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Radio: Vergessen? Oder schon aufgegeben?

Erstellt von Sandra Müller am 26. Oktober 2011

Oder anders gefragt: Warum wird über Live-Fakes im Fernsehen berichtet, nicht aber über den viel häufigeren Fake im Radio?

 

Der neueste Fall: Der Bericht von Dietrich Leder über einen [Edit 31.10.2011 inzwischen ist klar: vermeintlichen] Live-Fake beim Börsenbericht im ZDF-heute journal.

In der “Funkkorrespondenz”, einem Mediendienst aus Bonn, prangert er an: Das ZDF habe die Schalte zwischen Nachrichtenmann und Börsenfrau wie live inszeniert.

Und in der Tat. Auch der Mitschnitt in der Mediathek zeigt wie sich der Sprecher Heinz Wolf scheinbar seiner Kollegin Valerie Haller zuwendet, um mit ihr zu sprechen.

Doch blöderweise  Weiterlesen »

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Die guten ins Töpfchen…

Erstellt von Udo Seiwert-Fauti am 7. Oktober 2011

…die schlechten am besten gar nicht senden. Leider gehen Live-Fakes aber doch immer wieder on air – und das geht nicht selten ordentlich schief, wie das jüngste Beispiel von SWR1 beweist:

Die Moderatorin von SWR1 Der Abend kommt ins Schwitzen – denn leider folgt ein Beitrag auf ihre Frage – und eben nicht die vermeintliche Live-Antwort des Gesprächspartners. Doof, wenn dann auch noch ein zweites Mal der gleiche Fehler passiert. Wer glaubt da noch, ein echter Gesprächspartner wartet darauf antworten zu können…?

Aber – wer immer nur meckert, kommt auch nicht weiter.
Deshalb hier noch ein Beispiel, wie es super funktioniert:

Ein Ausschnitt aus einem Interview mit Desireé Nosbusch – und zwar auch bei SWR1! Nosbusch war zu einem Überraschungsbesuch im Sender und Moderatorin Stefanie Anhalt hat sie kurzerhand am Vormittag interviewt. In Anhalts Sendung am Nachmittag wurde ein prima Gespräch gesendet – und nicht der Eindruck erweckt, Frau Nosbusch sei noch vor Ort.

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Was, wenn wir ein Gespräch für die Frühsendung wollen, der Gesprächspartner aber am Morgen keine Zeit hat?

Erstellt von Sandra Müller am 13. Dezember 2009

Frage eines Volontärs beim Ethik-Gespräch mit Sandra Müller an der Evangelischen Medienakademie Düsseldorf. Ihre Antwort:

Dann sollte – wenn irgendmöglich – der Frühmoderator selbst das Gespräch aufzeichnen.
Idealerweise sollte es dazu in jeder Redaktion eine Zeit am Nachmittag oder Abend geben, in der der Frühmoderator noch mal für Voraufzeichnungen zur Verfügung steht. Dann kann er morgens sein eigenes Interview anmoderieren.

Klappt das nicht, muss ein Dritter das Gespräch führen. Als korrekte Präsentation am Morgen käme in Frage:

  • die Anmoderation eines aufgezeichneten Gesprächs: ″Kollege y hat mit z gesprochen…″ – Leider hölzern und nicht sehr Anchorman-orientiert.
  • die O-TON-Moderation mit Auschnitten aus dem aufgezeichneten Interview. Das heißt: der Frühmoderator präsentiert die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch. – Eine zeitsparende und pointierte Möglichkeit.
  • ein gebautes Stück, in dem der Redakteur, der das Gespräch geführt hat, die Aussagen mit O-Tönen zusammenfasst. – Diese Form bietet zusätzlich die Möglichkeit einer hintergründigen, mit Fakten angereicherten Einordnung und kann vorproduziert werden.
  • das morgendliche Kollegengespräch mit dem Redakteur, der die Infos eingeholt hat. – Eine Lösung, die sich vor allem bei anspruchsvollen Themen anbietet, weil sich nicht nur Infos aus EINEM Gespräch, sondern möglicherweise noch weitere Infos in lockerer Form und hintergründig präsentieren lassen. Der Hörer erlebt einen kompetenten Redakteur im Live-Gespräch.

