TUTZINGER ETHIK APPELL – für ein glaubwürdiges Radio

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Radio: Vergessen? Oder schon aufgegeben?

Erstellt von Sandra Müller am 26. Oktober 2011

Oder anders gefragt: Warum wird über Live-Fakes im Fernsehen berichtet, nicht aber über den viel häufigeren Fake im Radio?

 

Der neueste Fall: Der Bericht von Dietrich Leder über einen [Edit 31.10.2011 inzwischen ist klar: vermeintlichen] Live-Fake beim Börsenbericht im ZDF-heute journal.

In der “Funkkorrespondenz”, einem Mediendienst aus Bonn, prangert er an: Das ZDF habe die Schalte zwischen Nachrichtenmann und Börsenfrau wie live inszeniert.

Und in der Tat. Auch der Mitschnitt in der Mediathek zeigt wie sich der Sprecher Heinz Wolf scheinbar seiner Kollegin Valerie Haller zuwendet, um mit ihr zu sprechen.

Doch blöderweise  Weiterlesen »

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Die guten ins Töpfchen…

Erstellt von Udo Seiwert-Fauti am 7. Oktober 2011

…die schlechten am besten gar nicht senden. Leider gehen Live-Fakes aber doch immer wieder on air – und das geht nicht selten ordentlich schief, wie das jüngste Beispiel von SWR1 beweist:

Die Moderatorin von SWR1 Der Abend kommt ins Schwitzen – denn leider folgt ein Beitrag auf ihre Frage – und eben nicht die vermeintliche Live-Antwort des Gesprächspartners. Doof, wenn dann auch noch ein zweites Mal der gleiche Fehler passiert. Wer glaubt da noch, ein echter Gesprächspartner wartet darauf antworten zu können…?

Aber – wer immer nur meckert, kommt auch nicht weiter.
Deshalb hier noch ein Beispiel, wie es super funktioniert:

Ein Ausschnitt aus einem Interview mit Desireé Nosbusch – und zwar auch bei SWR1! Nosbusch war zu einem Überraschungsbesuch im Sender und Moderatorin Stefanie Anhalt hat sie kurzerhand am Vormittag interviewt. In Anhalts Sendung am Nachmittag wurde ein prima Gespräch gesendet – und nicht der Eindruck erweckt, Frau Nosbusch sei noch vor Ort.

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Einfach erzählen, was passiert

Erstellt von Katharina Thoms am 14. Juni 2011

Plädoyer einer ARD-Korrespondentin für die Live-Reportage

Die ARD-Kairo-Korrespondentin Esther Saoub hat sich in einem Interview für die Live-Reportage stark gemacht. In den Wochen der “Jasmin-Revolution” hätten Sie und Ihre Kollegen diese Live-Form wieder zu schätzen gelernt, sagt Saoub.
Sie spricht damit Fair Radio aus der Seele: Die Live-Reportage als neue alte Form des Radios, wie die Korrepondentin sie bezeichnet. “Erzählen, was passiert – um uns herum und direkt” – so hätten sie unmittelbar das Weltgeschehen transportieren können: “Die ideale Form des Journalismus”, sagt Saoub.

Fair Radio ist da ganz ihrer Meinung!

Kairo-Korrespondentin Saoub zu Livereportagen, Ausschnitt aus einem ARD-Interview

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Live ist ein Hinhörer

Erstellt von Katharina Thoms am 14. April 2011

Live vor Ort - ein echter Hinhörer

“Warum gibt es keine Live-Reportagen mehr?” Das fragt sich nicht nur FAIR RADIO, sondern auch der Hörfunk-Journalist Sascha Baron. In seiner Kolumne auf radioszene.de wundert sich der erfahrene Radiomacher, warum das schnelle Medium immer weniger auf den Live-Reporter zurückgreift. Motto: Außer Fußball nix gewesen.

