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Radiosender? Dauerwerbesender!

Wie viele Stationen ihre Hörer für dumm verkaufen.

Radio unterhält. Radio berichtet. Radio informiert. Und manchmal tut es nur so. Denn immer mehr Sender verkaufen als Journalismus, was in Wahrheit PR ist. Bezahlt von Unternehmen. Anders ausgedrückt:
Viele Radiosender sind Dauerwerbesender.

Sie berichten nicht mehr.
Sie informieren nicht mehr.
Und ihre Beiträge werden nicht mehr von Journalisten gemacht.

Die Beiträge werden stattdessen kostenfrei übernommen – von Agenturen (z.B. Schlenker PR mit den Plattformen podfm und radioboerse, audioetage, …), die sich für diese Beiträge wiederum von Unternehmen und Verbänden bezahlen lassen.

Beispiel gefällig?

Da berichtet ein Sender über die Möglichkeiten, Energie zu sparen. Doch der Beitrag stammt von www.podfm.de und bezahlt hat den Beitrag das Versandhaus QUELLE! Dessen Experte erklärt dann auch im Beitrag, wie man sich bei QUELLE zum Energiesparen schlau machen kann. Und klar: Im Anschluss weist der Moderator gerne auf die QUELLE-Internetseite hin. Zusätzlich verlinkt die Sender das Unternehmen im Netz nochmal. Der Kunde der Agentur bekommt seinen Werbeeffekt. Für den hat er bezahlt. Und der Hörer? Der will seriöse Information und glaubt, dass er die auch bekommt. In Wahrheit aber hat er einen Werbespot gehört. Nur weiß er es nicht. Denn oft wird weder auf Sendung noch im Internet darauf hingewiesen, dass die gesendeten Beiträge gekaufte Werbebeiträge sind.

Ein klarer Verstoß gegen die Richtlinien der Landesmedienanstalten und den Rundfunkstaatsvertrag. Schließlich gilt das Gebot der Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten. Aber wen kümmerts?

Hier eine kleine Liste von Sendern, die im Verdacht stehen, auf genannte Art Ihre Hörer zu täuschen:

SkyRadio Hessen, Kassel

Radio Primavera, Aschaffenburg
RPR1, Ludwigshafen
Vogtlandradio, Plauen

Diese Sender sind nachweislich Kunden bei Audioagenturen, die fertige und von Unternehmen bezahlte Beiträge liefern. Die Beiträge sind (oder waren) bei diesen Sendern auch im Netz nachzuhören. Die Screenshots beweisen: Der Vermerk „Anzeige“ oder „Werbung“ fehlt. Im laufenden Programm werden die Beiträge nach Aussage der Agenturen im redaktionellen Teil eingesetzt.

Mit Radio 7 hat sich nach unseren Vorwürfen eine Diskussion entsponnen. Sie finden sie als Kommentar im Anschluss an diesen Artikel.

Ein besonders dreistes Beispiel liegt uns von Antenne Niedersachsen vor. Es zeigt, wie schamlos PR-Beiträge als journalistische Berichterstattung verkauft werden. Die Aufnahme stammt aus der Eigenwerbung der PR-Audio-Agentur „audioetage“. Darin kündigt der Moderator von Hitradio Antenne Niedersachsen den übernommenen Beitrag als von „meinem Kollegen“ gemacht an. Werbetrenner sind nicht eingefügt. Der Hörer hat keine Chance, die Täuschung zu erkennen.

Die Aufnahme liegt FAIR RADIO als Audiofile vor. Wir dürfen es nach Widerspruch durch die Agentur „Audioetage“ aber nicht mehr hier online stellen. Außerdem hat die Agentur als Reaktion auf unsere Veröffentlichung zwischenzeitlich auch ihren Demo-Player auf der Internetseite still gelegt. Dort war das Stück bis vor kurzem für jeden zugänglich. Deshalb stattdessen hier ein Transkript der Aufnahme:

Sie beginnt mit einem freundlichen Agentursprecher, der ankündigt:

„Zunächst gehen wir nach Niedersachen zu Hitradio Antenne. Unter anderem lief dort zur Weihnachtszeit ein Beitrag, den Audioetage für Ebay produziert hat.“