Generell gilt aber auch: Beim Rekrutieren von Interviewpartnern ruhig selbstbewusst auftreten. Viele Hörfunk-Redaktionen verkaufen sich da unter Wert. Warum denn nach dem Vorgespräch nicht mal anklingen lassen: Wir machen Interviews morgens – zur Prime-Time mit den meisten Hörern (!) – immer und ausschließlich live. Gerade im Lokalfunk, wo Gesprächspartner aus dem nächsten Umfeld kommen, hat die Oberbürgermeisterin nach solchen Ansagen dann vielleicht doch mal für fünf Minuten kurz vor sieben Uhr Zeit. Und wenn sie erst um kurz vor neun Uhr kann, wäre das ja auch ein gelungener Kompromiss.

Creative
″FAQ Ethik im Hörfunk – FAIR RADIO antwortet″ von Sandra Müller, FAIR RADIO steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Beruht auf einem Inhalt unter www.fair-radio.net.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie bei FAIR RADIO erhalten.

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Wie lassen sich aufgezeichnete Interviews korrekt anmoderieren? Nur mit: “Dieses Gespräch haben wir vor der Sendung aufgezeichnet”?

Erstellt von Sandra Müller am 13. Dezember 2009

Frage eines Volontärs beim Ethik-Gespräch mit Sandra Müller an der Evangelischen Medienakademie Düsseldorf. Ihre Antwort:

Natürlich wäre der explizite Hinweis auf die Aufzeichnung die klarste Form der Anmoderation. Doch zugegeben: Sie klingt sperrig.  Wer es gerne flüssiger und gefälliger möchte, hat viele Alternativen.

Beispiele und Ideen:

In Musterburg fehlt Geld, viel Geld. Und schuld ist die Wirtschaftskrise. Denn bei den Haushaltsberatungen gestern abend ist klar geworden: die Steuerausfälle der nächsten Jahre werden größer als anfangs gedacht. Bis 2013 schrumpft nach neuesten Schätzungen allein die Einkommenssteuer um 30 Millionen Euro. Was das für Folgen hat, darüber habe ich mit Oberbürgermeister Max Mustermann gesprochen.

Der Einspieler beginnt mit der Frage des Interviewers: ″Herr Mustermann, 30 Millionen Euro Ausfälle allein bei der Einkommenssteuer? Ist das das Aus für die versprochenen kostenlosen Kindergartenplätze?″ Dann folgt das normale Gespräch…″Aber irgendwo muss doch dann gekürzt werden? Wo?″ usw.)

…Ob sich die Stadt da die versprochenen kostenlosen Kindergartenplätze leisten kann? Das habe ich OB Mustermann gefragt. Einspieler beginnt mit Antwort OB

…Dennoch soll es ab kommendem Jahr kostenlose Kindergartenplätze für alle Kinder in Musterburg geben. Das hat OB Mustermann versprochen. Und dieses Versprechen will er nicht aufgeben. Einspieler beginnt mit Antwort OB

….Doch OB Mustermann gab sich zuversichtlich. Zitat: ″Das mit den kostenlosen Kindergärten kriegen wir hin.″ Einspieler beginnt mit Antwort OB

…Und deshalb muss jetzt gespart werden. Allerdings nicht bei den Kindergärten, wie OB Mustermann im Interview mit uns/im Gespräch mit mir betont hat. Einspieler beginnt mit Antwort OB

…Garantiert nicht gespart werden soll aber an den städtischen Kindergärten, so der Oberbürgermeister. Einspieler beginnt mit Antwort OB

Variationen gibt es viele. Entscheidend ist, dass wir dem Hörer nicht vorgaukeln, dass da ein Live-Gespräch stattfindet, sondern klar kennzeichnen, dass der Oberbürgermeister eben nicht gerade jetzt im Studio sitzt.

