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Saubermänner mit schmutzigen Tricks?

Erstellt von Sandra Müller am 30. Oktober 2011

Nach Antenne Bayern macht auch 89.0 RTL mit einem “Skandal” von sich reden. Beide instumentalisieren dabei die Hörer und lassen sich als Moralapostel feiern. Doch die Medien schweigen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und die des Hörers? 89.0 RTL feiert sich als "Sauber-Sender"

 

Es soll ja immer noch Leute geben, die glauben: “Der Leikermoser ist ein Held.“ Und: „Das ist Zivilcourage.“ Denn Leikermoser, der Frühmoderator bei Antenne Bayern, hat sich heldenhaft geweigert, den Sexurlaub eines Hörers zu zahlen! Und das, obwohl die Spielregeln das angeblich verlangen und bei Weigerung Strafe droht. Mutig also, dieser Leikermoser. Die Kommentare auf facebook und youtube über ihn: geradezu Heldenhymnen.

Doch Leikermoser in München ist nicht der einzige aufrechte Radioheld dieser Tage: Auch bei 89.0 RTL in Halle lässt man sich von den Hörern derzeit als Retter der Moral feiern. Dort nämlich weigern sich die Radiomacher, einer Gewinnerin Geld für eine Abtreibung auszuzahlen. Mit denselben Argumenten, derselben Spielidee, derselben Empörungsmaschine. Jetzt ist die Frage: wer hat da bei wem geklaut? Weiterlesen »

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Geht’s auch weniger pathetisch?

Erstellt von Sandra Müller am 19. Oktober 2011

Überlegungen zum Antenne Bayern-Gewinnspiel-Drama und seinem Helden

Die Aufregung bei Antenne Bayern ist groß. Geradezu atemlos. Ja, aufgelöst. So klingt jedenfalls das, was man als Hörer im Radio mitbekommt. Der Grund: Man hat ein Gewinnspiel veranstaltet. Hörer können Geld gewinnen. Antenne Bayern übernimmt täglich eine Rechnung. Welche, das wird jeden Morgen ausgelost. Wer sich dann rechtzeitig beim Sender meldet, gewinnt.

Doch plötzlich ist da ein Gewinner, der will sich seinen Sex-Urlaub in Thailand bezahlen lassen. Und Morgenmoderator Leikermoser ist empört: “Die Rechnung kann ich nicht übernehmen.” Und noch live auf Sendung und unmittelbar nachdem der überraschende Gewinner gezogen wurde, widerspicht ein Kollege. Man MÜSSE zahlen, sagt er. Schließlich stehe das so in den Teilnahmebedingungen. Weiterlesen »

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Gepfistert

Erstellt von Katharina Thoms am 17. Juni 2011

oder: Ist Fake im Radio normal?

Der Skandal um die Reportage des Kischpreisträgers René Pfister ist noch frisch. Er beschrieb Ereignisse, die er nie erlebt hatte. Die Feuilletons waren voller Empörung. Eine Debatte über Qualitätsjournalismus entbrannte. Es war schließlich ein Spiegel-Artikel.
Dann trickst eine andere Preisträgerin ein bisschen und sagt das auch ganz unumwunden. Aber es interessiert niemanden. Ist ja auch nur Radio, also egal? Weiterlesen »

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″Nichts vorgaukeln″ – heißt das auch, ich darf Reporter, die denselben Beitrag für mehrere Sender gemacht haben, im eigenen Lokalsender nicht als ″unseren Radio XY-Reporter″ anmoderieren?

Erstellt von Sandra Müller am 17. März 2010

Natürlich darf man, aber wir von FAIR RADIO halten es nicht für sinnvoll. Denn Tatsache ist: Das sind keine Reporter des jeweiligen Senders und sie treten vor Ort auch nicht als solche auf. Vielmehr waren sie für einen Senderverbund oder vielleicht auch für eine zwischengeschaltete Agentur dort. Sie sind keine Exklusiv-Reporter.

