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Klare Regeln nötig –
Für Ranking-Shows und anderes

fair radio regt an: Tutzinger Appell für alle
Offener Brief an die ARD-IntendantInnen und Programmchefs und -chefinnen

Seit Tagen sind mehrere öffentliche-rechtliche Sender wegen geschönter, manipulierter, veränderter Ranking-Ergebnisse in den Schlagzeilen. Dabei wird viel über die Verfehlungen im Fernsehen, aber wenig über die Manipulationen im Hörfunk geredet. Das bedauern wir sehr. Denn derartige Manipulationen sind Glaubwürdigkeitskiller, egal in welchem Medium sie passieren.

Wir von fair radio sind deshalb der festen Überzeugung, dass es für Hörfunk und TV klare Regeln braucht, die solche und andere Manipulationen verhindern. Unser „Tutzinger Appell“ kann da ein erster Leitfaden sein. Wir halten ihn für geeignet, das Thema „Glaubwürdigkeit“ ganz grundsätzlich in den Redaktionen zu verankern und ausgehend davon weitere konkrete Leitfäden zu entwickeln.

In diesem Sinne haben wir folgenden offenen Brief an den Vorsitzenden der ARD, Lutz Marmor, geschickt:

An den
Intendanten und ARD-Vorsitzenden
Lutz Marmor
Norddeutscher Rundfunk
Rothenbaumschaussee 132
20149 Hamburg

Wilhelmshaven, 16.08.2014

fair radio fordert klare Ethik-Leitfäden – für Ranking-Shows und anderes
Offener Brief an alle ARD-IntendantInnen, Programmchefs und -chefinnen
 
Sehr geehrter Herr Marmor,
sehr geehrte Damen und Herren IntendantInnen,
liebe ARD-Programmchefs und -chefinnen,
 
einmal mehr wird öffentlich über die Glaubwürdigkeit Ihrer Sender diskutiert. Dieses Mal, weil mehrere Ihrer Fernseh- und Radioprogramme Publikumsabstimmungen verändert, manipuliert, umgedeutet haben.
 
Dass Ihre Sender das nach den Missständen beim ZDF aus eigener Initiative überprüft und öffentlich gemacht haben, ehrt Sie und verdient Respekt. Doch:
Geständnisse allein reichen nicht. Nötig sind klare Bekenntnisse zu eindeutigen Regeln.
 
Wir von fair radio wünschen uns jedenfalls schon lange konkrete Glaubwürdigkeitsgrundsätze. Denn Missstände ähnlich dem sorglosen Umgang mit Publikumsabstimmungen sehen wir in vielen (auch öffentlich-rechtlichen) Radiosendern schon lange.
 
Das Grundproblem dahinter ist meist dasselbe:
Show geht vor Seriosität.
Schein vor Sein.
Inszenierungszwänge vor Aufrichtigkeit.
 
Damit wir uns richtig verstehen: Wir unterstellen den Kollegen und Kolleginnen nicht grundsätzlich böse Absichten. Häufig ist es nach unserer Erfahrung eher Achtlosigkeit, aus der sich solche Manipulationen, Irreführungen und unlautere Inszenierungen ergeben. Weil es – im jetzt aktuellen Fall zum Beispiel – darum geht, einerseits das Publikum mit einzubinden, andererseits aber auch Formatvorgaben einzuhalten oder perfektionistische Inszenierungen durchzuziehen.
 
Für den Hörfunk haben wir deshalb schon vor Jahren eindeutige Regeln aufgestellt, die sich klar einer Aufrichtgkeit gegenüber dem Hörer verpflichten. Wir haben sie als “Tutzinger Appell” schon 2007 unter www.fair-radio.net veröffentlicht.
 
Leider war bis heute kein einziger Sender der ARD bereit, sich öffentlich zu diesen Grundsätzen zu bekennen. Jetzt wäre endgültig der richtige Zeitpunkt dafür.
 
Schließlich zeigt der aktuelle Fall erneut: Die Glaubwürdigkeit unserer medialen Arbeit steht auf dem Spiel, wenn wir uns nicht endlich zu einem rundum fairen Umgang mit unseren Hörern und Zuschauern zur Aufgabe machen.
 
Wir begrüßen in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Ankündigung des Hessischen Rundfunks, der einen klaren Leitfaden für den Umgang mit Publikumsabstimmungen angekündigt hat.
 
Der Tutzinger Appell formuliert jedoch weiter gehende Grundregeln, die für Hörfunk und Fernsehen gelten können.
 
Wir fordern Sie deshalb auf, diese Grundsätze endlich in die (oft noch gänzlich fehlenden) redaktionellen Statuten ihrer ARD-Anstalten aufzunehmen.
 
Denn nur glaubwürdige Medien (ob Radio oder Fernsehen) werden im digitalen Zeitalter überleben. Und nur faire Medien werden ihr Publikum auf Dauer halten.
Mit freundlichen Grüßen
 
I.A. Michael Diers
fair radio

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