Tabu sollten deshalb Formulierungen sein wie:

Bei mir im Studio: OB Mustermann. Bedeutet das Finanzloch jetzt das Aus für die versprochenen kostenlosen Kindergartenplätze?

oder

Frage an OB Mustermann: ….

oder gar die aufgezeichnete Begrüßung:
Hallo, Herr Mustermann.

Und selbstverständlich sollte ein aufgezeichnetes Interview nicht explizit als live ausgegeben werden.

Eine gute Form, ein aufgezeichnetes Gespräch korrekt zu präsentieren kann bei einem Kurzinterview übrigens auch die O-TON-Moderation sein.

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Fast Merkel? Ach ne! Nur ein Mastferkel. – Hitradio Antenne Niedersachsen wär das vermutlich egal

Erstellt von Sandra Müller am 25. Oktober 2009

Denn Mitschnitte belegen, dass der Sender offenbar gerne so tut als ob, auch wenns haarscharf an der Wirklichkeit vorbei ist.

blogmedien.de jedenfalls erklärt, wie sich Hitradio Antenne Niedersachsen die Wirklichkeit bei einem angeblichen Interview mit Merkel und Steinmeier zurecht gebogen hat.
Demnach hat Nachrichtenchef Georg Poetzsch angeblich persönlich mit Kanzlerin Angela Merkel und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier gesprochen. Dieser Eindruck wurde auf Sendung erweckt.

Doch weit gefehlt: Die Antworten kamen aus der Konserve, heißt es bei blogmedien.de. Und Mitschnitte beweisen das. Sie liegen FAIR RADIO vor.

Aufgenommen hatte das Interview ursprünglich Marcel Weiß von Radio NRW. Die Ausstrahlung war für Dutzende Privatradios in Deutschland mit großem Aufwand angekündigt worden.

Georg Poetzsch aber hat die Aufnahmen ausgeschlachtet und neu vertont. Er scheut sich dabei nicht, eine gesprächige Situation nachzuspielen und begrüßt Angela Merkel sogar im Studio mit einem herzlichen “Guten Morgen”.

Erneut ein Beispiel also für den fragwürdigen Umgang mit Gesprächspartnern, Hörern und Aufnahmen.

Und leider kein Einzelfall, wie wir bei FAIR RADIO immer wieder feststellen müssen.

Danke bei dieser Gelegenheit an Marie-Theres Bär für das wunderbare "Gemischte Doppel",
das sich hier als Überschrift anbot, und an Uwe Vogel und seine frei verfügbaren Bilder
unter www.oldskoolman.de

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Von SWR3 bis 1LIVE: Antworten aus der Konserve

Erstellt von Udo Seiwert-Fauti am 3. Juni 2009

Über Gespräche im Radio, die keine sind

Es ist ohne Frage ein Dilemma, dass das Radio rund um die Uhr sendet, Gesprächspartner aber nicht rund um die Uhr verfügbar sind – erst recht, wenn es Promis sein sollen. Toll also, dass die Stars trotzdem auf Knopfdruck “live” ins Studio kommen. Bequem für die Macher.

Man könnte aber auch sagen: Etikettenschwindel. Denn dem Hörer wird einmal mehr etwas vorgegaukelt, was nicht den Tatsachen entspricht.

Zwei aktuelle Beispiele:
SWR3 am 29.03.09 – “Im Gespräch” mit vorbereiteten Antworten

1LIVE am 16.04.09 – Der Gast der nur eine Aufnahme war

Beides Live-Fakes, also Gespräche, die so nie statt gefunden haben. Sie sind aufgezeichnet und bearbeitet. Die Antworten wurden einzeln zurecht geschnitten. Der Moderator stellt auf Sendung die passenden Fragen dazu.