Nicht selten merkt der Hörer das auch, wenn er von einem ins nächste Sendegebiet fährt und dann plötzlich aus dem ″Radio XY-Reporter″ von gerade eben ein ″Radio ABC-Reporter″ wird. Und das nur, weil wir dem Hörer vorgaukeln wollen, der Sender habe ein exklusives Reporternetz.

Dabei wären die Beiträge nicht schlechter oder weniger informativ, würden wir sie OHNE das falsche Etikett auf Sendung bringen. Gleichzeitig bliebe uns erspart, möglicherweise als unseriös und großsprecherisch empfunden zu werden. Ähnlich wie bei vorgetäuschten Live-Interviews ist das also ein Etikettenschwindel, der wenig bringt, uns aber angreifbar macht.

Besser – weil korrekt und unmissverständlich – wäre es also, den fraglichen Beitrag mit ″Ein Beitrag von Max Mustermann FÜR Radio XY″ anzumoderieren.

Creative
″FAQ Ethik im Hörfunk – FAIR RADIO antwortet″ von Sandra Müller, FAIR RADIO steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Beruht auf einem Inhalt unter www.fair-radio.net.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie bei FAIR RADIO erhalten.

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Live-Fakes haben kurze Beine – jetzt bei SAW, PSR und Landeswelle Thüringen

Erstellt von Sandra Müller am 25. Oktober 2009

Aufmerksame/r Hörer/in ärgert sich über das neue gemeinsame Spiel

Die Sender nehmen offenbar Mitspieler auf Sendung und erwecken den Eindruck, die Telefonate seien live. Sind sie aber nicht. Wer mit dem Auto im Grenzgebiet unterwegs ist, bemerkt das, wie eine aktueller Eintrag bei radioforen.de beweist. Dort heißt es:


Lustig wird es, wenn man im “Grenzgebiet” unterwegs ist und exakt denselben Anruf erst auf PSR, 8 Minuten später beim Rumzappen bei SAW und irgendwann auch noch bei Landeswelle hört – natürlich jedesmal als würde das Telefonat gerade eben stattfinden.

“Ja, hier ist die … aus Leipzig…hihi… Kindergärtnerin …ich fasse es nicht…hihi… 1000 Euro?” – “Da bekommen die Kleinen heute bestimmt Süßigkeiten?” – “Ja… hihi… klar!”

Mein Beifahrer: “Die mit ihren sinnlosen Gewinnspielen – ich suche mal weiter.”

“Ja, hier ist die … aus Leipzig…hihi… Kindergärtnerin …ich fasse es nicht…hihi… 1000 Euro?” – “Da bekommen die Kleinen heute bestimmt Süßigkeiten?” – “Ja… hihi… klar!”

Mein Beifahrer: “” (bedient wieder den Suchlauf)

“Ja, hier ist die … aus Leipzig…hihi… Kindergärtnerin …ich fasse es nicht…hihi… 1000 Euro?” – “Da bekommen die Kleinen heute bestimmt Süßigkeiten?” – “Ja… hihi… klar!”

Mein Beifahrer: “…”

Er war danach “leicht” sauer auf die 3 Sender.
Das ging dann wohl irgendwie nach hinten los.

Der Eintrag beweist einmal mehr, wie sehr solche Fakes dem Ruf und der Glaubwürdigkeit des Hörfunks schaden. Denn sie beschädigen das Vertrauen der Hörer in das, was Radio eigentlich am besten kann: ein aufrichtiger Begleiter zu sein für den Tag.

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Fast Merkel? Ach ne! Nur ein Mastferkel. – Hitradio Antenne Niedersachsen wär das vermutlich egal

Erstellt von Sandra Müller am 25. Oktober 2009

Denn Mitschnitte belegen, dass der Sender offenbar gerne so tut als ob, auch wenns haarscharf an der Wirklichkeit vorbei ist.

blogmedien.de jedenfalls erklärt, wie sich Hitradio Antenne Niedersachsen die Wirklichkeit bei einem angeblichen Interview mit Merkel und Steinmeier zurecht gebogen hat.
Demnach hat Nachrichtenchef Georg Poetzsch angeblich persönlich mit Kanzlerin Angela Merkel und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier gesprochen. Dieser Eindruck wurde auf Sendung erweckt.