Im Anschluss: der Mitschnitt von Hitradio Antenne. Dort wird der fragliche Beitrag mit folgenden Worten vom Moderator angekündigt:

„[…]Mensch, mal ganz ehrlich. Wie viele Weihnachtgeschenke haben Sie schon zusammen? Sollte Ihnen diese Frage ein schlechtes Wissen bereiten. So entschuldige ich mich dafür. Aber hier kommen die harten Fakten: Mehr als vierzig Prozent der Deutschen haben erst am 23. Dezember, also EINEN Tag vor Heilig Abend wirklich alle Geschenke zusammen. Mein Kollege Julian Regenthal-Patzak berichtet.“

Dann folgt der Beitrag von audioetage mit O-Tönen, in denen eine Kundin erklärt, wie zeitraubend doch das Weihnachtsshopping wäre und wie einfach das doch alles mit Ebay geht.

Klar: Ebay hat für diesen Beitrag bezahlt. Werbung also. Auf Sendung aber: kein Wort davon. Im Gegenteil: Der Autor des Beitrags wird ganz frech als Mitarbeiter des Hauses ausgegeben.

Kennen Sie noch mehr Sender, die solche Werbebeiträge übernehmen und als eigene Berichterstattung ausgeben? Lassen Sie es uns wissen!

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  1. Und plötzlich hat das Spreeradio 105.5 einen neuen „Kollegen“…

    Wie schnell ein PR-Beitrag zum Stück aus der eigenen Redaktion wird.Das Hörbeispiel anbei beweist:

    Auch Spreeradio 105,5 hat offenbar bereits mit ″Schlenker PR″ zusammengearbeitet. Und zwar so eng, dass der dortige Mitarbeiter „Tobias“ auf Sendung mal eben zum Kollegen erklärt wurde:

    Die Aufnahme stammt von einer Demo-CD der Agentur aus dem Jahre 2006 wie sie auf Anfrage an Kunden versendet wurde und wird.

    Antworten

    • Radio 7 und Reaktion von FAIR RADIO
    • 21.06.08

    Radio 7 nimmt fragwürdige PR-Beiträge aus dem Netz

    Am 17.06.08 hat uns eine Mail von Radio 7 erreicht. Der Sender wirft FAIR RADIO darin falsche Behauptungen vor.
    Radio 7 würde seine Hörer nicht täuschen und habe PR-Beiträge stets medienpolitisch korrekt im Werbeblock, also vom redaktionellen Teil getrennt, ausgestrahlt. Online seien die Beiträge seit kurzem nicht mehr abrufbar. Auch das Angebot im Internet sei jedoch bislang als Werbung gekennzeichnet gewesen.

    Darauf haben wir von FAIR RADIO am 18.06.08 mit folgender E-Mail reagiert:

    Sehr geehrter Herr xxx,

    vielen Dank für Ihr Schreiben.

    Wir freuen uns sehr, dass Radio 7 offenbar bereit ist, sich an die Richtlinien zu halten, die viele deutsche Radiomacher gemäß dem Tutzinger Appell von FAIR RADIO für notwendig erachten.

    Schön auch, dass Sie Ihren eigenen Angaben zufolge PR-Beiträge deutlich erkennbar im Werbeblock platzieren. Das entspricht gutem journalistischem Ethos und den Vorgaben des Rundfunkstaatsvertrages.

    Dementsprechend werden wir von FAIR RADIO missverständliche Darstellungen auf unserer Internet-Seite selbstverständlich ändern. Vielen Dank für den Hinweis.

    Doch zugegeben: Wie haben nach wie vor Zweifel.

    Denn klar ist: Der Audioanbieter, bei dem Sie sich offenbar nach wie vor bedienen, die Agentur „Schlenker public relations“/Stuttgart, wirbt bei seinen Kunden explizit damit, die vorgefertigen Beiträge und Interviews würden im redaktionellen Umfeld der Sender laufen, NICHT in den Werbeblöcken.

    Zitat aus eine Demo-CD der Agentur: „Ausgestrahlt wird im redaktionellen Programm der Radiostationen….“

    Aber natürlich lassen wir uns durch Beleg-Mitschnitte aus Ihrem Haus gerne eines Besseren belehren.

    Nach momentaner Sachlage scheint uns Skepsis gegenüber Sendern, die Beiträge dieser Agentur ausstrahlen, aber nach wie vor gerechtfertigt.

