TUTZINGER ETHIK APPELL – für ein glaubwürdiges Radio

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Radio: Vergessen? Oder schon aufgegeben?

Erstellt von Sandra Müller am 26. Oktober 2011

Oder anders gefragt: Warum wird über Live-Fakes im Fernsehen berichtet, nicht aber über den viel häufigeren Fake im Radio?

 

Der neueste Fall: Der Bericht von Dietrich Leder über einen [Edit 31.10.2011 inzwischen ist klar: vermeintlichen] Live-Fake beim Börsenbericht im ZDF-heute journal.

In der “Funkkorrespondenz”, einem Mediendienst aus Bonn, prangert er an: Das ZDF habe die Schalte zwischen Nachrichtenmann und Börsenfrau wie live inszeniert.

Und in der Tat. Auch der Mitschnitt in der Mediathek zeigt wie sich der Sprecher Heinz Wolf scheinbar seiner Kollegin Valerie Haller zuwendet, um mit ihr zu sprechen.

Doch blöderweise  Weiterlesen »

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Die guten ins Töpfchen…

Erstellt von Udo Seiwert-Fauti am 7. Oktober 2011

…die schlechten am besten gar nicht senden. Leider gehen Live-Fakes aber doch immer wieder on air – und das geht nicht selten ordentlich schief, wie das jüngste Beispiel von SWR1 beweist:

Die Moderatorin von SWR1 Der Abend kommt ins Schwitzen – denn leider folgt ein Beitrag auf ihre Frage – und eben nicht die vermeintliche Live-Antwort des Gesprächspartners. Doof, wenn dann auch noch ein zweites Mal der gleiche Fehler passiert. Wer glaubt da noch, ein echter Gesprächspartner wartet darauf antworten zu können…?

Aber – wer immer nur meckert, kommt auch nicht weiter.
Deshalb hier noch ein Beispiel, wie es super funktioniert:

Ein Ausschnitt aus einem Interview mit Desireé Nosbusch – und zwar auch bei SWR1! Nosbusch war zu einem Überraschungsbesuch im Sender und Moderatorin Stefanie Anhalt hat sie kurzerhand am Vormittag interviewt. In Anhalts Sendung am Nachmittag wurde ein prima Gespräch gesendet – und nicht der Eindruck erweckt, Frau Nosbusch sei noch vor Ort.

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Live ist ein Hinhörer

Erstellt von Katharina Thoms am 14. April 2011

Live vor Ort - ein echter Hinhörer

“Warum gibt es keine Live-Reportagen mehr?” Das fragt sich nicht nur FAIR RADIO, sondern auch der Hörfunk-Journalist Sascha Baron. In seiner Kolumne auf radioszene.de wundert sich der erfahrene Radiomacher, warum das schnelle Medium immer weniger auf den Live-Reporter zurückgreift. Motto: Außer Fußball nix gewesen.

Live – das sei die Stärke des Radios. Auch in Zeiten des Internets könne Radio mit der prompten Vermittlung in der Live-Berichterstattung absolut punkten, schreibt Baron. Live im Radio ist einfach, schnell – und ein Hinhörer. Damit spricht er ein zentrales FAIR RADIO-Ziel an: Weiterlesen »

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Ethik FAQ

Erstellt von Katharina Thoms am 23. Januar 2011

Fair Radio beantwortet Fragen zu ethisch-fragwürdigen Praktiken im Radio:

Fragen von Volontären, langjährigen Radiomachern, Hörern – IHRE Fragen sollen hier beantwortet werden. Wie umgehen mit einem Auftrag, mit dem man als Hörfunker Bauchschmerzen hat? Wie reagieren auf Betrug im Radio als Hörer? Hier finden Sie viele Fragen und Antworten – und wenn Ihre noch nicht dabei ist: Schicken Sie uns Ihre Ethik-Frage – Fair Radio beantwortet sie hier!