Trotzdem wird der Hörer in beiden Fällen im Glauben gelassen, die Gäste seien live im Studio. Bei der Aufnahme von 1Live wird der Gast sogar explizit als im Studio anwesend begrüßt. Warum?
Vermutlich um eine Authentizität und Unmittelbarkeit vorzutäuschen, die so aber nicht gegeben ist.

Aus Sicht von FAIR RADIO gibt es zwei Gründe, diese Praxis zu hinterfragen: Erstens, weil Radiomacher sich der Wahrhaftigkeit gegenüber den Hörern verpflichtet fühlen sollten. Schließlich würden wir als Journalisten doch auch jeden Saftladen anprangern, der Saft aus Konzentrat unter dem Etikett “frisch gepresst” verkauft. Und zweitens, weil diese Praxis langfristig zerstört, was den Hörfunk eigentlich ausmacht: Das Vertrauen der Hörer in einen aufrichtigen und glaubwürdigen Tages-Begleiter.

Spätestens dann, wenn der Hörer merkt, dass ihm das Konzentrat als frischer Direktsaft verkauft wurde, ist das Vertrauen dahin. Und da diese Praxis inzwischen weit verbreitet ist, ist der Live-Begriff schon jetzt mehr als angegriffen.

Auch hier sollten also die FAIR RADIO-Grundsätze gelten:
Es wird nichts vorgegaukelt, was nicht tatsächlich so ist
Was nicht wirklich live ist, wird auch nicht als live verkauft

Foto von thomaswanhoff: "Fisch in Dosen"
Some rights reserved. Quelle: http://www.piqs.de

Links zum Thema:

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Es geht auch anders

Erstellt von Sandra Müller am 16. Mai 2009

DAS DING beweist: Interview-Fakes sind verzichtbar

Aufgezeichnete und nachgestellte Pseudo-Live-Interviews – angeblich geht es im modernen Radio nicht ohne: Stimmt nicht. Die Kollegen von DAS DING beweisen das Gegenteil – aufrichtig und eindeutig. Sie moderieren im Hörbeispiel vorher eingeholte Antworten einfach korrekt als Statements an.

Die Vorteile:

- Die vorher befragte Gesprächspartnerin muss nicht das Gefühl haben, (möglicherweise ahnungslos) Teil eines inszenierten Theaterstück geworden zu sein.

- Der Moderator muss nicht verzweifelt einen “Gesprächführenden” mimen, oder Angst haben, versehentlich mit seinem Fake aufzufliegen.

- Und dem Hörer wird nichts vorgegaukelt.

Ein Sender der auf Dauer mit so offenen Karten spielt, darf hoffen, vom Hörer ernst genommen zu werden. Echte Live-Gespräche gewinnen so möglicherweise den Wert zurück, der ihnen gebührt.

Die Nachteile:

Keine.

Das Beispiel von DAS DING beweist aus unserer Sicht, dass die moderierte Form ebenso erfrischend wirken kann, wie ein gefaktes Interview.

Fazit:

Auch wenn Gesprächspartner und Moderatoren nicht immer im passenden Moment Zeit haben; auch wenn die Gespräche hinter den Kulissen von Dritten geführt werden: Es ist völlig unnötig, später auf Sendung dem Hörer ein Live-Gespräch vorzugaukeln.

Es freut uns übrigens besonders, dass es junge Radiomacher sind, die hier zeigen, wie man es auch machen kann und soll – ein Vorbild möglicherweise auch für alte Hasen? Zumindest aber Anlass, die eigene eingeschliffene Praxis zu hinterfragen.

Vielleicht lassen sich ja weitere Präsentationsformen finden, die die Qualität eines Gesprächs mit der Aufrichtigkeit gegenüber dem Hörer verbinden. Vorschläge und Beispiele erwünscht.