Live – das sei die Stärke des Radios. Auch in Zeiten des Internets könne Radio mit der prompten Vermittlung in der Live-Berichterstattung absolut punkten, schreibt Baron. Live im Radio ist einfach, schnell – und ein Hinhörer. Damit spricht er ein zentrales FAIR RADIO-Ziel an: Weiterlesen »

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Mit Live-Betrug ins neue Jahr

Erstellt von Katharina Thoms am 10. Januar 2011

RPR1 sendet und die Mitarbeiter machen gleichzeitig Party

RPR1 ist offenbar ein arbeitnehmerfreundlicher Sender. Denn zwischen den Jahren musste dort kaum jemand arbeiten. Die Moderatoren durften ihre Sendungen für Silvester und Neujahr schon mal vorher aufzeichnen. Und dann gemütlich feiern gehen. Fair Radio findet: ein klassischer Fall von Hörerbetrug!

Hörer haben den Fall in einem Forum aufgedeckt:
Während über die Webcam weit und breit niemand im Studio zu sehen war, forderte der RPR1-Moderator Hörer auch noch zum Mitmachen auf! Eingespielte Hörerwünsche und gefakte Neujahrsgrüße rundeten die Sache offenbar ab.

Bei radioforen.de kann man die Einzelheiten zum RPR1-Betrug nachlesen

Fair Radio hat RPR1 deswegen um eine Stellungnahme gebeten – bisher ohne Antwort. Immerhin: Auf eine Höreranfrage zu dem Fall hat RPR1 offenbar reagiert – und den Betrug zugegeben.

Laut einem bei radioforen.de geposteten Schreiben ließ der Sender wissen:

Wir haben zwischen Weihnachten und an den Feiertagen tatsächlich einige Sendungen aufzeichnen müssen. […] Gerade zwischen den Jahren möchten wir unseren Mitarbeitern aber, so weit es geht, Urlaub ermöglichen. Deswegen greifen wir in diesen seltenen Fällen auf die Vorproduktion zurück. Wir möchten uns entschuldigen, dass unser Moderator Frank Simoleit da etwas zu sehr vorgeprescht ist und den Eindruck erweckt hat, die Sendung sei live.

Das ist zwar ehrlich. Aber es klingt kaum nach Einsicht. Und nach „selten“ klingt tagelange Vorproduktion mit offenbar eingespielten Hörerwünschen auch nicht. Sondern nach planmäßigem Hörerbetrug.

Katharina Thoms

Mehr zum Thema: Was nicht wirklich live ist, wird auch nicht als live verkauft.

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Warum soll man eigentlich keine Live-Fakes machen? Interessiert es die Hörer wirklich, ob live oder nicht live gesendet wird?

Erstellt von Sandra Müller am 13. Dezember 2009

Diese Frage wurde Sandra Müller beim Ethik-Gespräch im Volontärskurs der Evangelischen Medienakademie Düsseldorf gestellt. Ihre Antwort:

Das ist so ähnlich wie mit der Zutatenliste auf der Tiefkühlpizza:
Die kuckt sich auch nur eine Minderheit an. Und doch hat jeder ein Recht darauf zu erfahren, was drin ist.

Und ob Radio oder Pizza: in beiden Fällen wird’s dann spannend, wenn auch die zunächst Uninteressierten mitbekommen, dass da was nicht stimmt. Denn gefälschter Käse auf der Pizza oder gefälschte Interviews im Radio – beides können sich viele zunächst gar nicht vorstellen. WENN sie es dann aber erfahren, sind sie nicht selten empört – zumindest aber desillusioniert.

Wer zum Beispiel bei Studioführungen die erstaunten Gesichter der Besucher sieht, die mitbekommen, wie die Moderatorin einem angeblichen Gast eine Frage stellt, die Antwort dann aber per Knopfdruck einspielt, der kennt die Reaktion: ″Ach. Da ist gar niemand da? Sooo geht das?″ Der nächste Schritt ist dann nicht mehr weit: ″Die beim Radio. Da ist eh alles inszeniert.″ Als Radiomacher verspielt man so schnell seine Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Hörer. Die aber sind die Grundlage unserer Arbeit.

Live-Fakes halten wir von FAIR RADIO außerdem für besonders problematisch, weil live zu senden DIE Stärke des Hörfunks ist. Kein anders Medium kommt seinen Nutzern so nahe wie der ″Echtzeit-Begleiter″ Radio. Eben deshalb wird diese Authentizität so gerne vorgetäuscht. Aber gerade dadurch zerstört man sie.

Der Etikettenschwindel lohnt sich also nicht, ist umgekehrt aber einfach zu vermeiden.

