Suche
  • Tutzinger Appell.
  • Für ein glaubwürdiges Radio.
Suche Menü

Hörer wollen’s lieber ehrlich.

Die Umfrage eines Bachelor-Studenten legt nahe: Fair wäre besser.

Was wollen die Hörer?
Ein Bachelor-Student hat nachgefragt.

Markus Bender hat Medienmanagement in Mittweida studiert. Für seine Bachelorarbeit ist er der Frage nachgegangen: Interessieren sich Hörer überhaupt für „Ethik im Hörfunk“?

Ergebnis: Ja. Vor allem nervt sie versteckte PR und aufgezeichnete Interviews, die als live verkauft werden.

Gefragt hat Bender mehr als einhundert Studenten. Das ist zwar nicht repräsentativ, aber es sind zum ersten Mal empirische Daten, die belegen, dass es Hörer gibt, die man mit Fairness begeistern kann. Oder umgekehrt: Die sich durch fragwürdige Methoden abschrecken lassen. Die Arbeit von Markus Bender legt nahe: Das Thema hätte längst ein noch größere Studie verdient. Zu untersuchen gäbe es viel.

Zur Arbeit selbst und ihren Ergebnissen hier die Zusammenfassung von Markus Bender selbst:

Was denken eigentlich Radiohörer über den Einsatz von unsauberen Arbeitsweisen und welche Arbeitsweisen nehmen sie eigentlich wahr? In der Radioforschung bleibt dies meist unberücksichtigt. Dabei könnten folgende Fragen für die Gestaltung eines Radioprogramms durchaus von Bedeutung sein:

  • Können Radiohörer unsaubere Arbeitsweisen erkennen?
  • Welche Konsequenzen haben unsaubere Arbeitsweisen für Radiosender und -moderatoren sowie das gesamte Medium Radio?
  • Wie hoch ist die Akzeptanz von unsauberen Arbeitsweisen bei Radiohörern?

Antworten auf diese Fragen gibt eine empirische Befragung im Rahmen meiner Bachelorarbeit. Dafür wurden 109 Medienstudenten mit unterschiedlichen Vorkenntnissen simultan befragt. Die nachfolgenden Ergebnisse beziehen sich auf die Antworten von 67 Medienstudenten mit ersten journalistischen Grundkenntnissen, jedoch ohne Hörfunkerfahrung. (Die ausführlichen Ergebnisse, auch von anderen Teilnehmergruppen, können der Bachelorarbeit entnommen werden.)

Die Ergebnisse der nicht-repräsentativen Befragung zeigen auf, dass die befragten Studenten in Bezug auf unsaubere Arbeitsweisen ethische Ansprüche an ein Radioprogramm haben: Sie wollen wahrheitsgemäß und authentisch informiert werden.

Journalistisch unsaubere Arbeitsweisen selten erkannt

Die Wahrnehmung von unsauberen Arbeitsweisen ist mit real existierenden Hörbeispielen untersucht worden: Überwiegend wurden von den Befragten Arbeitsweisen erkannt, die mit einer starken Inszenierung oder einem stark werblich Charakter gekennzeichnet sind. Auffallend ist jedoch, dass vor allem journalistisch unsaubere Arbeitsweisen – hier vorrangig der Einsatz von PR-Material – nicht als solche erkannt wurden. Gerade beim Senden von PR-Material lässt sich daher eine große Verantwortung der Radiomacher erkennen: Radiomacher sollten PR-Beiträge deutlich als solche kenntlich machen, damit Radiohörer die Informationen richtig einordnen können und der Radiosender langfristig nicht an Glaubwürdigkeit verliert.

Wahrnehmung von Mitschnitten (Nennungen, n=67)

 

Die Glaubwürdigkeit sinkt, Sender werden gewechselt

Wird der Einsatz unsauberer Arbeitsweisen durch die Befragten erkannt, hat das den Verlust der Glaubwürdigkeit der Moderatoren, der Radiosender und dem Medium Radio zur Folge.

Verlust von Glaubwürdigkeit (Nennungen, n=67)

In diesem Zusammenhang ergeben sich Auswirkungen auf das Hörverhalten: Die Befragten würden einen Radiosender aufgrund unsauberer Arbeitsweisen unter Umständen wechseln. Auch wenn es nicht die Mehrheit der Radiohörer ist, die einen Sender wechseln, ist das bleibende Image des Senders durch unsaubere Arbeitsweisen gefährdet. Wird eine unsaubere Arbeitsweise festgestellt, besteht die Gefahr, dass Radiohörer dadurch sämtliche Informationen in Zukunft auf Grundlage der Verfehlung überprüfen, statt vorbehaltslos zu vertrauen.

Auswirkungen vom Einsatz unsauberer Arbeitsweisen (Nennungen, n=67)

Nur wenige Arbeitsweisen werden akzeptiert

Von den Befragten werden Arbeitsweisen akzeptiert, die zu einer scheinbaren Qualitätssicherung des Programms beitragen (z.B. Vermeiden von peinlichen Versprechern). Arbeitsweisen die jedoch zu einer Manipulation oder Vortäuschung neigen, werden nicht akzeptiert. Begründungen der qualitativen Antworten lassen erkennen, dass sich die Befragten durch den Einsatz solcher Arbeitsweisen nicht ernst genommen fühlen.

Akzeptierte Arbeitsweisen (Nennungen, n=67, absteigend)

Weitere Auswertungen und Online-Version der Arbeit

Im Rahmen der Befragung haben die Teilnehmer ihre Antworten mit kurzen Kommentaren begründet. So empfinden die Befragten den Einsatz von PR-Material beispielsweise als Manipulation oder Beeinflussung. Solche Aussagen geben ein tendenzielles Meinungsbild über den Einsatz von verschiedenen unsauberen Arbeitsweisen und sind umfangreich in der Bachelorarbeit dokumentiert. Diese kann in einer gekürzten Fassung hier gelesen werden.

 

Über den Autor:

Markus Bender ist Jahrgang 1985 und im Siegerland aufgewachsen. Nach einer Berufsausbildung sammelte er mehrere Jahre lang Berufserfahrung in der IT-Branche und hat unter anderem in Irland gelebt und gearbeitet.

Weil ihn Radio (und Fernsehen) schon immer begeistert haben, macht er seit 2009 was mit Medien. Am liebsten ist er dabei als Moderator und Reporter unterwegs. Diese Zusammenfassung über seine Bachelor-Arbeit hat er zunächst in seinem Blog veröffentlicht.


Bilder: „Telefoni“ von Emilia Romagna – Some rigths reserved – www.piqs.de

 

0 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: UPDATE: 28. September 2012 | Medien-Student

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


× 8 = 56