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Mit Live-Betrug ins neue Jahr

Erstellt von Katharina Thoms am 10. Januar 2011

RPR1 sendet und die Mitarbeiter machen gleichzeitig Party

RPR1 ist offenbar ein arbeitnehmerfreundlicher Sender. Denn zwischen den Jahren musste dort kaum jemand arbeiten. Die Moderatoren durften ihre Sendungen für Silvester und Neujahr schon mal vorher aufzeichnen. Und dann gemütlich feiern gehen. Fair Radio findet: ein klassischer Fall von Hörerbetrug!

Hörer haben den Fall in einem Forum aufgedeckt:
Während über die Webcam weit und breit niemand im Studio zu sehen war, forderte der RPR1-Moderator Hörer auch noch zum Mitmachen auf! Eingespielte Hörerwünsche und gefakte Neujahrsgrüße rundeten die Sache offenbar ab.

Bei radioforen.de kann man die Einzelheiten zum RPR1-Betrug nachlesen

Fair Radio hat RPR1 deswegen um eine Stellungnahme gebeten – bisher ohne Antwort. Immerhin: Auf eine Höreranfrage zu dem Fall hat RPR1 offenbar reagiert – und den Betrug zugegeben.

Laut einem bei radioforen.de geposteten Schreiben ließ der Sender wissen:

Wir haben zwischen Weihnachten und an den Feiertagen tatsächlich einige Sendungen aufzeichnen müssen. […] Gerade zwischen den Jahren möchten wir unseren Mitarbeitern aber, so weit es geht, Urlaub ermöglichen. Deswegen greifen wir in diesen seltenen Fällen auf die Vorproduktion zurück. Wir möchten uns entschuldigen, dass unser Moderator Frank Simoleit da etwas zu sehr vorgeprescht ist und den Eindruck erweckt hat, die Sendung sei live.

Das ist zwar ehrlich. Aber es klingt kaum nach Einsicht. Und nach „selten“ klingt tagelange Vorproduktion mit offenbar eingespielten Hörerwünschen auch nicht. Sondern nach planmäßigem Hörerbetrug.

Katharina Thoms

Mehr zum Thema: Was nicht wirklich live ist, wird auch nicht als live verkauft.

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Warum soll man eigentlich keine Live-Fakes machen? Interessiert es die Hörer wirklich, ob live oder nicht live gesendet wird?

Erstellt von Sandra Müller am 13. Dezember 2009

Diese Frage wurde Sandra Müller beim Ethik-Gespräch im Volontärskurs der Evangelischen Medienakademie Düsseldorf gestellt. Ihre Antwort:

Das ist so ähnlich wie mit der Zutatenliste auf der Tiefkühlpizza:
Die kuckt sich auch nur eine Minderheit an. Und doch hat jeder ein Recht darauf zu erfahren, was drin ist.

Und ob Radio oder Pizza: in beiden Fällen wird’s dann spannend, wenn auch die zunächst Uninteressierten mitbekommen, dass da was nicht stimmt. Denn gefälschter Käse auf der Pizza oder gefälschte Interviews im Radio – beides können sich viele zunächst gar nicht vorstellen. WENN sie es dann aber erfahren, sind sie nicht selten empört – zumindest aber desillusioniert.

Wer zum Beispiel bei Studioführungen die erstaunten Gesichter der Besucher sieht, die mitbekommen, wie die Moderatorin einem angeblichen Gast eine Frage stellt, die Antwort dann aber per Knopfdruck einspielt, der kennt die Reaktion: ″Ach. Da ist gar niemand da? Sooo geht das?″ Der nächste Schritt ist dann nicht mehr weit: ″Die beim Radio. Da ist eh alles inszeniert.″ Als Radiomacher verspielt man so schnell seine Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Hörer. Die aber sind die Grundlage unserer Arbeit.

Live-Fakes halten wir von FAIR RADIO außerdem für besonders problematisch, weil live zu senden DIE Stärke des Hörfunks ist. Kein anders Medium kommt seinen Nutzern so nahe wie der ″Echtzeit-Begleiter″ Radio. Eben deshalb wird diese Authentizität so gerne vorgetäuscht. Aber gerade dadurch zerstört man sie.

Der Etikettenschwindel lohnt sich also nicht, ist umgekehrt aber einfach zu vermeiden.

