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Wie lassen sich aufgezeichnete Interviews korrekt anmoderieren? Nur mit: „Dieses Gespräch haben wir vor der Sendung aufgezeichnet“?

Frage eines Volontärs beim Ethik-Gespräch mit Sandra Müller an der Evangelischen Medienakademie Düsseldorf. Ihre Antwort:

Natürlich wäre der explizite Hinweis auf die Aufzeichnung die klarste Form der Anmoderation. Doch zugegeben: Sie klingt sperrig.  Wer es gerne flüssiger und gefälliger möchte, hat viele Alternativen.

Beispiele und Ideen:

In Musterburg fehlt Geld, viel Geld. Und schuld ist die Wirtschaftskrise. Denn bei den Haushaltsberatungen gestern abend ist klar geworden: die Steuerausfälle der nächsten Jahre werden größer als anfangs gedacht. Bis 2013 schrumpft nach neuesten Schätzungen allein die Einkommenssteuer um 30 Millionen Euro. Was das für Folgen hat, darüber habe ich mit Oberbürgermeister Max Mustermann gesprochen.

Der Einspieler beginnt mit der Frage des Interviewers: ″Herr Mustermann, 30 Millionen Euro Ausfälle allein bei der Einkommenssteuer? Ist das das Aus für die versprochenen kostenlosen Kindergartenplätze?″ Dann folgt das normale Gespräch…″Aber irgendwo muss doch dann gekürzt werden? Wo?″ usw.)

…Ob sich die Stadt da die versprochenen kostenlosen Kindergartenplätze leisten kann? Das habe ich OB Mustermann gefragt. Einspieler beginnt mit Antwort OB

…Dennoch soll es ab kommendem Jahr kostenlose Kindergartenplätze für alle Kinder in Musterburg geben. Das hat OB Mustermann versprochen. Und dieses Versprechen will er nicht aufgeben. Einspieler beginnt mit Antwort OB

….Doch OB Mustermann gab sich zuversichtlich. Zitat: ″Das mit den kostenlosen Kindergärten kriegen wir hin.″ Einspieler beginnt mit Antwort OB

…Und deshalb muss jetzt gespart werden. Allerdings nicht bei den Kindergärten, wie OB Mustermann im Interview mit uns/im Gespräch mit mir betont hat. Einspieler beginnt mit Antwort OB

…Garantiert nicht gespart werden soll aber an den städtischen Kindergärten, so der Oberbürgermeister. Einspieler beginnt mit Antwort OB

Variationen gibt es viele. Entscheidend ist, dass wir dem Hörer nicht vorgaukeln, dass da ein Live-Gespräch stattfindet, sondern klar kennzeichnen, dass der Oberbürgermeister eben nicht gerade jetzt im Studio sitzt.

Tabu sollten deshalb Formulierungen sein wie:

Bei mir im Studio: OB Mustermann. Bedeutet das Finanzloch jetzt das Aus für die versprochenen kostenlosen Kindergartenplätze?

oder

Frage an OB Mustermann: ….

oder gar die aufgezeichnete Begrüßung:
Hallo, Herr Mustermann.

Und selbstverständlich sollte ein aufgezeichnetes Interview nicht explizit als live ausgegeben werden.

Eine gute Form, ein aufgezeichnetes Gespräch korrekt zu präsentieren kann bei einem Kurzinterview übrigens auch die O-TON-Moderation sein.

Creative
″FAQ Ethik im Hörfunk – FAIR RADIO antwortet″ von Sandra Müller, FAIR RADIO steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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0 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Nach den UEFA-Skandalen: Alles live in der ARD! Jetzt auch im Hörfunk? | RADIOSZENE

  2. Im Hörfunk gehört dieser Hinweis auch oder besser in die Abmoderation, ebenso, wie Name und Anlass des Interviews, da sonst jene Hörer ausgeschlossen sind, die sich hineinschalten.
    Der Deutschlandfunk praktiziert das so.

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