“Wichtig für uns ist Authentizität und Ehrlichkeit”
Kommentar von Sandra Zapke, DAS DING (19.1.09)

FAIR RADIO hat DAS DING-Cheflayout-Planerin Sandra Zapke um ein Statement zu dem Hörbeispiel gebeten.
Die Antwort lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig:

Wichtig für uns ist Authenzität und Ehrlichkeit – das gilt für Moderationen und für den Umgang mit unseren Hörern.

Dazu gehört natürlich auch, dass wir in Interviewsituationen ehrlich sind.

Wenn ein Moderator das Interview zum Beispiel aus Zeitgründen nicht selbst führen konnte, muss dem Hörer nicht vorgegaukelt werden, dass es so war. Zumal es ja genug Möglichkeiten gibt die Moderation so zu strukturieren, dass es trotzdem gut klingt.

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FAIR RADIO ist nicht allein

Erstellt von Udo Seiwert-Fauti am 22. November 2008

Jetzt fordert auch der DJV: Keine vorgefertigten Antworten in Interviews

Was für eine Unsitte:
Der Interviewte antwortet, was er will. Der Interviewer fragt so, dass die Antwort passt.
Verkehrte Welt? Nein. Moderne PR. Denn die gibt Antworten vor. Journalisten fragen auf Lücke.
Auch Radiosender setzen diese Methode oft unhinterfragt ein

Eine Praxis, die FAIR RADIO schon lange kritisiert. Jetzt hat auch der Deutschen Journalistenverband einen entsprechenden Aufruf gestartet, bedauerlicherweise aber wieder ausschließlich mit Beispielen aus dem Fernsehen. [ug] Berlin/Rostock – Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordert Rundfunksender auf, keine Interviews zu senden, die von den Betroffenen selbst gefertigt wurden.

Der DJV fordert die öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunksender in der Bundesrepublik auf, keine Interviews oder Originaltöne zu senden, die von den jeweils Betroffenen selbst gefertigt wurden.
So käme es beim Fußball bzw. bei Wirtschaftsunternehmen vor, dass Sendern keine Interviews mehr gewährt würden, sondern nur noch selbst gefertigtes Material zur Verfügung gestellt wird.

“Nachfragen von Journalisten sind damit unmöglich, die Informations- und Meinungvielfalt wird eingeschränkt”, heißt es in einer Entschließung des DJV auf dem Bundesverbandstag in Rostock.

Als Beispiel für eine derartige Praxis führen die Verbandsvertreter den FC Bayern München an.
Dort dürften Interviews mit Spielern nur noch vom vereinseigenen FCB.tv gemacht werden. Erst nachdem sie dort exclusiv liefen, würden sie anderen Sendern zur Verfügung gestellt.
Auch Nationaltrainer Joachim Löw verweigerte kürzlich zum “Fall Ballack” Interviews und ließ sich nur von einem DFB-”Reporter” interviewen. Den Sendern blieb nur die Wahl, entweder das vorgefertigte Stück zu übernehmen, oder auf eine Berichterstattung zu verzichten.

Ein ähnliches Vorgehen praktiziere auch die Deutsche Bahn. Das Unternehmen verweigere zunehmend Interviews und verweise auf ihr eigenes Fernsehen “Bahn TV”

Dazu Udo Seiwert-Fauti von FAIR RADIO:

Ich erinnere mich noch an die Verblüffung, als die bundesweit für ihre kritischen Berichte bekannte (öffentlich-rechtliche) Kollegin während einer Diskussion in einem Sender locker ihr Unverständnis äusserte, dass wir FAIR RADIO-Leute gegen die Übernahme von Teilen oder ganzen Interviews seien, die von Industriefirmen und Unternehmen oder auch Ministerien anstelle von Live-Interviews angeboten werden. Sie müsse das nehmen, weil die Konkurrenz das auch habe und ohne diese vorgefertigt angebotenen Interviews wäre sie im Nachteil. Unverständnis im Publikum, was mich und uns alle hoffen ließ. Wir sind der Meinung, wir als Macher geben damit die Kontrolle über die Interviews aus der Hand, wenn wir das nehmen, was andere anbieten, und was uns weniger Arbeit macht, zugegeben.