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″FAQ Ethik im Hörfunk – FAIR RADIO antwortet″ von Sandra Müller, FAIR RADIO steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Beruht auf einem Inhalt unter www.fair-radio.net.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie bei FAIR RADIO erhalten.

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Wie soll ich immer live senden? Manche Themen sind doch für Live-Geschichten einfach nicht geeignet.

Erstellt von Sandra Müller am 13. Dezember 2009

In der Tat. Deswegen fordet FAIR RADIO auch NICHT: Alles muss live sein.  Sondern: Was für live ausgegeben wird, muss live sein. Alles andere wäre wirklichkeitsfremd. Ein Hörfunkprogramm ohne Aufzeichnungen und Vorproduktionen lässt sich nicht machen.

Dennoch haben wir den Eindruck, dass viele Radiomacher gerne vorschnell auf Aufzeichnungen ausweichen. Und warum? Weil die selbst gesetzten Produktionsbedingungen oft wichtiger sind als die Aufrichtigkeit gegenüber dem Hörer: Man will gerne live wirken, aber auch die Formatlängen einhalten, nicht länger werden als ″Einsdreißig″, den Wortanteil im Griff haben und man hält das Live-Gespräch für potenziell langweilig und riskant.

Doch ein Live-Interview ist nicht nur tendenziell ″gefährlich″ und länger als uns unser Format erlaubt. Es ist auch eine Chance, Dinge auf Sendung zu bringen, die da sonst nie hinkämen. Das setzt natürlich voraus, dass die Reporter und Moderatoren ihr Handwerk verstehen und entsprechend ausgebildet werden. Stattdessen verstecken wir Radiomacher uns gern hinter dem Satz: ″Das ist nicht machbar″.

Die Gefahr dabei ist bereits sichtbar: Die Macher der Morgenmagazine im Fernsehen laufen uns als ″Live-Journalisten″ den Rang ab. Und das obwohl das ″Live dabei sein″ mal DIE Stärke des Hörfunks war.

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Wir machen Regionalnachrichten, die in ein Mantelprogramm eingeblendet werden. Ist es da nicht besser, wenn die kurz vorher aufgezeichnet versprecherfrei rüberkommen und passgenau fertig sind, ohne den nächsten Musiktitel zu versauen?

Erstellt von Sandra Müller am 13. Dezember 2009

Frage eines Volontärs beim Ethik-Gespräch mit Sandra Müller an der Evangelischen Medienakademie Düsseldorf.  Ihre Antwort:

Das ist ein legitimes und wichtiges Anliegen.  Es gibt aber auch Lösungen für weiche Übergänge von Regionalnachrichten ins Mantelprogamm, die OHNE Aufzeichnungen auskommen. Backtimer zum Beispiel mit einer ″Pufferzone″, in der eine Sprecherin ″in Ruhe″ fertig werden kann  Voraussetzung sind natürlich Mitarbeiter, die so geschult werden, dass sie solche Verfahren beherrschen.

Ob kurz vorher aufgezeichnete Regionalnachrichten wirklich besser klingen als eine konzentrierte Live-Präsentation, ist außerdem erst noch zu klären. Erfahrungsgemäß sind so knapp einzupassende Aufzeichnungen ebenso fehleranfällig wie eine echte Live-Nachrichtensendung – dann zum Beispiel wenn noch eine aktuelle Verkehrsmeldung mit eingebaut werden soll.

Entscheidend für gut präsentierte Regionalnachrichten ist deshalb nicht die Aufzeichnung, sondern Personal, das sein Handwerk beherrscht und konsequent für die Live-Präsentation (mit Backtimer) am Mikrofon geschult wurde.

Wenn irgendmöglich sollten Nachrichten live gesendet werden.

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Warum soll man eigentlich keine Nachrichten aufzeichnen?

Erstellt von Sandra Müller am 13. Dezember 2009

Nachrichten sind der Inbegriff der Aktualität und Hörfunk-Seriosität. Und so lange sie mit dem Duktus der Aktualität und dem Verweis auf genaue Uhrzeiten wie live präsentiert werden, müssen sie auch live sein.
Wenn der Hörer erst mal zweifelt, ob das, was da erzählt wird, wirklich aktuell ist, leidet die Glaubwürdigkeit des ganzen Senders.  Das belegen Rückmeldungen, die wir bei FAIR RADIO bekommen, und Einträge bei radioforen.de.