    Wie gesagt: Um so erfreulicher, wenn Radio 7 sich tatsächlich an die journalistischen Spielregeln hält, und jetzt im Internet sogar ganz auf die fragwürdigen Beiträge verzichtet.

    Die erwähnte Kennzeichnung als Werbung konnten wir auf den bisherigen Internetseiten jedoch nicht erkennen und wird auch auf unserem screenshot vom 29.04. nicht deutlich.

    Außerdem bleibt festzuhalten, dass Ihr Internetangebot durchaus weitere Rubriken enthält, die auf den ersten Blick zweifelhaft erscheinen. Allzu oft scheinen zum Beispiel die Texte ihrer „Radio7-Reisetipps“ eins zu eins aus den Werbebroschüren und PR-Auftritten der jeweiligen Lokalitäten und empfohlenen Reiseziele entnommen.

    Wir würden uns also freuen, wenn Sie auch weiterhin im Sinne von FAIR RADIO ihre bisherige Praxis überdenken würden.

    Da wir langfristig planen, vorbildliche Stationen mit dem Label FAIR RADIO auch positiv aus der Masse der oft fragwürdigen Sender hervorzuheben, könnte sich ein entsprechend respektvoller Umgang mit den Hörern möglicherweise gleich doppelt lohnen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Udo Seiwert-Fauti
    Sandra Müller
    FAIR RADIO

    Antworten

    • Uli Höhmann, Journalist, Frankfurt
    • 07.07.08

    Warum zitiert ihr nicht vollständig und wörtlich?

    Gute Initiative, aber warum zitiert ihr die mail von Radio 7 nicht vollständig und wörtlich, so wie auch euer Antwortschreiben? Dürft ihr das nicht oder wollt ihr das nicht.

    Ich fände es nur fair, wenn ihr einfach gegenüber stellt und darauf vertraut, dass der Kritisierte sich dadurch selbst entlarvt. Die Besucher eurer Initiative im Net sind sicher mehrheitlich Journalisten wie ihr, für die braucht ihr nichts kürzen oder fett hervorheben.

    Antwort von FAIR RADIO

    Der Kollege Uli Höhmann hat recht.Sowas zitiert man normalerweise wörtlich. Genau so hatten wir es ursprünglich auch gemacht.
    Allerdings – der Kollege hast es ja schon erraten:

    Radio 7 selbst hat tatsächlich verboten, die Mail eins zu eins zu veröffentlichen. Ebenso den weiteren schriftlichen Austausch.
    Wir finden das sehr schade und haben dann den Umweg über das indirekte Zitat gewählt. Vermutlich hätten wir das besser von Anfang an klar gemacht. Das sei hiermit nachgeholt.

    Vielen Dank für den Hinweis.

    Die Hervorhebungen mit Fettschrift sind übrigens eher als Lesehilfe für Eilige gedacht. Wir haben uns gerade im Falle der Radio 7-Debatte (hoffentlich erkennbar) Mühe gegeben, die Markierungen nicht einseitig zu platzieren.

    Antworten

    • Johannes, Redakteur und Moderator, Berlin
    • 07.07.08

    Bin ich Täter?

    Ich moderiere eine tägliche Sendung, die ich auch redaktionell vorbereite und ich gestehe: Ja ! Ich suche mir O-Töne auf etlichen Portalen zusammen und sende sie! Warum ? Weil die Themen oft in meine Sendung passen und ich der Meinung bin, meine Hörer finden das spannend! Bin ich jetzt Täter?
    Ich will doch nur ne schöne Sendung machen! Der Redakteur einer Zeitung berichtet doch auch über Pressemitteilungen!

    Antwort von FAIR RADIO

    Lieber Johannes,

    freigegebene O-Töne zu verwenden ist so wenig strafbar wie die Inhalte von Pressemitteilungen zu nutzen.
    Deshalb: Nein. Du bist kein Täter im juristischen Sinn, so lange Du O-Töne verwendest, die zum Senden im Hörfunk freigegeben sind, und Du kein Geld dafür bekommst, bestimmte dieser O-Töne einzusetzen.