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″FAQ Ethik im Hörfunk – FAIR RADIO antwortet″ von Sandra Müller, FAIR RADIO steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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Wie soll ich immer live senden? Manche Themen sind doch für Live-Geschichten einfach nicht geeignet.

Erstellt von Sandra Müller am 13. Dezember 2009

In der Tat. Deswegen fordet FAIR RADIO auch NICHT: Alles muss live sein.  Sondern: Was für live ausgegeben wird, muss live sein. Alles andere wäre wirklichkeitsfremd. Ein Hörfunkprogramm ohne Aufzeichnungen und Vorproduktionen lässt sich nicht machen.

Dennoch haben wir den Eindruck, dass viele Radiomacher gerne vorschnell auf Aufzeichnungen ausweichen. Und warum? Weil die selbst gesetzten Produktionsbedingungen oft wichtiger sind als die Aufrichtigkeit gegenüber dem Hörer: Man will gerne live wirken, aber auch die Formatlängen einhalten, nicht länger werden als ″Einsdreißig″, den Wortanteil im Griff haben und man hält das Live-Gespräch für potenziell langweilig und riskant.

Doch ein Live-Interview ist nicht nur tendenziell ″gefährlich″ und länger als uns unser Format erlaubt. Es ist auch eine Chance, Dinge auf Sendung zu bringen, die da sonst nie hinkämen. Das setzt natürlich voraus, dass die Reporter und Moderatoren ihr Handwerk verstehen und entsprechend ausgebildet werden. Stattdessen verstecken wir Radiomacher uns gern hinter dem Satz: ″Das ist nicht machbar″.

Die Gefahr dabei ist bereits sichtbar: Die Macher der Morgenmagazine im Fernsehen laufen uns als ″Live-Journalisten″ den Rang ab. Und das obwohl das ″Live dabei sein″ mal DIE Stärke des Hörfunks war.

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Was, wenn wir ein Gespräch für die Frühsendung wollen, der Gesprächspartner aber am Morgen keine Zeit hat?

Erstellt von Sandra Müller am 13. Dezember 2009

Frage eines Volontärs beim Ethik-Gespräch mit Sandra Müller an der Evangelischen Medienakademie Düsseldorf. Ihre Antwort:

Dann sollte – wenn irgendmöglich – der Frühmoderator selbst das Gespräch aufzeichnen.
Idealerweise sollte es dazu in jeder Redaktion eine Zeit am Nachmittag oder Abend geben, in der der Frühmoderator noch mal für Voraufzeichnungen zur Verfügung steht. Dann kann er morgens sein eigenes Interview anmoderieren.

Klappt das nicht, muss ein Dritter das Gespräch führen. Als korrekte Präsentation am Morgen käme in Frage:

  • die Anmoderation eines aufgezeichneten Gesprächs: ″Kollege y hat mit z gesprochen…″ – Leider hölzern und nicht sehr Anchorman-orientiert.
  • die O-TON-Moderation mit Auschnitten aus dem aufgezeichneten Interview. Das heißt: der Frühmoderator präsentiert die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch. – Eine zeitsparende und pointierte Möglichkeit.
  • ein gebautes Stück, in dem der Redakteur, der das Gespräch geführt hat, die Aussagen mit O-Tönen zusammenfasst. – Diese Form bietet zusätzlich die Möglichkeit einer hintergründigen, mit Fakten angereicherten Einordnung und kann vorproduziert werden.
  • das morgendliche Kollegengespräch mit dem Redakteur, der die Infos eingeholt hat. – Eine Lösung, die sich vor allem bei anspruchsvollen Themen anbietet, weil sich nicht nur Infos aus EINEM Gespräch, sondern möglicherweise noch weitere Infos in lockerer Form und hintergründig präsentieren lassen. Der Hörer erlebt einen kompetenten Redakteur im Live-Gespräch.

Generell gilt aber auch: Beim Rekrutieren von Interviewpartnern ruhig selbstbewusst auftreten. Viele Hörfunk-Redaktionen verkaufen sich da unter Wert. Warum denn nach dem Vorgespräch nicht mal anklingen lassen: Wir machen Interviews morgens – zur Prime-Time mit den meisten Hörern (!) – immer und ausschließlich live. Gerade im Lokalfunk, wo Gesprächspartner aus dem nächsten Umfeld kommen, hat die Oberbürgermeisterin nach solchen Ansagen dann vielleicht doch mal für fünf Minuten kurz vor sieben Uhr Zeit. Und wenn sie erst um kurz vor neun Uhr kann, wäre das ja auch ein gelungener Kompromiss.