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Was, wenn wir ein Gespräch für die Frühsendung wollen, der Gesprächspartner aber am Morgen keine Zeit hat?

Erstellt von Sandra Müller am 13. Dezember 2009

Frage eines Volontärs beim Ethik-Gespräch mit Sandra Müller an der Evangelischen Medienakademie Düsseldorf. Ihre Antwort:

Dann sollte – wenn irgendmöglich – der Frühmoderator selbst das Gespräch aufzeichnen.
Idealerweise sollte es dazu in jeder Redaktion eine Zeit am Nachmittag oder Abend geben, in der der Frühmoderator noch mal für Voraufzeichnungen zur Verfügung steht. Dann kann er morgens sein eigenes Interview anmoderieren.

Klappt das nicht, muss ein Dritter das Gespräch führen. Als korrekte Präsentation am Morgen käme in Frage:

  • die Anmoderation eines aufgezeichneten Gesprächs: ″Kollege y hat mit z gesprochen…″ – Leider hölzern und nicht sehr Anchorman-orientiert.
  • die O-TON-Moderation mit Auschnitten aus dem aufgezeichneten Interview. Das heißt: der Frühmoderator präsentiert die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch. – Eine zeitsparende und pointierte Möglichkeit.
  • ein gebautes Stück, in dem der Redakteur, der das Gespräch geführt hat, die Aussagen mit O-Tönen zusammenfasst. – Diese Form bietet zusätzlich die Möglichkeit einer hintergründigen, mit Fakten angereicherten Einordnung und kann vorproduziert werden.
  • das morgendliche Kollegengespräch mit dem Redakteur, der die Infos eingeholt hat. – Eine Lösung, die sich vor allem bei anspruchsvollen Themen anbietet, weil sich nicht nur Infos aus EINEM Gespräch, sondern möglicherweise noch weitere Infos in lockerer Form und hintergründig präsentieren lassen. Der Hörer erlebt einen kompetenten Redakteur im Live-Gespräch.

Generell gilt aber auch: Beim Rekrutieren von Interviewpartnern ruhig selbstbewusst auftreten. Viele Hörfunk-Redaktionen verkaufen sich da unter Wert. Warum denn nach dem Vorgespräch nicht mal anklingen lassen: Wir machen Interviews morgens – zur Prime-Time mit den meisten Hörern (!) – immer und ausschließlich live. Gerade im Lokalfunk, wo Gesprächspartner aus dem nächsten Umfeld kommen, hat die Oberbürgermeisterin nach solchen Ansagen dann vielleicht doch mal für fünf Minuten kurz vor sieben Uhr Zeit. Und wenn sie erst um kurz vor neun Uhr kann, wäre das ja auch ein gelungener Kompromiss.

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Wie lassen sich aufgezeichnete Interviews korrekt anmoderieren? Nur mit: “Dieses Gespräch haben wir vor der Sendung aufgezeichnet”?

Erstellt von Sandra Müller am 13. Dezember 2009

Frage eines Volontärs beim Ethik-Gespräch mit Sandra Müller an der Evangelischen Medienakademie Düsseldorf. Ihre Antwort:

Natürlich wäre der explizite Hinweis auf die Aufzeichnung die klarste Form der Anmoderation. Doch zugegeben: Sie klingt sperrig.  Wer es gerne flüssiger und gefälliger möchte, hat viele Alternativen.

Beispiele und Ideen:

In Musterburg fehlt Geld, viel Geld. Und schuld ist die Wirtschaftskrise. Denn bei den Haushaltsberatungen gestern abend ist klar geworden: die Steuerausfälle der nächsten Jahre werden größer als anfangs gedacht. Bis 2013 schrumpft nach neuesten Schätzungen allein die Einkommenssteuer um 30 Millionen Euro. Was das für Folgen hat, darüber habe ich mit Oberbürgermeister Max Mustermann gesprochen.

