  • Warum laufen unsere Gewinnspiele weiter, auch wenn längst ein Hörer die richtige Antwort auf den AB gesprochen hat?

Zugegeben: Das sind naive Fragen. Aber gerade Volontäre können solche Fragen stellen. Und nicht selten rütteln sie damit alte Kollegen wach, die bequem und unachtsam geworden sind. Steter Tropfen höhlt da bisweilen den Stein. Und wenn schon nicht in großer Runde, so lassen sich diese Fragen doch vielleicht mal unter Kollegen ansprechen. Denn der Kontakt, der Austausch und die Beratung mit Kollegen, die ähnlich ticken, ist das A und O (gerne auch bei FAIR RADIO).

Wer merkt, dass er mit grundsätzlichen Diskussionen in seiner Redaktion auf Granit beißt, sollte wenigstens für seine eigene Arbeit versuchen, so korrekt wie möglich zu bleiben. Oft geht da mehr, als man zunächst vermutet – zum Beispiel bei der Anmoderation aufgezeichneter Interviews.

Wer dennoch zu Dingen angehalten wird, die ihm unethisch erscheinen, muss selber wissen, wo er die Grenze zieht.
Wichtig ist dabei, nicht vorschnell aufzugeben nach dem Motto: ″Das MUSS ich machen, sonst wars das mit dem Job.″ Auch da ist oft mehr möglich als gedacht: Angenommen zum Beispiel, man soll als Reporter O-Töne auf einer Beerdigung von Amoklauf-Opfern holen, möchte das aber nicht und ahnt, dass ethischen Gründe in der Redaktion nicht zählen würden. Dann könnte doch eventuell eine Autopanne auf dem Weg dorthin den Reporter retten.

Zugegeben: eine Notlösung. Im Zweifelsfall aber geht – meiner Ansicht nach – eigene ethische Unversehrtheit vor falsch verstandenem Redaktionsgehorsam. Auch das ist eine Grenze, die jeder mit sich selbst ausmachen muss.

Spätestens wenn es um wirklich illegale Praktiken geht (Schleichwerbung, Bestechlichkeit, Betrug bei Gewinnspielen…) geht es aber natürlich nicht ohne die Hilfe von einschlägigen Organisationen: ver.di, djv, die Landesmedienanstalten. Als erste vertrauensvolle Station steht dann auch FAIR RADIO zur Verfügung.


Creative
″FAQ Ethik im Hörfunk – FAIR RADIO antwortet″ von Sandra Müller, FAIR RADIO steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Beruht auf einem Inhalt unter www.fair-radio.net.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie bei FAIR RADIO erhalten.

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