    Dennoch sind beim Einsatz solcher Töne, die eventuell von Firmen oder Interessengruppen zur Verfügung gestellt wurden, die Regeln des guten Journalismus zu beachten.
    Denn wie Du richtig schreibst: Redakteure berichten im Idealfall ÜBER Pressemitteilungen, sie übernehmen sie nicht einfach ungeprüft. Das widerspräche dem Kodex des deutschen Presserates (Link siehe unten). Und das gilt auch für den Hörfunk.

    Anders ausgedrückt:
    Komplette Beiträge, die von Unternehmen bezahlt wurden, müssen tabu sein. Sie sind ja quasi vertonte Pressemitteilungen. Und wer einzelne O-Töne benutzt, muss sorgfältig prüfen, ob er er sich dadurch nicht vorschnell mit einer einseitigen Position gemein macht.

    Falls Du noch mehr wissen willst, über die journalistischen Regeln im Umgang mit PR und Pressemitteilungen, dann helfen Dir vielleicht die Links anbei.
    Und wenn Du noch mehr Fragen hast, mail uns einfach.

    Grüße
    Dein FAIR RADIO-Team

    Links zu diesem Thema:
    Der Presserat zum richtigen Umgang mit Pressemitteilungen
    Lehrbuch des Preeserats zur „Ethik im Redaktionsalltag“

    Antworten

    • FAIR RADIO - nach weiteren Hinweisen durch Leser
    • 07.07.08

    Und die Liste wird immer länger….

    Auch folgende Radiosender bedienen sich offenbar bei podfm. Die PR-Beiträge von dort stehen jedenfalls ohne Werbekennzeichnung im Internetangebot der Sender.
    Radio Brocken, Halle
    Radio Euroherz, Hof

    Antworten

  2. Nochmal zur Übersicht: Sender, die fragwürdige PR-Beiträge nutzen

    Weil die Liste jetzt nochmal um einen Kandidaten länger geworden ist, hier nochmal alle im Überblick:

    Radio Eins, Coburg
    Radio Zwickau
    Radio Chemnitz
    PowerRadio Berlin
    Radio Brocken, Halle
    Radio Euroherz, Hof
    Skyradio,Hessen
    Vogtlandradio, Plauen
    Radio Primavera, Aschaffenburg
    Radio ffn, Hannover

    All diese Sender sind nachweislich Kunden bei der Audioagentur Schlenker. Sie setzen die Beiträge offen sichtbar im Internet ein, ohne sie als Werbung zu kennzeichnen.
    Nach Angaben der Agentur werden die Beiträge auch on air im redaktionellen Teil gespielt.

    Radio 7 dagegen hat sein Internet-Angebot mit fragwürdigen PR-Beiträgen im Internet inzwischen offline gestellt.

    RPR1 hat sein Internetangebot mit dem Vermerk >Anzeigen< versehen. Beides scheint eine Reaktion auf unsere Veröffentlichungen zu sein.

    Antworten

  3. RPR1 bessert nach – ein Erfolg von FAIR RADIO?

    Klein, aber fein: RPR1 hat PR-Beiträge auf der Internetseite jetzt als „Anzeigen“ gekennzeichnet. Scheint, als hätte der FAIR RADIO-Artikel über Dauerwerbesender, den Ausschlag gegeben.

    Damit entspricht das Angebot an dieser Stelle endlich den Vorgaben des Rundfunkstaatsvertrags. Denn dieser kleine Hinweis macht den Unterschied. Schön.

    (Zum Vergößern bitte auf das Bild klicken)

    Noch schöner wäre, wenn sich alle Sender an diese Kennzeichnungspflicht halten würden. Und am allerschönsten wäre, wenn diese Kennzeichnungspflicht auch auf Sendung berücksichtigt würde.

    Nach wie vor aber scheinen viele Sender vorgefertigte und von Unternehmen bezahlte PR-Beiträge völlig ohne Kennzeichnung einzusetzen. Wie anders könnte die Mehrzahl der PR-Audioagenturen sonst damit werben, die Beiträge würden im redaktionellen Umfeld platziert?

    Antworten

    • Bernd Schwintowski, Journalist, Berlin
    • 02.11.08

    Dauerwerbung im Radio

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,
    werte Verfechter eines sauberen (Radio-) Journalismus.