Der Einspieler beginnt mit der Frage des Interviewers: ″Herr Mustermann, 30 Millionen Euro Ausfälle allein bei der Einkommenssteuer? Ist das das Aus für die versprochenen kostenlosen Kindergartenplätze?″ Dann folgt das normale Gespräch…″Aber irgendwo muss doch dann gekürzt werden? Wo?″ usw.)

…Ob sich die Stadt da die versprochenen kostenlosen Kindergartenplätze leisten kann? Das habe ich OB Mustermann gefragt. Einspieler beginnt mit Antwort OB

…Dennoch soll es ab kommendem Jahr kostenlose Kindergartenplätze für alle Kinder in Musterburg geben. Das hat OB Mustermann versprochen. Und dieses Versprechen will er nicht aufgeben. Einspieler beginnt mit Antwort OB

….Doch OB Mustermann gab sich zuversichtlich. Zitat: ″Das mit den kostenlosen Kindergärten kriegen wir hin.″ Einspieler beginnt mit Antwort OB

…Und deshalb muss jetzt gespart werden. Allerdings nicht bei den Kindergärten, wie OB Mustermann im Interview mit uns/im Gespräch mit mir betont hat. Einspieler beginnt mit Antwort OB

…Garantiert nicht gespart werden soll aber an den städtischen Kindergärten, so der Oberbürgermeister. Einspieler beginnt mit Antwort OB

Variationen gibt es viele. Entscheidend ist, dass wir dem Hörer nicht vorgaukeln, dass da ein Live-Gespräch stattfindet, sondern klar kennzeichnen, dass der Oberbürgermeister eben nicht gerade jetzt im Studio sitzt.

Tabu sollten deshalb Formulierungen sein wie:

Bei mir im Studio: OB Mustermann. Bedeutet das Finanzloch jetzt das Aus für die versprochenen kostenlosen Kindergartenplätze?

oder

Frage an OB Mustermann: ….

oder gar die aufgezeichnete Begrüßung:
Hallo, Herr Mustermann.

Und selbstverständlich sollte ein aufgezeichnetes Interview nicht explizit als live ausgegeben werden.

Eine gute Form, ein aufgezeichnetes Gespräch korrekt zu präsentieren kann bei einem Kurzinterview übrigens auch die O-TON-Moderation sein.

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Live-Fakes haben kurze Beine – jetzt bei SAW, PSR und Landeswelle Thüringen

Erstellt von Sandra Müller am 25. Oktober 2009

Aufmerksame/r Hörer/in ärgert sich über das neue gemeinsame Spiel

Die Sender nehmen offenbar Mitspieler auf Sendung und erwecken den Eindruck, die Telefonate seien live. Sind sie aber nicht. Wer mit dem Auto im Grenzgebiet unterwegs ist, bemerkt das, wie eine aktueller Eintrag bei radioforen.de beweist. Dort heißt es:


Lustig wird es, wenn man im “Grenzgebiet” unterwegs ist und exakt denselben Anruf erst auf PSR, 8 Minuten später beim Rumzappen bei SAW und irgendwann auch noch bei Landeswelle hört – natürlich jedesmal als würde das Telefonat gerade eben stattfinden.

“Ja, hier ist die … aus Leipzig…hihi… Kindergärtnerin …ich fasse es nicht…hihi… 1000 Euro?” – “Da bekommen die Kleinen heute bestimmt Süßigkeiten?” – “Ja… hihi… klar!”

Mein Beifahrer: “Die mit ihren sinnlosen Gewinnspielen – ich suche mal weiter.”

“Ja, hier ist die … aus Leipzig…hihi… Kindergärtnerin …ich fasse es nicht…hihi… 1000 Euro?” – “Da bekommen die Kleinen heute bestimmt Süßigkeiten?” – “Ja… hihi… klar!”

Mein Beifahrer: “” (bedient wieder den Suchlauf)

“Ja, hier ist die … aus Leipzig…hihi… Kindergärtnerin …ich fasse es nicht…hihi… 1000 Euro?” – “Da bekommen die Kleinen heute bestimmt Süßigkeiten?” – “Ja… hihi… klar!”

