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Archiv für Mai, 2009

Rügen unter Verschluss

Erstellt von Sandra Müller am 16. Mai 2009

Wie die Landesmedienanstalten mit den FAIR RADIO- Beschwerden umgehen

Zehn Monate ist es her, da reichte FAIR RADIO Beschwerde bei den Landesmedienanstalten ein gegen diverse Radiostationen. Unser Vorwurf: Mangelnde Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten. Offenbar zurecht. Denn in der Tat wurden mehrere Sender von ihren Landesmedienanstalten gerügt.

Doch komisch: Öffentlich erfahren darf das niemand!
Und selbst wir von FAIR RADIO als Beschwerdeführer mussten bis heute – zehn Monate – auf eine offizielle Reaktion warten.

Unser Fazit:
Gelungenes Beschwerdemanagement und verlässliche Medienaufsicht sieht anders aus.
Wie es funktionieren und wie entschlossen man Verstöße verfolgen könnte, zeigt immer wieder die britische Medienaufsicht OFCOM. Die scheut sich nicht auch dicke Fische mit deftigen Strafen zu belegen. Hinweisen von Beschwerdeführer wird akribisch nachgegangen. Wir dagegen mussten für eine Reaktion auf unsere Beschwerden monatelang bei den zuständigen Landesmedienanstalten nachfragen und immer wieder wochenlang auf Antwort warten.

Nachdem bereits eine Veröffentlichung der Rügen – zumindest für Bayern – angekündigt war, dann heute – nach zehn Monaten – die enttäuschende Nachricht der BLM: Nein, die Rügen bleiben unveröffentlicht.

Auch im Jahresbericht der bayerischen Medienaufseher werden die Rügen also wieder nur als geheimnisvolle Zahlen erscheinen. 2007 umfasste der Hinweis auf Werbeverstöße sage und schreibe 9 Zeilen in einem 120seitigen Geschäftbericht!

Auszug aus dem BLM-Geschäftsbericht 2007: Gerade mal neun Zeilen über Verstöße im Hörfunk.

Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, wie massiv die Werber in die Programme drängen und wie ungeniert die Sender vorgefertigte Beiträge einsetzen.

Denn längst liegt der Verdacht nahe, dass die angemahnten Verstöße eben KEINE Einzelfälle sind.

Erst jüngst machte wieder ein Fall von bezahltem “Agenturjournalismus” von sich Reden: Sender hatten bezahlte PR-Beiträge nachweislich ins Internet übernommen. Erneut ging es dabei um Beiträge einer Agentur aus Stuttgart, die fertiges Material anliefert, das von Firmen bezahlt wird. Die “üblichen Verdächtigen” unter den Radiostationen hatten und haben die Beiträge der Agentur ins Internet gestellt.

Gleichzeitig haben ehemalige Mitarbeiter der Agentur längst bestätigt, dass Beiträge, die in das Internetportal übernommen werden, auch in den jeweiligen Sendern ausgestrahlt werden. Eine entkoppelte Verwertung gebe es nicht. Ehemalige Geschäftspartner der Agentur haben dank FAIR RADIO bei REPORT MAINZ zudem bereits bestätigt, dass den Sendern die Übernahme dieser Agentur-Beiträge bezahlt wird!

Kurzum: All diese Hinweise sollten unseres Erachtens Anlass genug sein, den Sendern genauer auf die Finger zu schauen.

Wir sind der festen Überzeugung, dass eine gewissenhafte Auswertung von Mitschnitten über kurz oder lang den Beweis erbrächte, dass die fraglichen Sender bezahlte Agenturbeiträge on air als eigene redaktionelle Stücke verkaufen – und zwar prinzipiell.

Wir bedauern sehr, dass FAIR RADIO als ehrenamtliche Initiative eine solche Auswertung nicht leisten kann, glauben aber, dass es durchaus lohnende Aufgabe einer Landesmedienanstalt wäre, hier weiter zu forschen und Sender, die Sünder sind, auch beim Namen zu nennen.

Und wer weiß: vielleicht bieten die Kollegen der britischen OFCOM ja Fortbildungsseminare an? Wünschen würden wir es uns. Denn die OFCOM hat einen gerügten Sender sogar dazu verdonnert, die Rüge im eigenen Programm vorzutragen!

