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Gut gemachte Hörerbindung
oder journalistische Grundsätze missachtet?

Die Rechtsaufsicht kritisiert die umstrittene „Hitfahrzentrale“ von MDR JUMP. Ein guter Anlass, sich wieder  mit journalistischen Grundsätzen zu beschäftigen.
Finden Michael Diers und Bernd Reiher.

Im Oktober 2012 startete die „MDR JUMP Hitfahrzentrale“ ein Gewinnspiel über ca. vier Wochen. Zu gewinnen gab es 15 Autos und eine große Anzahl von Tankgutscheinen. Gewinne im Wert von schätzungsweise über 350.000 Euro. Das Jugendradio MDR JUMP startete somit gleichzeitig ein hörerbindendes Gewinnspiel, oder eine beispiellose Werbungskampagne und wies darauf hin, dass „Alle Preise, die es im Rahmen der Aktion „MDR JUMP Hitfahrzentrale“ zu gewinnen gibt, nicht mit Gebührengeldern bezahlt werden, sondern von der MDR W GmbH zur Verfügung gestellt werden.“

Screenshot MDR Jump Hitfahrzentrale

Unübersehbar. Und unüberhörbar. Automarke bis zu 96 Mal am Tag auf MDR Jump.

Auf Radioszene.de hat fair radio-Mann Bernd Reiher dieses Thema schon im letzten Jahr aufgegriffen.  Jetzt wird genau dieser Vorwurf auch vom Rechnungshof Sachsen-Anhalt geprüft.Das bestätigt auf Nachfrage auch die derzeit zuständige Rechtsaufsicht des MDR, die Staatskanzlei Thüringen.

Demnach wurde bis zu 96 x täglich auf die Aktion mit Nennung der Automarke hingewiesen. Ein Fall von Schleichwerbung oder tatsächlich eine gute PR Aktion für MDR JUMP?  

Für fair radio und überhaupt ist es ein journalistischer Grundsatz, dass redaktionelle Inhalte und Werbung klar zu trennen sind. Das war bei der „Hitfahrzentrale“ ausgehebelt. Die Aktion wurde in beinahe jeder Moderation erwähnt. Moderationen jedoch sind im Radio Teil des redaktionellen Hoheitsbereiches. Wird auch dieser Programmteil massiv für PR oder Eigenwerbung genutzt, droht eine Vermischung mit eigentlich journalistischen Programmteilen. Im konkreten Fall handelt es sich außerdem um verschwendete gebührenfinanzierte Sendezeit. Zudem wird die Glaubwürdigkeit einer solcherart formbaren beitragsfinanzierten Redaktion in Frage gestellt.

Die Redaktion von MDR Jump erscheint also käuflich, weil zugunsten der Quote die Werbetochter punkten kann. Rein juristisch ist diese Art der Präsentation eine Grauzone zwischen Hinweis, Werbung und PR – Jump hat die Grenzen ausgelotet, immerhin sind mit der großen Reichweite auch enorme Werbegelder für die gesamte Anstalt verbunden. Ob eine rote Linie überschritten wurde, das dürfen jetzt die Gremien klären. Gut so. Und gut, dass das Thema auf diese Art (endlich) Aufmerksamkeit bekommt.

Schade aber, dass der MDR nicht von sich aus umdenken will. Gegenüber fair radio jedenfalls teilte der Sender mit: Man sehe keinen Verstoß. Es bleibe bei den Gewinnspielen. Dabei böte die jetzige Diskussion eine große Chance. Und es wäre notwendig umzudenken. Aus fair radio-Sicht jedenfalls ist schon jeder ANSCHEIN von Schleichwerbung – egal ob bei MDR JUMP oder anderen Sendern – ein Imageschaden für das Medium Radio und für den Journalismus. Das Ausloten von Grenzen birgt immer das Risiko, einen inakzeptablen Schaden zu verursachen und damit der redaktionellen Ethik im Journalismus einen Bärendienst zu leisten. Eine deutliche Abgrenzung zwischen redaktionellen Inhalten und gesponserten Spielen würde dagegen klare Unabhängigkeit beweisen. Denn: Nur klare Trennlinien stärken das Medium Radio in seiner Glaubwürdigkeit.

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