Doch weit gefehlt: Die Antworten kamen aus der Konserve, heißt es bei blogmedien.de. Und Mitschnitte beweisen das. Sie liegen FAIR RADIO vor.

Aufgenommen hatte das Interview ursprünglich Marcel Weiß von Radio NRW. Die Ausstrahlung war für Dutzende Privatradios in Deutschland mit großem Aufwand angekündigt worden.

Georg Poetzsch aber hat die Aufnahmen ausgeschlachtet und neu vertont. Er scheut sich dabei nicht, eine gesprächige Situation nachzuspielen und begrüßt Angela Merkel sogar im Studio mit einem herzlichen “Guten Morgen”.

Erneut ein Beispiel also für den fragwürdigen Umgang mit Gesprächspartnern, Hörern und Aufnahmen.

Und leider kein Einzelfall, wie wir bei FAIR RADIO immer wieder feststellen müssen.

Danke bei dieser Gelegenheit an Marie-Theres Bär für das wunderbare "Gemischte Doppel",
das sich hier als Überschrift anbot, und an Uwe Vogel und seine frei verfügbaren Bilder
unter www.oldskoolman.de

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“Akustische Täuschung der Hörer”

Erstellt von Sandra Müller am 25. Oktober 2009

Lutz Mükke beschreibt in ″message″ den Alltag von Hörfunk-Korrespondenten.

Der Bericht erschüttert und schockiert. Er beschreibt schonungslos offen, wie inszeniert und wenig authentisch viele Korrespondentenberichte aus Afrika sind. Es ist gar von Features die Rede, die produziert wurden, ohne dass die Korrespondenten jemals dort waren.

Ausschnitte aus einem lesenswerten Artikel:

Michael Franzke, viele Jahre tätig im oberen Journalimus-Management des WDR und ehmaliger Afrika-Korrespondent, [schildert], dass Abnehmerredaktionen kaum noch bereit seien, einen Beitrag ohne Originaltöne zu akzeptieren. [...] Hier beginne allerdings eine “akustische Täuschung” der Hörer.

Seien O-Töne früher Beweise dafür gewesen, dass ein Korrespondent vor Ort war, belegten sie heute oft das Gegenteil, “nämlich die Tatsache, dass der Korrespondent sein Büro gar nicht verlassen hat, andernfalls könnte er kaum so viele O-Töne bei weit entfernten Ereignissen aufgenommen und verarbeitet haben.

Sprich: Je lebendiger, je authentischer seine Berichte klingen, um so “virtueller” sind sie in aller Regel, weil sie meist aus dem Ton-Archiv stammen, wo Maschinengewehrfeuer, Hubschrauberlärm und Kampfgetümmel gefahrlos zu finden sind.”

Franzke bestätigt in Mükkes Artikel, dass er schon einige Features gehört habe,

nicht nur aus Afrika, wo der der Korrespondent nie gewesen ist. Ob die jeweilige Redaktion das wusste, bezweifle ich.

Gleichzeitig legt der Artikel nahe, dass offenbar auch da, wo Verdachtsmomente bestehen, nur unzureichend gehandelt wird.

Ein Afrika-Korrespondent des WDR ist demnach von ARD-Kollegen kritisiert worden, weil er Geräusche aus dem Archiv und fremde O-Töne ohne Quellenangaben verwendet habe. Außerdem soll er Mitarbeiter des Studios als O-Ton-Geber herangezogen haben. Beim WDR habe man das nicht hinterfragt.

Insgesamt liefert Lutz Mükkes Artikel ein trauriges Bild der Auslandberichterstattung im Hörfunk.

Die geschilderten Arbeitsweisen entsprechen den unrühmlichen Gepflogenheiten, die FAIR RADIO generell im Hörfunk beobachtet und bemängelt. Es wird Zeit, dass die Redaktionen handeln.

Der hier angesprochene Artikel "Ruhelos in Afrika" ist erschienen in
"message - Internationale Zeitschrift für Journalismus", 3-2009, S. 18 ff.
Leider gibt es keine Online-Version.

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