Jetzt haben wir es also auch vom Deutschen Journalist(Innen)en- Verband schriftlich. Denn die beschriebene Praxis ist unakzeptabel und gegen das Selbstverständnis journalistischer Arbeit. In diesem Sinne werden wir auch auf anderen Gebieten gerne der Vorreiter sein und als Erste auf Missstände aufmerksam machen. Das Faken von angeblichen Live-Interviews ist auch so eine Sache, die aufgrund unserer “Anprangerung” vermehrt in Redaktionen diskutiert wird. Nur weiter so, auf uns dürfen alle zählen!

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BR entschuldigt sich für vorgetäuschtes Live-Interview – Erfahrungen mit einem ″teuflischen Gespräch″

Erstellt von Sandra Müller am 5. August 2008

″Live-Interviews″ im Radio, die keine sind, gibt es immer wieder.

In manchen Fällen stimmt weder das eine noch das andere: Die Gespräche sind weder live, noch haben sie jemals als Gespräch stattgefunden.

Auch beim Bayerischen Rundfunk ist jetzt ein Sündenfall dokumentiert.

Betroffen: Der Radiomacher Marcus Wegner und natürlich die Hörer.

Der Hintergrund: Ein einstündiges Radio-Feature von Marcus Wegner.

Der Hintergrund: Ein einstündiges Radio-Feature von Marcus Wegner. Titel: „Beten auf Teufel komm raus. – Exorzismus in Deutschland heute“ (WDR 5, 18.05.2008).

Dieses Feature sorgte schon vor der Ursendung für Schlagzeilen. Nachdem die Süddeutsche Zeitung eine Rezension der WDR-Produktion abgedruckt hatte, wollte der Bayerische Rundfunk das Thema ebenfalls „exklusiv“ in seiner Sendung „theo.logik“ auf BR 2 behandeln.

Der Sender bat den Autor des WDR-Features, Marcus Wegner um ein auf das „katholische“ Bayern zugeschnittenes „Best-Off“, schließlich könne der Bayerische Rundfunk das Übernahmehonorar des Original-Features nicht zahlen.

So produzierte der freie Journalist Marcus Wegner eigens für den BR ein 17-minütiges Mini-Feature.

Anschließend, so die Planung der BR 2 – Redaktion, sollte der Journalist im Live-Gespräch den Fragen des Moderators Rede und Antwort stehen.

Was dann passierte, schildert Marcus Wegner so:

″Dieses rund 15-minütige Kollegengespräch wurde aus Termingründen wenige Tage vor der Sendung aufgezeichnet.

Mit dem zuständigen Redakteur war vereinbart, dass einige wenige O-Töne für die tagesaktuellen Nachrichten ausgekoppelt werden durften, da die Ergebnisse der zweijährigen Recherche besonders in Kirchenkreisen für gewaltige Schlagzeilen sorgen würden, was dann auch der Fall war.

Mehr als 180 Radiostationen, Fernsehsender, Zeitungen und Zeitschriften berichteten in den ersten Tagen über die täglich stattfindenden Teufelsaustreibungen in Deutschland.

An dem Tag nach der Ursendung beim Westdeutschen Rundfunk, Köln erreichten mich Interviewanfragen aus ganz Deutschland.

Durch geschicktes PR-Management vermittelte der BR den Eindruck, dass die Recherchen einzig für den Bayerischen Rundfunk erfolgten. Im Prinzip wäre das auch nicht schlimm gewesen, hätte mich nicht wenige Stunden vor Ausstrahlung seines BR-Mini-Features und des anschließenden Kollegengesprächs ein Anruf aus der bayerischen Landeshauptstadt ereilt.

