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″Akustische Täuschung der Hörer″

Lutz Mükke beschreibt in ″message″ den Alltag von Hörfunk-Korrespondenten

22.07.2009


Der Bericht erschüttert und schockiert.
Er beschreibt schonungslos offen, wie inszeniert und wenig authentisch viele Korrespondentenberichte aus Afrika sind.

Es ist gar von Features die Rede, die produziert wurden, ohne dass die Korrespondenten jemals dort waren.

Ausschnitte aus einem lesenswerten Artikel.


Michael Franzke, viele Jahre tätig im oberen Journalimus-Management des WDR und ehmaliger Afrika-Korrespondent, [schildert], dass Abnehmerredaktionen kaum noch bereit seien, einen Beitrag ohne Originaltöne zu akzeptieren. [...] Hier beginne allerdings eine ″akustische Täuschung″ der Hörer.

Seien O-Töne früher Beweise dafür gewesen, dass ein Korrespondent vor Ort war, belegten sie heute oft das Gegenteil, ″nämlich die Tatsache, dass der Korrespondent sein Büro gar nicht verlassen hat, andernfalls könnte er kaum so viele O-Töne bei weit entfernten Ereignissen aufgenommen und verarbeitet haben.

Sprich: Je lebendiger, je authentischer seine Berichte klingen, um so 'virtueller' sind sie in aller Regel, weil sie meist aus dem Ton-Archiv stammen, wo Maschinengewehrfeuer, Hubschrauberlärm und Kampfgetümmel gefahrlos zu finden sind.″



Franzke bestätigt in Mükkes Artikel, dass er schon einige Features gehört habe,

nicht nur aus Afrika, wo der der Korrespondent nie gewesen ist. Ob die jeweilige Redaktion das wusste, bezweifle ich.



Gleichzeitig legt der Artikel nahe, dass offenbar auch da, wo Verdachtsmomente bestehen, nur unzureichend gehandelt wird.

Ein Afrika-Korrespondent des WDR ist demnach von ARD-Kollegen kritisiert worden, weil er Geräusche aus dem Archiv und fremde O-Töne ohne Quellenangaben verwendet habe. Außerdem soll er Mitarbeiter des Studios als O-Ton-Geber herangezogen haben. Beim WDR habe man das nicht hinterfragt.

Insgesamt liefert Lutz Mükkes Artikel ein trauriges Bild der Auslandberichterstattung im Hörfunk.

Die geschilderten Arbeitsweisen entsprechen den unrühmlichen Gepflogenheiten, die FAIR RADIO generell im Hörfunk beobachtet und bemängelt.

Es wird Zeit, dass die Redaktionen handeln.





Der hier angesprochene Artikel ″Ruhelos in Afrika″ ist erschienen in ″message - Internationale Zeitschrift für Journalismus″, 3-2009, S. 18 ff.
Leider gibt es keine Online-Version.





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KOMMENTAR

Mängel bei der Auslandsberichterstattung auch online nachzulesen

Kommentar von Inge Seibel-Müller, freie Journalistin


″Message″ ist zwar nicht frei verfügbar.
Aber beim ″netzwerk recherche″ ist im Oktober ein Dossier zu dem Thema erschienen und das ist frei zum Downloaden:

Auslandsjournalismus in der Krise
Netzwerk Recherche veröffentlicht Dossier zur Lage der Auslandsberichterstattung

Wiesbaden.
Die Auslandsberichterstattung in Deutschland weist erhebliche Defizite auf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Kommunikationswissenschaftlers Lutz Mükke, die in der Publikationsreihe „nr-Dossier“ erscheint.

An etlichen Beispielen aus der Medienpraxis werden die Mängel aufgezeigt – an der Steuerung der Kriegsberichterstattung durch PR-Profis, am Umgang von Nachrichtenagenturen mit Ortsmarken oder am „virtuellen Journalismus“ im Hörfunk.

In dem Dossier kommen auf rund 25 Seiten zahlreiche Korrespondenten, Reporter sowie Auslandsressortleiter deutscher Leitmedien zu Wort.


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