Foto von Knipsermann: "Unter Verschluss!" Some rights reserved. Quelle: http://www.piqs.de

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Ne neue Sau durchs Dorf – Jetzt sogar mit Schweinegrippe

Erstellt von Sandra Müller am 16. Mai 2009

Na prima.

“Wir wollen keine Panik schüren”.
In wie vielen Redaktionen ist der Satz im Zusammenhang mit der Schweinegrippe wohl schon gefallen?

Und doch tun viele genau das. Oder wie sonst ist zu verstehen, dass alle schon von mehr als 100 Toten durch die Schweinegrippe reden, obwohl die entsprechenden Behörden in Mexiko nicht müde werden zu betonen, dass das immer noch VERDACHTSFÄLLE sind?

Erst bei 20 Toten ist das neue Virus nachgewiesen. Die anderen KÖNNTEN Schweinegrippefälle sein.Aber für den korrekten Satz: Es SOLL inzwischen über 100 Opfer geben, ist offenbar nur selten Platz.
Fast immer heißt es in den Nachrichten, es gäbe bereits hundert Tote.

Vielleicht ist da eben doch ganz einfach ein klitzekleinesbisschen Lust an der Hysterie dabei. Schade.
Auch wenn sich am Ende vielleicht herausstellen sollte, dass das doch alles Schweinegrippe-Fälle waren.

Bild-Quelle: www.oldskoolman.de

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Wann ist Werbung legal?

Erstellt von Administrator am 16. Mai 2009

Thomas aus Berlin, nach eigenen Angaben Journalist, hat per Mail am 20.04.2009 folgende Frage an FAIR RADIO geschickt:

“Hallo, mich würde interessieren, wie Werbung gekennzeichnet werden muss, um als legal durchzugehen, obwohl sie nicht im klassischen Werbeblock läuft. Muss das Wort Werbung fallen, oder genügt eine Verpackung – auch ohne Nennung des versteckten Kunden vor oder nach einem Beitrag?”

Die Antwort von Journalismus-Dozent und FAIR RADIO-Unterstützer Axel Buchholz:

Die im Programm auch ansonsten übliche akustische Verpackung muss sein und genügt gleichzeitig. Davor jedenfalls, ob auch danach, ist umstritten. Text muss nicht sein. Zur Frage, ab wann ein Beitrag als werbend gelten muss: Natürlich können Beiträge ausgestrahlt werden, die für den Sender kostenlos erstellt wurden. Sie dürfen aber keinen werblichen Charakter haben, also keine Schleichwerbung sein.

Davon wird man immer dann ausgehen müssen, wenn der Beitrag z.B. von einer Agentur im Auftrag eines (kommerziellen) Kunden produziert wurde und dessen Namen genannt wird oder eine (besonders die) Produktgruppe oder Branche des Finanziers besonders herausgestellt wird. Auch natürlich, wenn die Ausstrahlung bezahlt wird.

Wer als Radio-Sender ganz korrekt sein und jedem Verdacht zuvorkommen will, sollte auf kostenlose Beiträge verzichten (auch wenn sie keine Schleichwerbung sind oder zu sein scheinen) oder jedenfalls in der An- und Abmoderation darauf hinweisen, dass der Beitrag kostenlos im Auftrag von xy zur Verfügung gestellt wurde. In Zweifelsfällen sollten solche Beiträge gar nicht gesendet werden.

Axel Buchholz ist Dozent für praktischen Journalismus.
Er lehrt als Honorarprofessor am Journalistischen Seminar der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und ist Hauptautor und Mitherausgeber des Standardwerks “Radio-Journalismus”. Vor seiner Arbeit als Dozent war Buchholz Hörfunk-Chefredakteur beim Saarländischen Rundfunk (SR) und Wellenchef von SR 1 Europawelle

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Es geht auch anders

Erstellt von Sandra Müller am 16. Mai 2009

DAS DING beweist: Interview-Fakes sind verzichtbar

Aufgezeichnete und nachgestellte Pseudo-Live-Interviews – angeblich geht es im modernen Radio nicht ohne: Stimmt nicht. Die Kollegen von DAS DING beweisen das Gegenteil – aufrichtig und eindeutig. Sie moderieren im Hörbeispiel vorher eingeholte Antworten einfach korrekt als Statements an.

