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Es ist an der Tagesordnung. Alle Sender tun es. Alle Macher wissen es. Aber keiner sagt es den Hörern: Nicht alles, was live verkauft wird, ist live. Und dieses Mal wissen wir es aus erster Hand: Der Moderator tut anbei hörbar so, als stünde der Kollege noch vor Ort. In Wahrheit war das Stück aufgezeichnet - für Profis unschwer zu erkennen.
Aber für den unbedarften Hörer? Schlicht Betrug, finden wir! Und unnötig noch dazu. Eine korrekte Anmoderation hätte den Beitrag nicht schlechter gemacht. Aber er hätte verhindert, dass die Hörer, die den Fake mitbekommen haben (das sind zumindest die Gesprächspartner vor Ort) künftig wieder zurecht weitererzählen: ″Ist doch eh alles inszeniert beim Radio″.
Fazit: Nix gewonnen, aber die Glaubwürdigkeit verkauft.
PS: Unter der Rubrik ″PASSIERT, NOTIERT.....″ wollen wir von nun an regelmäßig auf Unkorrektheiten, Schlampereien und Betrügereien in den Sendern hinweisen. Am liebsten mit Ross und Reiter. Und am liebsten direkt aus dem Redaktionsalltag. Aufmerksame Hörer und Macher sind also gefragt: Auffälligkeiten bitte direkt an FAIR RADIO! Informantenschutz ist ihnen sicher. Schließlich sind wir selbst Journalisten.
Ein FAIR-RADIO-Unterstützer schreibt:
Vielen Dank für das Beispiel.
Aber wie erkennt man denn, dass das ein Fake war (abgesehen davon, dass in den meisten Postämtern um 17:47 Uhr auch ohne Streik nicht gearbeitet wird)?
Antwort von FAIR RADIO:
In der Tat ist so ein Fake oft sehr schwer zu erkennen. Auch das genannte Beispiel bei SWR1 ist in dieser Hinsicht ziemlich ″gut″ gemacht.
Hinweise auf einen Live-Fake sind aber zum Beispiel:
Mini-Umfragen mit mehreren Gesprächspartnern, die - oh Wunder - direkt hintereinander weg kurz und knapp antworten (auch im vorliegenden Beispiel zu hören). In der Realität funktioniert das live nicht so reibungslos.
Schnitte - vor allem in den Antworten der Gesprächspartner - zu hören oft allerdings nur mit Erfahrung. Im vorliegenden Beispiel erkennt man wohl nur als Profi einen Schnitt in der vorletzten Antwort. Etwas deutlich ist das geschnittene Ende zu hören vor der Abmoderation.
Apropos Abmoderation: Kommt die all zu schnell, nach der angeblichen Live-Einblendung des Reporters, ist Verdacht berechtigt. Bei einer echten Einblendung muss der Moderator schließlich auf das Stichwort ″von draußen″ warten oder auf die Rückgabe ″ins Funkhaus/Studio″. Das geht nicht so holterdipolter wie im Beispiel.
Und noch ein Hinweis: Sind ″Live-Einblendungen″ mit Gesprächspartnern vor Ort bei einem bestimmten Sender auffällig oft ähnlich lang oder gar ″knackig kurz″, dann liegt nahe, dass da schon jemand vorab mit der Schere dran war, um das vorgegeben Format einzuhalten (1:30/2:00/2:30). Denn ein Reporter hat zwar bei einem ″Alleingang″ seine vorgegebenen Formatlängen im Gespür. Sobald mehrere Gesprächspartner vor Ort dabei sind schafft aber selbst der beste Reporter nicht immer eine Punktlandung. Und alles was unter 1:30 ist, ist unter live-Bedingung vor Ort kaum zu schaffen. Um das zu enttarnen müsste der Hörer aber schon mit der Stoppuhr vor dem Radio sitzen.
Fazit: Man hat kaum eine Chance als Hörer. Außer natürlich man wird vor Ort Zeuge eines solchen Betrugs und das ist bei der Häufigkeit solcher ″Vergehen″ gar nicht so unwahrscheinlich.
Schließlich ist es genau das, was uns Sorgen macht: Dass Radio nur noch als Betrugsmedium wahrgenommen wird.
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