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Wie lassen sich aufgezeichnete Interviews korrekt anmoderieren? Nur mit: “Dieses Gespräch haben wir vor der Sendung aufgezeichnet”?

Erstellt von Sandra Müller am 13. Dezember 2009

Frage eines Volontärs beim Ethik-Gespräch mit Sandra Müller an der Evangelischen Medienakademie Düsseldorf. Ihre Antwort:

Natürlich wäre der explizite Hinweis auf die Aufzeichnung die klarste Form der Anmoderation. Doch zugegeben: Sie klingt sperrig.  Wer es gerne flüssiger und gefälliger möchte, hat viele Alternativen.

Beispiele und Ideen:

In Musterburg fehlt Geld, viel Geld. Und schuld ist die Wirtschaftskrise. Denn bei den Haushaltsberatungen gestern abend ist klar geworden: die Steuerausfälle der nächsten Jahre werden größer als anfangs gedacht. Bis 2013 schrumpft nach neuesten Schätzungen allein die Einkommenssteuer um 30 Millionen Euro. Was das für Folgen hat, darüber habe ich mit Oberbürgermeister Max Mustermann gesprochen.

Der Einspieler beginnt mit der Frage des Interviewers: ″Herr Mustermann, 30 Millionen Euro Ausfälle allein bei der Einkommenssteuer? Ist das das Aus für die versprochenen kostenlosen Kindergartenplätze?″ Dann folgt das normale Gespräch…″Aber irgendwo muss doch dann gekürzt werden? Wo?″ usw.)

…Ob sich die Stadt da die versprochenen kostenlosen Kindergartenplätze leisten kann? Das habe ich OB Mustermann gefragt. Einspieler beginnt mit Antwort OB

…Dennoch soll es ab kommendem Jahr kostenlose Kindergartenplätze für alle Kinder in Musterburg geben. Das hat OB Mustermann versprochen. Und dieses Versprechen will er nicht aufgeben. Einspieler beginnt mit Antwort OB

….Doch OB Mustermann gab sich zuversichtlich. Zitat: ″Das mit den kostenlosen Kindergärten kriegen wir hin.″ Einspieler beginnt mit Antwort OB

…Und deshalb muss jetzt gespart werden. Allerdings nicht bei den Kindergärten, wie OB Mustermann im Interview mit uns/im Gespräch mit mir betont hat. Einspieler beginnt mit Antwort OB

…Garantiert nicht gespart werden soll aber an den städtischen Kindergärten, so der Oberbürgermeister. Einspieler beginnt mit Antwort OB

Variationen gibt es viele. Entscheidend ist, dass wir dem Hörer nicht vorgaukeln, dass da ein Live-Gespräch stattfindet, sondern klar kennzeichnen, dass der Oberbürgermeister eben nicht gerade jetzt im Studio sitzt.

Tabu sollten deshalb Formulierungen sein wie:

Bei mir im Studio: OB Mustermann. Bedeutet das Finanzloch jetzt das Aus für die versprochenen kostenlosen Kindergartenplätze?

oder

Frage an OB Mustermann: ….

oder gar die aufgezeichnete Begrüßung:
Hallo, Herr Mustermann.

Und selbstverständlich sollte ein aufgezeichnetes Interview nicht explizit als live ausgegeben werden.

Eine gute Form, ein aufgezeichnetes Gespräch korrekt zu präsentieren kann bei einem Kurzinterview übrigens auch die O-TON-Moderation sein.

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Von SWR3 bis 1LIVE: Antworten aus der Konserve

Erstellt von Udo Seiwert-Fauti am 3. Juni 2009

Über Gespräche im Radio, die keine sind

Es ist ohne Frage ein Dilemma, dass das Radio rund um die Uhr sendet, Gesprächspartner aber nicht rund um die Uhr verfügbar sind – erst recht, wenn es Promis sein sollen. Toll also, dass die Stars trotzdem auf Knopfdruck “live” ins Studio kommen. Bequem für die Macher.