Mein Beifahrer: “…”

Er war danach “leicht” sauer auf die 3 Sender.
Das ging dann wohl irgendwie nach hinten los.

Der Eintrag beweist einmal mehr, wie sehr solche Fakes dem Ruf und der Glaubwürdigkeit des Hörfunks schaden. Denn sie beschädigen das Vertrauen der Hörer in das, was Radio eigentlich am besten kann: ein aufrichtiger Begleiter zu sein für den Tag.

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Fast Merkel? Ach ne! Nur ein Mastferkel. – Hitradio Antenne Niedersachsen wär das vermutlich egal

Erstellt von Sandra Müller am 25. Oktober 2009

Denn Mitschnitte belegen, dass der Sender offenbar gerne so tut als ob, auch wenns haarscharf an der Wirklichkeit vorbei ist.

blogmedien.de jedenfalls erklärt, wie sich Hitradio Antenne Niedersachsen die Wirklichkeit bei einem angeblichen Interview mit Merkel und Steinmeier zurecht gebogen hat.
Demnach hat Nachrichtenchef Georg Poetzsch angeblich persönlich mit Kanzlerin Angela Merkel und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier gesprochen. Dieser Eindruck wurde auf Sendung erweckt.

Doch weit gefehlt: Die Antworten kamen aus der Konserve, heißt es bei blogmedien.de. Und Mitschnitte beweisen das. Sie liegen FAIR RADIO vor.

Aufgenommen hatte das Interview ursprünglich Marcel Weiß von Radio NRW. Die Ausstrahlung war für Dutzende Privatradios in Deutschland mit großem Aufwand angekündigt worden.

Georg Poetzsch aber hat die Aufnahmen ausgeschlachtet und neu vertont. Er scheut sich dabei nicht, eine gesprächige Situation nachzuspielen und begrüßt Angela Merkel sogar im Studio mit einem herzlichen “Guten Morgen”.

Erneut ein Beispiel also für den fragwürdigen Umgang mit Gesprächspartnern, Hörern und Aufnahmen.

Und leider kein Einzelfall, wie wir bei FAIR RADIO immer wieder feststellen müssen.

Danke bei dieser Gelegenheit an Marie-Theres Bär für das wunderbare "Gemischte Doppel",
das sich hier als Überschrift anbot, und an Uwe Vogel und seine frei verfügbaren Bilder
unter www.oldskoolman.de

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Von SWR3 bis 1LIVE: Antworten aus der Konserve

Erstellt von Udo Seiwert-Fauti am 3. Juni 2009

Über Gespräche im Radio, die keine sind

Es ist ohne Frage ein Dilemma, dass das Radio rund um die Uhr sendet, Gesprächspartner aber nicht rund um die Uhr verfügbar sind – erst recht, wenn es Promis sein sollen. Toll also, dass die Stars trotzdem auf Knopfdruck “live” ins Studio kommen. Bequem für die Macher.

Man könnte aber auch sagen: Etikettenschwindel. Denn dem Hörer wird einmal mehr etwas vorgegaukelt, was nicht den Tatsachen entspricht.

Zwei aktuelle Beispiele:
SWR3 am 29.03.09 – “Im Gespräch” mit vorbereiteten Antworten

1LIVE am 16.04.09 – Der Gast der nur eine Aufnahme war

Beides Live-Fakes, also Gespräche, die so nie statt gefunden haben. Sie sind aufgezeichnet und bearbeitet. Die Antworten wurden einzeln zurecht geschnitten. Der Moderator stellt auf Sendung die passenden Fragen dazu.

Trotzdem wird der Hörer in beiden Fällen im Glauben gelassen, die Gäste seien live im Studio. Bei der Aufnahme von 1Live wird der Gast sogar explizit als im Studio anwesend begrüßt. Warum?
Vermutlich um eine Authentizität und Unmittelbarkeit vorzutäuschen, die so aber nicht gegeben ist.

