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„Alle Jahre wieder“ – Die 5 meistkopierten Radioinszenierungen

Für Radiosender, die es nötig haben.
Update 17.01.2016:
bigFM kopiert PR Stunt aus Dänemark.
Moderator soll Kaninchen töten.

Collage Last Christmas

Alter Gag. Neue Schlagzeilen. Schade.
Billige PR für Antenne Kärnten.

Da war sie wieder, die „Last Christmas“-Dauerschleife. Weil ein Moderator sich eingesperrt hatte ins Studio und die Kollegen (angeblich) nicht wussten, wie sie ihn stoppen sollten. Dieses Mal bei Antenne Kärnten. Insgesamt 24 mal spielte der Moderator „Last Christmas“. Wie lustig. Fanden manche. Auch in den Medien. Von Kronenzeitung über Kurier bis Stern und Independent.

Wir dagegen finden: Wie einfallslos! Denn diese Inszenierung gehört definitiv zu den fünf meistkopierten im Radio. Und deshalb, liebe KollegInnen, fragt Euch das nächste Mal doch, ob man wirklich immer wieder  berichten muss über…

1.  Moderatoren, die sich einschließen und irgendeinen Titel im Dauerloop spielen.

Den Gag hat 1999 schon ein Radiomoderator beim Hamburger Privatsender Mix 95.0 gebracht. Damals noch mit „Dancing Queen“ und „No Milk today.“

Inzwischen ist „Last Christmas“ als nervtötende Dauerschleife beliebt. 2012 bei baden.fm. 2013 bei Antenne Bayern. Immerhin: Dort hatte sich der Radiomoderator nicht selbst eingeschlossen. Vielmehr hatten ihn angeblich Hörer entführt. Wird bestimmt bald kopiert.

2. Moderatoren, die wegen irgendwelcher Fehler angeblich suspendiert werden.

Eine beliebte Inszenierung seit mindestens 2004. Damals hat es Hitradio Antenne 1 aus Stuttgart damit in die Schlagzeilen geschafft. Frühmoderator Ostermann hatte damals Mitspieler bei einem Wortratequiz beschimpft. Daraufhin wurde das Spiel unterbrochen. Und Ostermann drohte angeblich noch in der laufenden Sendung die Kündigung. Seine Co-Moderatorin rief die Hörer zur Unterstützung auf. Erfolgreich versteht sich: Stunden-, ja tagelang, wurden bangende und flehende Hörer auf Sendung genommen. BILD-Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten berichteten. Über das Bangen der Hörer. Nicht über die Zweifel an der Echtheit der Geschichte. Die aber gab es schon damals. Denn ein Wiener Sender hatte kurz zuvor „zufällig“ denselben “Skandal” erlebt. Und viele weitere folgten:

do-not-copy-160138_960_7202006 unterbricht das Leipziger Radio PSR ein Wortratespiel, weil sich Moderator Steffen Lukas angeblich verplappert und einen irregulären Tipp gegeben hat. Der Moderator wird beurlaubt. Das Thema im Sender über Tage im Gespräch gehalten. Mit Rechtsanwälten, Hörern, Wasserständen.

2007 wird ein Wortratespiel bei RPR1 in Ludwigshafen unterbrochen. Genau: Weil sich der Moderator verplappert und einen irregulären Tipp gegeben hat. Eine Inszenierung nach altbekanntem Muster.

Im selben Jahr ist auch Antenne Bayern mit dabei: Der zu rettende Lieblingsmoderator heißt Leikermoser. Wie seine Kollegen hatte auch er sich wieder bei einem Wortratespiel verplappert. Hörer mussten ihn in Schutz nehmen, Notare die angebliche Rechtslage klären.

2012 verplappert sich wieder jemand bei Antenne Bayern. Dieses Mal ohne Suspendierung. Aber dennoch mit öffentlichkeitswirksamem Tamtam.

3. Moderatoren, die live auf Sendung Seitensprünge entlarven.

Für Treuetests auf Sendung mit meist entlarvendem Ausgang war einst die Ostseewelle berühmt, dann stieg Alsterradio 106,8 darauf ein. Und Antenne 1 landete damit 2007 einen bis heute viralen Hit, weil sich bei einem Gewinnspiel scheinbar zufällig herausstellte, dass der Mann einer Anruferin eine Geliebte hat.

Das funktioniert übrigens auch international: In Australien enthüllten Moderatoren einer Hörerin live auf Sendung, dass ihr Mann einen Account auf einer Seitensprung-Plattform im Internet hat. Schlagzeilen garantiert. Selbst in Deutschland.

