FAIR RADIO TUTZINGER ETHIK APPELL - für ein glaubwürdiges Radio

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Ein wichtiges Thema, aber nicht unbedingt passend zum Appell

Udo Seiwert-Fauti, FAIR RADIO

22.11.2008




DAS ist so ein bisschen unser Problem: wo fangen wir an und wo hören wir auf bei unserer Kritik, bei unserem „Aufmerksam machen″?

Mit unserem Appell haben wir bei der Gründung der Initiative überhaupt erst einmal versucht, Grundsätzliches anzusprechen und so ein Nachdenken anzuregen.
Das ist uns, ohne uns zu sehr loben zu wollen, offensichtlich schon ein bisschen gelungen. Es haben in vielen Radios Diskussionen eingesetzt, es gibt Nachdenken, auch weil wir in Deutschland versuchen präsent zu sein, um die Missstände anzusprechen, um KollegInnen zu Reaktionen zu bekommen.
DAS, allein DAS, ist schon eine intensive Arbeit der besonderen Art. Viele würden ja gerne auch mehr machen, können (wollen ??) aber nicht, weil es z.B. für viele Freie bei Kritik auch um den Job geht…….


Zur Musik: Ich bin gerade auch aufgrund vieler Reaktionen aus den öffentlichen-rechtlichen Radios zum Schluss gekommen, wir Radiomacher sollten langsam mal darüber diskutieren, was uns eigentlich das viel gepriesene Mainstream – und Formatradio so gebracht hat:

Infos in ständig wiederholter Kürzestversion, nahezu der Wegfall von Hintergrundinfo in den so genannten Massenprogrammen, Branding der Radios ist wichtiger als der Inhalt und dazu gehört dann leider auch die Musik.

Das bedauere ich sehr, denn ich habe viele Jahre ständig als Freier in eine – man stelle sich das heute vor - Folkrocksendung von SWF 3 und SDR 3 zugeliefert und diese ko-moderiert.
RUNRIG war unsere Entdeckung für Deutschland………aus und vorbei!!
Z.B. landestypische Musik anderer Länder passt heute offensichtlich in kein Format mehr, höchstens ab und zu in den Deutschlandfunk.

Das zum Beispiel der hr in seinen Archiven unglaubliche LIVE - Auftritte der gesamten 60er und 70er Prominenz hat, von Kinks über Who bis Spencer Davis, hat der hr weder programmlich noch werbemässig kaum vermarktet. Wo sollte er das auch spielen?

Ich habe die Chefs dort gerade in einem deutlichen Brief auf Ihre Schätze, die doch musikhistorisch sind, hingewiesen. Von den tollen Liveaufnahmen und Liveauftritten in den Bereichen Chanson, Kabarett , Bigband will ich erst gar nicht sprechen.



Doch fragen Sie sich selbst: Wo sollte man DAS alles in einem Formatradio spielen? Mir scheint das die Grundfrage zu sein. Wenn Hörer angeblich nicht länger als zwei Minuten zuhören können, wie viele Senderchefs – ohne großen Widerstand der Mitarbeiter übrigens - behaupten, würden die Benny Goodman und seiner Band (auf die sich viele Popstars berufen!!) zuhören ?



Ich habe leider das Gefühl, die oft gepriesene Quote, die mit Mainstream erreicht wird, macht die Radiozukunft mehr oder weniger kaputt.
Radios werden austauschbar, sind nicht mehr zu unterscheiden und viele Macher halten ob dieser Entwicklung auch noch den Mund!

Ich wünsche mir oft ein Radio wie das aktuelle BBC Radio 2. Tagsüber Rock und Pop und zwischendrin und ganz besonders ab 18 Uhr viel Zeit für anderes wie Musik-Hintergrund, sonntags sogar für sehr interessante Kirchenmusik.

Und was ist die Folge: In Großbritannien ist Radio 2 das mit weitem Abstand meist gehörte Radioprogramm. Da die Briten sicher nicht so ganz anders sind als die Deutschen stellen sich da für mich viele Fragen………



So gesehen bin ich sehr dankbar, dass Sie auf die Archivschätze und das Problem Musik aufmerksam machen. Zumal ja die Musik auch die Privatsender betrifft, die mit ihrer rotierenden Musik tagtäglich die Hörer binden wollen und müssen, damit sie finanziell nicht ins Rotieren kommen.



Ich hoffe ich konnte Ihnen vor dem Hintergrund meiner ganz persönlichen Erfahrungen ein bisschen aufzeigen, was auch diskutiert werden sollte.

Da wir im Moment aber nach wie vor ein kleines FAIR RADIO-Team sind, sind wir immer wieder auf Reaktionen wie die Ihre angewiesen.
Wir können nur Grundsätzliches ansprechen, gefordert sind wir aber alle, die in den Radios arbeiten und auch in Zukunft arbeiten wollen!

Für ihre mail vielen Dank und jetzt sind wir gespannt wie andere KollegInnen reagieren.
Nur zu!

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