Die Vorteile:

- Die vorher befragte Gesprächspartnerin muss nicht das Gefühl haben, (möglicherweise ahnungslos) Teil eines inszenierten Theaterstück geworden zu sein.

- Der Moderator muss nicht verzweifelt einen “Gesprächführenden” mimen, oder Angst haben, versehentlich mit seinem Fake aufzufliegen.

- Und dem Hörer wird nichts vorgegaukelt.

Ein Sender der auf Dauer mit so offenen Karten spielt, darf hoffen, vom Hörer ernst genommen zu werden. Echte Live-Gespräche gewinnen so möglicherweise den Wert zurück, der ihnen gebührt.

Die Nachteile:

Keine.

Das Beispiel von DAS DING beweist aus unserer Sicht, dass die moderierte Form ebenso erfrischend wirken kann, wie ein gefaktes Interview.

Fazit:

Auch wenn Gesprächspartner und Moderatoren nicht immer im passenden Moment Zeit haben; auch wenn die Gespräche hinter den Kulissen von Dritten geführt werden: Es ist völlig unnötig, später auf Sendung dem Hörer ein Live-Gespräch vorzugaukeln.

Es freut uns übrigens besonders, dass es junge Radiomacher sind, die hier zeigen, wie man es auch machen kann und soll – ein Vorbild möglicherweise auch für alte Hasen? Zumindest aber Anlass, die eigene eingeschliffene Praxis zu hinterfragen.

Vielleicht lassen sich ja weitere Präsentationsformen finden, die die Qualität eines Gesprächs mit der Aufrichtigkeit gegenüber dem Hörer verbinden. Vorschläge und Beispiele erwünscht.

“Wichtig für uns ist Authentizität und Ehrlichkeit”
Kommentar von Sandra Zapke, DAS DING (19.1.09)

FAIR RADIO hat DAS DING-Cheflayout-Planerin Sandra Zapke um ein Statement zu dem Hörbeispiel gebeten.
Die Antwort lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig:

Wichtig für uns ist Authenzität und Ehrlichkeit – das gilt für Moderationen und für den Umgang mit unseren Hörern.

Dazu gehört natürlich auch, dass wir in Interviewsituationen ehrlich sind.

Wenn ein Moderator das Interview zum Beispiel aus Zeitgründen nicht selbst führen konnte, muss dem Hörer nicht vorgegaukelt werden, dass es so war. Zumal es ja genug Möglichkeiten gibt die Moderation so zu strukturieren, dass es trotzdem gut klingt.

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BR-Intendant antwortet uneindeutig auf Frage nach Live-Fakes

Erstellt von Administrator am 4. Mai 2009

FAIR RADIO-Unterstützer Andreas Knedlik wundert sich:

In der Sendung “BR unterwegs”, die viermal im Jahr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird, fragte bei der jüngsten Sendung aus Pfaffenhofen an der Ilm ein Hörer, der Bayern1 ein Interview gegeben hat, nach. Seine Frage lautete: “Warum verkauft der Bayerische Rundfunk Beiträge als live, die nicht live sind?”

In diesem Fall wurde das Interview am Dienstag aufgezeichnet und am Sonntag gesendet, wobei der Moderator den Beitrag mit “Heute bei uns…” eingeleitet hat.

Der Intendant des Bayerischen Rundfunk, Dr. Thomas Gruber, versprach hierauf zuerst, dass Regeln geschaffen werden müssen, die solche Formulierungen verhindern. Allerdings relativierte er dies gleich im nächsten Satz, indem er eine Aussage wie “Heute im Studio” für hinnehmbar erklärte.

Ich war selbst bei der Aufzeichnung der Sendung anwesend – die Diskussion zwischen dem Hörer und Herrn Gruber war natürlich etwas länger, als im Fernsehen gesendet. Ich verstehe aber nicht, warum ein Beitrag, der aufgezeichnet ist, nicht mit den Worten “Er/Sie war gestern/diese Woche/… bei uns/bei meinem Kollegen/…” anmoderiert werden kann. Welchen Verlust nimmt man hin, wenn man den Beitrag korrekt anmoderiert?

Jeder Hörer kann doch verstehen, dass Interviewpartner nicht immer genau zu dieser Sekunde Zeit für ein Interview haben. Selbst in der Tagesschau wird bei einem älteren Beitrag “gestern” oder “Archiv” eingeblendet.

Andreas Knedlik

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