Man könnte aber auch sagen: Etikettenschwindel. Denn dem Hörer wird einmal mehr etwas vorgegaukelt, was nicht den Tatsachen entspricht.

Zwei aktuelle Beispiele:
SWR3 am 29.03.09 – “Im Gespräch” mit vorbereiteten Antworten

1LIVE am 16.04.09 – Der Gast der nur eine Aufnahme war

Beides Live-Fakes, also Gespräche, die so nie statt gefunden haben. Sie sind aufgezeichnet und bearbeitet. Die Antworten wurden einzeln zurecht geschnitten. Der Moderator stellt auf Sendung die passenden Fragen dazu.

Trotzdem wird der Hörer in beiden Fällen im Glauben gelassen, die Gäste seien live im Studio. Bei der Aufnahme von 1Live wird der Gast sogar explizit als im Studio anwesend begrüßt. Warum?
Vermutlich um eine Authentizität und Unmittelbarkeit vorzutäuschen, die so aber nicht gegeben ist.

Aus Sicht von FAIR RADIO gibt es zwei Gründe, diese Praxis zu hinterfragen: Erstens, weil Radiomacher sich der Wahrhaftigkeit gegenüber den Hörern verpflichtet fühlen sollten. Schließlich würden wir als Journalisten doch auch jeden Saftladen anprangern, der Saft aus Konzentrat unter dem Etikett “frisch gepresst” verkauft. Und zweitens, weil diese Praxis langfristig zerstört, was den Hörfunk eigentlich ausmacht: Das Vertrauen der Hörer in einen aufrichtigen und glaubwürdigen Tages-Begleiter.

Spätestens dann, wenn der Hörer merkt, dass ihm das Konzentrat als frischer Direktsaft verkauft wurde, ist das Vertrauen dahin. Und da diese Praxis inzwischen weit verbreitet ist, ist der Live-Begriff schon jetzt mehr als angegriffen.

Auch hier sollten also die FAIR RADIO-Grundsätze gelten:
Es wird nichts vorgegaukelt, was nicht tatsächlich so ist
Was nicht wirklich live ist, wird auch nicht als live verkauft

Foto von thomaswanhoff: "Fisch in Dosen"
Some rights reserved. Quelle: http://www.piqs.de

Links zum Thema:

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Es geht auch anders

Erstellt von Sandra Müller am 16. Mai 2009

DAS DING beweist: Interview-Fakes sind verzichtbar

Aufgezeichnete und nachgestellte Pseudo-Live-Interviews – angeblich geht es im modernen Radio nicht ohne: Stimmt nicht. Die Kollegen von DAS DING beweisen das Gegenteil – aufrichtig und eindeutig. Sie moderieren im Hörbeispiel vorher eingeholte Antworten einfach korrekt als Statements an.

Die Vorteile:

- Die vorher befragte Gesprächspartnerin muss nicht das Gefühl haben, (möglicherweise ahnungslos) Teil eines inszenierten Theaterstück geworden zu sein.

- Der Moderator muss nicht verzweifelt einen “Gesprächführenden” mimen, oder Angst haben, versehentlich mit seinem Fake aufzufliegen.

- Und dem Hörer wird nichts vorgegaukelt.

Ein Sender der auf Dauer mit so offenen Karten spielt, darf hoffen, vom Hörer ernst genommen zu werden. Echte Live-Gespräche gewinnen so möglicherweise den Wert zurück, der ihnen gebührt.

Die Nachteile:

Keine.

Das Beispiel von DAS DING beweist aus unserer Sicht, dass die moderierte Form ebenso erfrischend wirken kann, wie ein gefaktes Interview.

Fazit:

Auch wenn Gesprächspartner und Moderatoren nicht immer im passenden Moment Zeit haben; auch wenn die Gespräche hinter den Kulissen von Dritten geführt werden: Es ist völlig unnötig, später auf Sendung dem Hörer ein Live-Gespräch vorzugaukeln.

Es freut uns übrigens besonders, dass es junge Radiomacher sind, die hier zeigen, wie man es auch machen kann und soll – ein Vorbild möglicherweise auch für alte Hasen? Zumindest aber Anlass, die eigene eingeschliffene Praxis zu hinterfragen.