    Wie verhält es sich eigentlich mit der Werbung, die zwischen den Wortbeiträgen gesendet, die aber nicht als solche angekündigt wird? Ich meine die Musikbeiträge, die nicht nur die Hörer unterhalten, sondern auch motivieren (können/sollen), das jeweils gerade gehörte Stück im Laden (oder online) zu erwerben. Müssten derartige (Werbe-) Beiträge nach der Diktion von fairradio auch als „Werbung“ angekündigt werden, wenn man konsequent sein möchte?

    Immer wachsam sein!

    Antworten

  4. Pod FM gibt es nicht und…

    MAAANNNNN!! Ihr schreibt ständig von der Agentur podfm. Es gibt keine Agentur podfm!!!! podfm ist der Names des Podcastes von Schlenker-PR. Genauso wie es nicht die Firma A-Klasse gibt, gibt es nicht pod fm!
    Das herauszufinden bedarf keiner großen Recherche! Wie ernst soll man diese Seite da nehmen! Und mal so ganz nebenbei: Selbst die Bundeszentrale für politische Bildung vertreibt im Rahmen ihres Lokaljournalistenprogramms zu Wahlen Radiobeiträge! Ist das keine Hörfunk PR?

    Antwort von FAIR RADIO

    Hast ja recht. PodFM ist das Angebot von Schlenker. Haben wir aber ja auch schon geschrieben. Liegt also nicht an mangelnder Recherche, allenfalls an – zugegeben – unklarer Begriffsverwendung. Deshalb: Danke für den Hinweis. Wir ändern das.

    Zu Deiner Frage:
    Hörfunk-PR ist Hörfunk-PR unabhängig vom Absender. Und PR ist nicht verboten. Verboten ist, sie gegen Bezahlung im redaktionellen Teil eines Senders auszustrahlen. Und selbst wenn KEIN Geld fließt, ist sie eins zu eins im redaktionellen Teil ausgestrahlt…

    a) Betrug am Hörer, der glaubt journalistisch informiert zu werden und

    b) ein Zeichen mangelnder journalistischer Sorgfalt. Wer sowas bei der Zeitung macht, verstößt damit gegen den Pressekodex. Der könnte als Richtschnur doch auch für uns Radiomacher dienen.

    Deine FAIR RADIOmacher

    Links zu diesem Thema:
    Der Presserat zum richtigen Umgan mit Pressemitteilungen
    Der Rundfunkstaatsvertrag zur Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten

    Antworten

  5. Jaja, der heilige Gral

    Jeder Redakteur, der eine Seite zu machen oder eine Sendung gestalten muss, strebt ein „rundes Ergebnis“ seiner Arbeit an – der Themenmix, der Infogehalt, die Art der Informationsaufbereitung, dass alles soll zu seinem Heft, seiner Sendung „passen“. Und wir, die Leser und Hörer, honorieren das mit unserer Aufmerksamkeit. Aber – wo soll der Redakteur sein „Zeug“ hernehmen?

    Fürs selber noch Beiträge machen, bleibt kaum Zeit, für tolle, gut gemachte und aufwändig geschriebene/produzierte Beiträge hat er kaum Etat. Also nimmt er in seine Auswahl auch erst mal mit auf, was nichts kostet. Das kommt mit rein, wenns „passt“ und seinen journalistischen Kriterien standhalten kann….

    Und wir? Wir hören gern Radio – dauernd, und beileibe nicht nur das gebührenfinanzierte Öffentlich-Rechtliche, (abgesehen davon: kennt Ihr deren Honorare?) um gut unterhalten zu werden oder uns informiert zu fühlen. Und wir lesen gern – auch im Internet mit dem gleichen Ziel. Aber alles bitte doch immer hübsch für „umme“ – oder wie ist es um die Zahlungsbereitschaft der Publikumsmehrheiten im „Informationszeitalter“ bestellt. Was scheren uns denn die, die die Infos „ranschaffen“ und aufbereiten???

    Unternehmen, Verbände, Institutionen et. al. haben ein Interesse, bestimmte Informationen zu verbreiten, auf sich aufmerksam zu machen etc. und das ist erst mal legitim. Dass sie/ihr Produkt das alleinzig Weltbeste ist, wollen und dürfen sie auch verbreiten – in entsprechend gekennzeichneter und bezahlter Werbung.