4. Moderatoren, die die abendländische Moral retten und Gewinne für anscheinend fragwürdige Zwecke verweigern.

Diese Inszenierung ist noch recht neu und ziemlich raffiniert. Denn eigentlich geht’s um ein einfaches Gewinnspiel: Der Sender zahlt die Rechnungen seiner Hörer, wenn die ihre Rechnungen nach bestimmten Regeln einreichen und ausgelost werden. Doch dann passiert was scheinbar Unerwartetes: Jemand will sich was bezahlen lassen, was man so gar nicht moralisch gut finden kann. Der Moderator weigert sich deshalb zu bezahlen, kriegt deshalb aber Ärger. Denn in den Spielregeln steht: Er MUSS. Also wird tagelang diskutiert. Mit den Hörern. Mit Experten. Mit der Sendeleitung. Und die Medien berichten.

2011 zum Beispiel WELT und FOCUS  über den Fall bei Antenne Bayern. Damals ging es um einen Sexurlaub in Thailand, den der Moderator auf keinen Fall bezahlen wollte. Der Moderator als Retter der Moral also.

Dasselbe Muster nutzte im selben Jahr 89.0 RTL. Dort ging ums eine Abtreibung, die die Moderatoren nicht bezahlen wollten. Und im Jahr darauf wurde das Spiel öffentlichkeitswirksam unterbrochen, weil jemand Geld für einen Pelzmantel wollte.

Screenshot-890-Abtreibung-2

5. Moderatoren, die fiktive Hörspiel-Szenen wie echte Berichterstattung präsentieren.

Das ist ganz alte Schule. Wir erinnern uns:  Orson Welles und sein „Krieg der Welten“. Das Hörspiel irritierte 1938 die Hörer, weil darin von der Ankunft Außerirdischer berichtet wurde. Ein Hörspiel, wie gesagt. Aber es klang wie eine normale Radiosendung. Eine Moderator unterbrach die scheinbar normale Magazinsendung für die „Breaking news“ über die Außerirdischen. Viele Hörer nahmen das für bare Münze.

Seitdem gab es einige Imitationen. Auch in Deutschland.

Und erst dieses Jahr hat 1LIVE das Prinzip kopiert. Mit einer neuen Story. Denn dieses Mal ging’s um eine scheinbar verschwundene Hörerin. Tagelang spielte der Sender dazu Beiträge und Interviews, ließ die Hörer rätseln und dann wissen: Das war nicht echt. Nur Werbung für ein Hörspiel.

 

Für 2016 würden wir uns also freuen, wenn wieder mehr Original-Originelles im Radio auf Sendung ginge, worüber die Zeitungen dann gerne auch berichten dürfen. DANKE.

Edit 17.01.2016: Das Wünschen hilft offenbar nix. Das Jahr ist erst zwei Wochen alt, da hat sich wieder ein Sender entschieden, mit einer kopierten PR Aktion seine HörerInnen zu empören.

Dieses Mal rührt bigFM die Skandal-Trommel. Der Sender hat eine Promo-Aktion laufen, in der HörerInnen dem Moderator schwierige Aufgaben stellen.

Jetzt hat (angeblich) ein Hörer verlangt: „Töte, koche und iss ein Kaninchen.“ Der Sender inszeniert das seitdem mit vollem Pathos und erkennbarer Freude. Und er lässt die HörerInnen diskutieren. Auf facebook. Auf Sendung. Via Hörermail. Der Sender betont dabei stets, es gehe ihm um eine ernste Sache. Schließlich würden doch täglich Tiere geschlachtet, um Fleisch zu essen, warum das also nicht mal durch so eine Aktion öffentlich machen?

Welt und BILD haben bereits berichtet. Was jedoch unerwähnt bleibt: Auch dieser PR Stunt ist eine Kopie. Er lief vergangenen Sommer in einem öffentlich-rechtlichen Sender in Dänemark. Dass die Aktion große Emotionen schüren würde, war also klar.

Bemerkenswert außerdem: War der Stunt in Dänemark noch klar als redaktionelle Entscheidung angekündigt und von Anfang an mit einer redaktioneller Aussage verknüpft, ist die Aktion bei bigFM Teil einer Höreraktion. Ein junger Mann aus Kaiserslautern hat den Moderator angeblich aufgefordert, das Kaninchen zu töten. Auch das hat im deutschen Radio inzwischen Tradition: Zuletzt bei Antenne Bayern, 89.0 RTL und 94,3rs2 , wo es Diskussionen um Pelzmäntel und Sexurlaube gab, die Hörer sich im Rahmen eines Gewinnspiels bezahlen lassen wollten (siehe oben).

 

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