Vielleicht lassen sich ja weitere Präsentationsformen finden, die die Qualität eines Gesprächs mit der Aufrichtigkeit gegenüber dem Hörer verbinden. Vorschläge und Beispiele erwünscht.

“Wichtig für uns ist Authentizität und Ehrlichkeit”
Kommentar von Sandra Zapke, DAS DING (19.1.09)

FAIR RADIO hat DAS DING-Cheflayout-Planerin Sandra Zapke um ein Statement zu dem Hörbeispiel gebeten.
Die Antwort lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig:

Wichtig für uns ist Authenzität und Ehrlichkeit – das gilt für Moderationen und für den Umgang mit unseren Hörern.

Dazu gehört natürlich auch, dass wir in Interviewsituationen ehrlich sind.

Wenn ein Moderator das Interview zum Beispiel aus Zeitgründen nicht selbst führen konnte, muss dem Hörer nicht vorgegaukelt werden, dass es so war. Zumal es ja genug Möglichkeiten gibt die Moderation so zu strukturieren, dass es trotzdem gut klingt.

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BR-Intendant antwortet uneindeutig auf Frage nach Live-Fakes

Erstellt von Administrator am 4. Mai 2009

FAIR RADIO-Unterstützer Andreas Knedlik wundert sich:

In der Sendung “BR unterwegs”, die viermal im Jahr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird, fragte bei der jüngsten Sendung aus Pfaffenhofen an der Ilm ein Hörer, der Bayern1 ein Interview gegeben hat, nach. Seine Frage lautete: “Warum verkauft der Bayerische Rundfunk Beiträge als live, die nicht live sind?”

In diesem Fall wurde das Interview am Dienstag aufgezeichnet und am Sonntag gesendet, wobei der Moderator den Beitrag mit “Heute bei uns…” eingeleitet hat.

Der Intendant des Bayerischen Rundfunk, Dr. Thomas Gruber, versprach hierauf zuerst, dass Regeln geschaffen werden müssen, die solche Formulierungen verhindern. Allerdings relativierte er dies gleich im nächsten Satz, indem er eine Aussage wie “Heute im Studio” für hinnehmbar erklärte.

Ich war selbst bei der Aufzeichnung der Sendung anwesend – die Diskussion zwischen dem Hörer und Herrn Gruber war natürlich etwas länger, als im Fernsehen gesendet. Ich verstehe aber nicht, warum ein Beitrag, der aufgezeichnet ist, nicht mit den Worten “Er/Sie war gestern/diese Woche/… bei uns/bei meinem Kollegen/…” anmoderiert werden kann. Welchen Verlust nimmt man hin, wenn man den Beitrag korrekt anmoderiert?

Jeder Hörer kann doch verstehen, dass Interviewpartner nicht immer genau zu dieser Sekunde Zeit für ein Interview haben. Selbst in der Tagesschau wird bei einem älteren Beitrag “gestern” oder “Archiv” eingeblendet.

Andreas Knedlik

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Auch die BBC macht offenbar längst nicht immer FAIR RADIO

Erstellt von Administrator am 13. Januar 2009

Ofcom verhängt Strafen von über einer halben Million Euro wegen Betrugs bei Gewinnspielen

Und wieder beweist die britische Medienaufsicht, was aufmerksame Kontrolle leisten kann.

Die Medienwächter haben in akribischer Detailarbeit Beweise gesammelt und ganz nebenbei enthüllt, dass offenbar auch bei der BBC schon mal so getan wird “als ob”. Denn eine der “Hauptsünderinnen” ist Liz Kershaw, eine der ganz großen Musikmoderatorinnen in Großbritannien. Ihr wurden aufgezeichnete Sendungen zum Verhängnis, die man für live ausgegeben hatte.

Pikant: Die BBC hatte dennoch zum Mitmachen bei den aufgezeichneten Ratespielen aufgerufen und Hörer anrufen lassen, obwohl gar keine Chance auf Gewinne bestand. Stattdessen wurden “Gewinner” erfunden und fingierte Namen auf Sender durchgegeben. Und das in ganzen 17 Fällen! Mitgespielt haben wohl Dutzende Redakteure und Mitarbeiter. Kritische Zeitungsjournalisten hatten dann den Stein ins Rollen gebracht. Die Ofcom wiederum hat die Sache in gewohnt hartnäckiger Art zu Ende geführt.

