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Was tun gegen getürkte Liveberichte?
Ulrike Mix, selbst Hörfunkreporterin (23.09.08)
24.09.2008
Getürkte Liveberichte im Hörfunk – in der Tat ein Thema, das schon so weit um sich gegriffen hat, dass sogar bei öffentlich rechtlichen Sendern inzwischen voraufgezeichnete Liveberichte nicht mehr als fragwürdig zu gelten scheinen.
Redakteure bestellen voraufgezeichnete Einblendungen für den nächsten Tag mit dem Hinweis, es solle halt live klingen – und man könne auf das morgen gesagte „Guten Morgen!“ des Moderatorenkollegen gern seinerseits mit einem „Guten Morgen!“ antworten, um den Einstieg in die pseudo-live-Geschichte authentischer zu machen.
Welche Motive und Zwänge haben den bestellenden Redakteur zu seiner Hörer-Betrugs-Einblendung verleitet? Und wie verhält man sich als ausführender Reporter?
Ein kleiner Hinweis im Sinne: „Ihr wisst aber schon, dass das nicht okay ist?“ geht allemal – verhindert aber oft nicht das Ansinnen des bestellenden Redakteurs.
Das „Guten Morgen!“ weglassen und damit zumindest selbst nicht kompletter Mittäter bei einem der alltäglichen Hörfunkbetrugsfälle zu sein, geht auch.
Sich komplett zu verweigern – geht auch.
Nur das muss man sich leisten können und wollen – vor allem als frei schaffender Kollege, der gerne auch morgen noch einen Auftrag erhalten würde.
Und der bestellende Redakteur? Der ist oftmals auch ein frei schaffender Kollege, der innerhalb seiner Planungsredaktion genauso stark unter Druck steht, wie der Reporterkollege.
Vor allem in einem Unternehmen, in dem Menschen mit „anderen Ansichten“ aufgrund ihres Anstellungsverhältnisses eine schwache Position haben, muss faire und ehrliche Berichterstattung von oben gewollt sein.
Nur wenn klar ist: Öffentlich-rechtliches Radio ist Qualität, können die am Ende der Auftragskette letztlich die Qualität auch ohne wenn und aber umsetzen und einfordern.
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