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Schleichwerbung bei RTL. Medienanstalt ermahnt Sender.

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Das ging schnell. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg hat innerhalb weniger Wochen auf Beschwerden von fair radio reagiert und RTL 104.6 ermahnt. Der Sender hatte in einem Gewinnspiel über Wochen Schleichwerbung für einen Autohersteller gemacht. Und zwar richtig penetrant.

Im Grund klangen die Moderatoren, als würden sie Texte aus dem Werbeprospekt vorlesen. Über Sender gingen blumige und detailgenaue Beschreibungen, die erklärten, was das Cabrio, um das es geht, alles kann:

„Das tolle ist ja, das Verdeck lässt sich während der Fahrt öffnen, in
nur 12 Sek. Und sogar bei voller Fahrt in Höchstgeschwindigkeit…“

Oder:
„Schick, wendig und dabei auch noch sicher. Neueste Systeme helfen
Unfälle, zu vermeiden. Ist ja auch wichtig, ESP, Spurhalteassistent.
Seitenwindassistent.“

Werblicher kann ein Text kaum sein und deshalb in dieser Form verboten. Denn ein Werbetrenner fehlte. Den aber schreiben der Rundfunkstaatsvertrag (§ 58) und die Werberichtlinien der Landesmedienanstalten für solche Fälle vor. Hörer sollen erkennen können, wenn Werbung läuft.

Das sah auch die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) so. Die Antwort auf unsere Beschwerde kam prompt. Demnach hat die mabb den Sender ermahnt und 104.6 RTL habe zugesagt „die Auffassung der mabb in die Gestaltung des Gewinnspieles im nächsten Jahr einfließen zu lassen.“

Aber wie? fair radio hat bei RTL 104.6 nachgefragt. Doch Details gab’s keine. Denn auch wenn RTL 104.6 das Cabriospiel seit Jahren im Programm hat, ob es nächstes Jahr nochmal läuft, sei gar nicht sicher, so RTL-Pressesprecherin Sabine Rabow. Man habe sich deshalb noch keine Gedanken zur Neugestaltung gemacht. Und wie es beim vergangenen Spiel zu den unerlaubten Formulierungen gekommen ist, könne sie nicht sagen. Man habe die Formulierung in der Redaktion offenbar nicht als werblich gesehen.

Wie schade.

Ebenfalls schade: Unser zweiter Kritikpunkt am Gewinnspiel blieb komplett außen vor. Denn RTL 104.6 präsentierte das Gewinnspiel unserer Ansicht nach nicht nur mit Schleichwerbung, sondern immer wieder auch mit leicht missverständlichen Gewinnversprechen:

„Jeden Tag verschenken wir ein Smart vom Smart Center Berlin für den
Sommer und auch Du hast das Cabrio Nummer drei gewonnen….Oben ohne durch den Sommer.“

Fakt ist: Das Cabrio gab’s jeweils nur für drei Monate und maximal 5.000 Kilometer zu gewinnen und mit eingeschränkter Versicherung. Wirklich klar wurde das für die Hörer aber nur in den recht mühsam zu lesenden Teilnahmebedingungen auf der Homepage des Senders. Hingewiesen wurde auf die selten. Nicht mal bei facebook-Posts.

Kein Wort davon, dass es das Cabrio nur für drei Monate gibt.

Dabei hätte man doch selbst auf Sender klar, kurz und knackig sagen können: „Mit RTL fährst Du im Sommer drei Monate lang für umme Cabrio.“ So aber entsteht der Eindruck, der Sender spekuliert mit seinen vagen Formulierungen on air absichtlich auf ein Missverständnis.

Wir halten auch das für beanstandungswürdig. Hörer hatten sich darüber auch beschwert. Bei uns. Und auf der facebook-Seite von RTL. Eine Rüge der mabb wäre auch hier angemessen gewesen.

Übrigens: Nur, WEIL uns Hörer über das Gewinnspiel informiert haben, konnten wir der Sache nachgehen und uns erfolgreich beschweren. Vielen Dank dafür. Und: Gerne wieder. Für glaubwürdiges Radio.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich freue mich, dass es tatsächlich etwas gebracht hat euch den Tip zu geben der Sache einmal nachzu gehen.

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  2. Habe diese Werbung auch immer gehört und als genau diese aufgefasst – eben wegen der Formulierungen und auch, dass man das Cabrio wieder zurück geben muss, fand ich eindeutig – ich erinnere mich deswegen daran, weil ich dann nämlich dachte: Ach solo, was für ein Scheiß!

    Und weil es so penetrant war, ging ich davon aus, dass die Werbung eindeutig abgesprochen sei. War mir gar nicht bewusst, dass man da so wie im TV das als Werbung kennzeichnen muss. Dann macht 104.6 das nämlich echt oft, siehe easyjet vor einigen Jahren.

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    • Danke für deinen Eindruck zu dem Gewinnspiel! Wir würden uns freuen, wenn du dich bei uns meldest, wenn dir wieder etwas auffällt.

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  3. bei den Antworten, die die geschulten und versierten Schön-Sprecher solcher Sender dann auf die Kritik hin geben, hat man stets das Gefühl, die Verantwortlichen der Sender kennen die Bestimmungen und Richtlinien nicht und handelten ja nur aus Unkenntnis – und würden selbstverständlich künftig mehr und besser darauf achten, dass das nicht wieder vorkomme.
    Wer’s glaubt …

    Dabei ist jedem halbwegs des Denkens Fähigen klar, dass hinter diesen Schleichwerbungen ein abgekartetes Spiel und volle Absicht und Berechnung stecken. Deshalb ist mir auch überhaupt nicht verständlich, dass diese Verstöße nicht richtig geahndet werden sondern allenfalls läppische Ermahnungen die Folge sind. So jedenfalls werden die Sender nicht dazu gebracht, Schleichwerbung zu unterlassen. Sie machen einfach weiter. Und bei RTL ist das ja auch nicht das erste Mal. Kein Wunder, bei derart butterweichen Strafen.

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