Trotzdem bleibt die Frage: Was wohl würde in einem ähnlich gelagerten Fall in Deutschland passieren? Könnte ein öffentlich-rechtlicher Rundfunkrat so akribisch recherchieren und Beweise zusammentragen?

Welche Sanktionsmöglichkeiten hätte er? Und wie öffentlich würden ähnlich gelagerte Verstöße wohl in Deutschland verhandelt? Zugegeben: Könnte, hätte, würde. Denn ähnliche Schlagzeilen hat es in Deutschland bislang nicht gegeben. Warum wohl?

Links zum Thema:

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Geteilter Moderator = doppelter Moderator?

Erstellt von Administrator am 3. September 2008

Die Leipziger Internet-Zeitung über ein ″doppeltes Lottchen″ im Radio

Der Mann muss fliegen können: Starmoderator Rik de Lisle moderiert täglich in Leipzig und Berlin. Zwischen den Sendungen bei R.SA und rs2 liegt grade mal eine Stunde Zeit.

Jetzt hat ein Sprecher einer der beiden Sender in der Leipziger Internet Zeitung zugegeben: Ein Teil der Sendungen ist voraufgezeichnet. Doch wie reizvoll ist es für den Hörer, einem Konservenmoderator zu lauschen? Liegt die Stärke des Hörfunks nicht gerade in der Möglichkeit, den Hörer in Echtzeit zu begleiten? Und wie reagieren wohl die Hörer, die herausfinden (denn offen kommuniziert wird die Konserventechnik ja nicht), dass IHR Rik gar nicht hier und jetzt mit Ihnen spricht? Werden sie sich nicht zurecht hinters Licht geführt fühlen?

FAIR RADIO findet:
Konservenmoderatoren schaden der Glaubwürdigkeit das Radios. Hörer müssen mit Fug und Recht davon ausgehen können, dass ein Moderator, der live klingt auch wirklich live ist.

Das scheint uns um so wichtiger, weil der Hörfunk in seiner ursprünglichen Form immer stärker unter Druck gerät. Stichwort: Podcast, Radio on demand. Was den Hörfunk demgegenüber auszeichnet, ist eben sein Live-Charakter, seine Fähigkeit zur authentischen Begleitung in Echtzeit. Wer dagegen unter falscher Flagge segelt und nur so tut als ob, stellt genau jene Stärke des Radios fahrlässig in Frage. Er sägt am Ast, auf dem er sitzt. Er setzt den Hörfunk erneut dem Vorwurf der Mogelei aus.

Schade.

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Wenn der Korrespondent auf allen Kanälen gleichzeitig spricht…

Erstellt von Udo Seiwert-Fauti am 3. September 2008

Vom Zwang der Aktualität und den zweifelhaften Folgen.

Der tragische Flugzeugabsturz in Madrid verlangt schnelle Information. Ansprechpartner ist der Korrespondent vor Ort. Und am besten soll der immer und überall als Gesprächspartner verfügbar sein. Ist er aber nicht. Das Ergebnis: Dieses Angebot der ARD.

Vorproduziertes Kollegen-Gespräch (in Telefon-Qualität):

Autor: XXXXXXXX
FT bis 16.25
XXXXXXX beantwortet die folgenden Fragen:
1. Was ist passiert?
2. Weiß man schon, ob Deutsche an Bord waren?
3. Wie ist die Situation am Flughafen zur Zeit?
Außerdem:
MoE, aktualisiert
XXXXXXXXX
FT bis 16.50 Uhr

Die Sender bekamen zudem auch noch die genau Länge der Antworten übermittelt. So konnte jeder das Interview mit dem Korrespondenten führen, als sei es live und exklusiv für den Sender.

Ist das nun Zwang der Aktualität oder doch wieder nicht „faires Radio“? Und was spräche dagegen nur das fertige Informationsstück (MoE=Meldung ohne Einblendung) anzubieten, das korrekt als Beitrag anzusagen ist? Ist die Gesprächsform in diesem Fall wirklich unverzichtbar? Wo liegt ihr Mehrwert? Und darf man beim Gespräch in Kauf nehmen, dem Hörer eine irreale Situation vorzugaukeln?

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