„Hi, ich bins Sabine“, sagte lachend die Stimme aus dem Handy. „Du läufst ja schon den ganzen Tag bei uns in den Nachrichten rauf und runter.“

Sabine ist eine Kommilitonin. Ich habe sie zuletzt an der Uni gesehen, und das war Jahrzehnte her. „Hey, und da Du gerade in München bist, wollt ich fragen, ob wir abends zusammen etwas trinken gehen wollen…“

Ich stutzte. „Wieso München, ich sitze gerade im rund 600 Kilometer entfernten WDR-Studio Siegen.“

Nur durch dieses Telefonat erfuhr ich, dass auf Bayern 1 soeben ein längeres Interview mit mir gesendet worden war. Den Hörern wurde suggeriert, ich säße live im BR-Studio.

Klar, wer über Teufelsaustreibung, Dämonen und Besessene redet, läuft Gefahr, übernatürliche Phänomene selbst zu erleben. Doch das BR 1 Livegespräch hatte dann doch keinen übernatürlichen Ursprung:

Der Moderator stellte sehr persönlich wirkende Fragen, sprach ″mich″ im Interview mehrfach namentlich an.

Und, wäre das nicht schon ein übernatürliches Wunder genug gewesen, antwortete ich dank digitaler Schnitttechnik auch – allerdings mehrfach überhaupt nicht auf die Fragen des Moderators.

Offenbar stolz, den Exorzismus-Experten und Kollegen Wegner Live im Studio gehabt zu haben, stellte der Bayerische Rundfunk das „Kollegengespräch“ auch noch als Podcast ins Internet (Audio anbei).

BR 1 hatte aus dem vorproduzierten Kollegengespräch für BR 2 Antworten von mir herausgeschnitten und völlig neue Fragen vorangestellt.

Für mich unfassbar.

Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk Antworten aus einer anderen Live-Schalte zusammenhanglos auskoppelt und dann auch noch die Frechheit besitzt, neue, völlig andere Fragen mit mehrfacher persönlicher Ansprache vor diese meine Antworten zu schneiden, ist mehr als fragwürdig.

Inzwischen hat der Bayerische Rundfunk das gefakte Interview wieder aus dem Internet entfernt. Nach einer Beschwerde gab’s dann via Email sogar die folgende offizielle Entschuldigung:

Sehr geehrter Herr Wegner,

über unseren Kollegen haben wir von den Irritationen und Ihrem Ärger über einen Sendeplatz auf Bayern 1 am Montagnachmittag zum Thema Exorzismus gehört.

Inzwischen haben wir Ihr Gespräch auf Bayern 2 und den angesprochenen Sendeplatz auf Bayern 1 nachgehört und verglichen. Sie haben völlig Recht. Auf Bayern 1 konnte man den Eindruck gewinnen, unser Moderator würde mit Ihnen in diesem Moment ein Gespräch führen. Das ist nicht korrekt und dafür können wir uns nur entschuldigen.

Mit den Kollegen von Bayern 2 war vereinbart, Auszüge aus deren Gespräch mit Ihnen zu senden – aber nicht, ein Interview nachzustellen.

Wir bitten ausdrücklich um Entschuldigung und würden Ihnen gerne wenigstens ein Gesprächshonorar überweisen, auch wenn diese Frage sicher nicht der zentrale Punkt Ihrer Beschwerde war.

Bitte übermitteln Sie mir doch kurz per Mail ihre Postadresse und Bankverbindung, damit wir das Honorar anweisen können.

Auf diesem Wege auch von unsere Seite nochmal ein Kompliment für Ihre Berichterstattung zum Thema Exorzismus.

Mit freundlichen Grüßen aus München,

Bayern 1

Mein Fazit:

Der Bayerische Rundfunk hat sich im Nachhinein mit der Honorierung eine saubere Weste erkauft. Die Glaubwürdigkeit, die er zu Recht von seinen Autoren verlangt und insbesondere bei einem so hochsensiblen Thema wie „Exorzismus in Deutschland“ auch verlangen muss, hat er in diesem Falle allerdings verkauft.″

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