Aus Sicht von FAIR RADIO gibt es zwei Gründe, diese Praxis zu hinterfragen: Erstens, weil Radiomacher sich der Wahrhaftigkeit gegenüber den Hörern verpflichtet fühlen sollten. Schließlich würden wir als Journalisten doch auch jeden Saftladen anprangern, der Saft aus Konzentrat unter dem Etikett “frisch gepresst” verkauft. Und zweitens, weil diese Praxis langfristig zerstört, was den Hörfunk eigentlich ausmacht: Das Vertrauen der Hörer in einen aufrichtigen und glaubwürdigen Tages-Begleiter.

Spätestens dann, wenn der Hörer merkt, dass ihm das Konzentrat als frischer Direktsaft verkauft wurde, ist das Vertrauen dahin. Und da diese Praxis inzwischen weit verbreitet ist, ist der Live-Begriff schon jetzt mehr als angegriffen.

Auch hier sollten also die FAIR RADIO-Grundsätze gelten:
Es wird nichts vorgegaukelt, was nicht tatsächlich so ist
Was nicht wirklich live ist, wird auch nicht als live verkauft

Foto von thomaswanhoff: "Fisch in Dosen"
Some rights reserved. Quelle: http://www.piqs.de

Links zum Thema:

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Es geht auch anders

Erstellt von Sandra Müller am 16. Mai 2009

DAS DING beweist: Interview-Fakes sind verzichtbar

Aufgezeichnete und nachgestellte Pseudo-Live-Interviews – angeblich geht es im modernen Radio nicht ohne: Stimmt nicht. Die Kollegen von DAS DING beweisen das Gegenteil – aufrichtig und eindeutig. Sie moderieren im Hörbeispiel vorher eingeholte Antworten einfach korrekt als Statements an.

Die Vorteile:

- Die vorher befragte Gesprächspartnerin muss nicht das Gefühl haben, (möglicherweise ahnungslos) Teil eines inszenierten Theaterstück geworden zu sein.

- Der Moderator muss nicht verzweifelt einen “Gesprächführenden” mimen, oder Angst haben, versehentlich mit seinem Fake aufzufliegen.

- Und dem Hörer wird nichts vorgegaukelt.

Ein Sender der auf Dauer mit so offenen Karten spielt, darf hoffen, vom Hörer ernst genommen zu werden. Echte Live-Gespräche gewinnen so möglicherweise den Wert zurück, der ihnen gebührt.

Die Nachteile:

Keine.

Das Beispiel von DAS DING beweist aus unserer Sicht, dass die moderierte Form ebenso erfrischend wirken kann, wie ein gefaktes Interview.

Fazit:

Auch wenn Gesprächspartner und Moderatoren nicht immer im passenden Moment Zeit haben; auch wenn die Gespräche hinter den Kulissen von Dritten geführt werden: Es ist völlig unnötig, später auf Sendung dem Hörer ein Live-Gespräch vorzugaukeln.

Es freut uns übrigens besonders, dass es junge Radiomacher sind, die hier zeigen, wie man es auch machen kann und soll – ein Vorbild möglicherweise auch für alte Hasen? Zumindest aber Anlass, die eigene eingeschliffene Praxis zu hinterfragen.

Vielleicht lassen sich ja weitere Präsentationsformen finden, die die Qualität eines Gesprächs mit der Aufrichtigkeit gegenüber dem Hörer verbinden. Vorschläge und Beispiele erwünscht.

“Wichtig für uns ist Authentizität und Ehrlichkeit”
Kommentar von Sandra Zapke, DAS DING (19.1.09)

FAIR RADIO hat DAS DING-Cheflayout-Planerin Sandra Zapke um ein Statement zu dem Hörbeispiel gebeten.
Die Antwort lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig:

Wichtig für uns ist Authenzität und Ehrlichkeit – das gilt für Moderationen und für den Umgang mit unseren Hörern.

Dazu gehört natürlich auch, dass wir in Interviewsituationen ehrlich sind.

Wenn ein Moderator das Interview zum Beispiel aus Zeitgründen nicht selbst führen konnte, muss dem Hörer nicht vorgegaukelt werden, dass es so war. Zumal es ja genug Möglichkeiten gibt die Moderation so zu strukturieren, dass es trotzdem gut klingt.

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