    Und Informations- oder Aufmerksamkeitsinteresse darüber hinaus? Dazu treiben sie eben Pressearbeit. Manche auch in Audioform. Und wie sie damit – also mit der Art der Infos, der Art der Aufbereitung etc. – bei den Medien „landen“, hängt sehr von der Qualität der Aussendungen ab. Wenn Sie gut gemacht sind – sprich, das Thema eine gewisse aktuelle Relevanz haben, journalistisch gut aufbereitet sind, und eben nicht so „peerrig“ oder werblich, dass es den verantwortlichen Redakteur gruselt, kommen sie „rein“. Muss der für die Seite/Sendung verantwortliche Redakteur entscheiden – bei einer Auswahl ihm verfügbarer – kostenpflichtiger und unentgeltlicher – Quellen. Denn er muss und will eine ansprechende gute Seite/Sendung machen, hat dafür kaum Geld und Leute. Was auch was mit der Kostenlosigkeit seiner Sendung zu tun hat – die wir sooo (also für „umme“) ja alle gern wollen – aber dafür zahlen???

    Mal abgesehen davon, dass es auch in den ör-TV-Programmen, wo für „Berücksichtigung“ bestimmer „Interessen“ Themen oder Produkte Geld geflossen ist- auch in Infoprogrammen (siehe Marienhof, hr-Sport-Emig etc.) – liegt hier tatsächlich ein Skandal – denn für diese Programme haben wir bezahlt.

    Aber alles andere? Heute ist doch alles privatwirtschaftliche auf Gewinnmaximierung getrimmt – auch im Medienbereich. Wissen wir alle. Aber hier rumjaulen, und den heiligen Gralshüter spielen, „Kollegen anscheißen“ – das ist an Hybris einfach kaum zu überbieten. Oder zahlt Ihr für alles, was Ihr konsumiert, auch einen entsprechenden Preis?

    Da nämlich würde die Fairness anfangen – aber was nicht ins Konzept passt oder wohlfeil ist, kann der Intellekt ja hübsch ausblenden, nicht wahr!?!
    Zum Kotzen, diese Form von selbsternannter – um nicht zu sagen – anmaßender „Aufpasserschaft“. Und für meinen Geschmack verlogen bis Anschlag.

    Macht nicht auch die Bundeszentrale bezahlte Radio-PR? Ach so, die stehen ja auf der Seite der „Guten“ (und sind ja auch, je nach politischen Vorzeichen, von jedwedem Parteiinteresse unbeeinflusst, jaja) Wie sagen die Bremer: Man kann jeden Scheiß begründen…..

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    • Herta Ramin, Journalistin und Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes
    • 11.02.10

    FAIR RADIO: eine notwendige Initiative, wenn wir vermeiden wollen,…

    …,dass das wunderbare Medium Radio zu einer Farce zerfällt. Danke für das Engagement an FAIR RADIO, den Missstand im Radio-Alltag generell zur Diskussion zu stellen und Veränderungen zu fordern.

    Wie wichtig die Initiative FAIR RADIO ist, wird an den aufgestellten Leitsätzen deutlich – Leit- und Grundsätze, von denen wir als Journalisten ausgehen dürften, dass sie auch unausgesprochen zu den Grundsätzen unseres Berufsstandes gehören. Wenn so genannte Journalisten aus der Realität die Initiative FAIR RADIO für realitätsfremd halten – was soll ich daraus folgern? Wollen sie mich glauben machen, dass schlechter Journalismus der einzige Weg in die Zukunft des wirtschaftlich rentablen Journalismus ist? Was ist das für eine Logik??

    Eins steht fest: unsere gegenwärtige Arbeitsgesellschaft bedarf dringender Veränderungen. Veränderungen bedürfen immer neuer Wege und Mut. So bedürfen neue Wege ebenfalls im Journalismus einigen Mutes und kreativer Ideen, sich von schlechten Einheits-Brei-Formaten zu lösen – ich rede ausdrücklich über alltäglichen Hörfunk für den allgemeinen Bürger. Der Hörer ist weniger dumm als von einem Teil von Journalisten vielleicht angenommen wird. Unsere Zuhörer brauchen auch unseren Mut für gutes Radio.

    Herta Ramin, Journalistin und Mitglied des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes

    Antworten

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