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Spaßtelefonfake von Radio NRW: Lüge ohne Folgen.

Die Aufsichtsbehörden haben entschieden:

Die gefaketen Spaßtelefonate bei Radio NRW sind nicht strafbar. Es gibt nun mal keine Paragrafen im Rundfunkrecht, die die Glaubwürdigkeit des Radios schützen. Wie schade.

Im März dieses Jahres testete radio NRW eine neue Telefoncomedy, deren Idee nicht nur von einem anderen Programm abgekupfert, sondern die komplett geskriptet eingekauft wurde. Das Problem der „Anzeigenfalle“: Die Hörer von radio NRW sollten sich bei „Elvis Eifel“ melden und dadurch Teil dieser Comedy-Reihe werden. Dass sämtliche Telefonate aber bereits eins zu eins bei 104.6 RTL in Berlin gelaufen sind, verschwieg man den Hörern – die preiszugeben hätte die gesamte Aktion wohl auch etwas merkwürdig aussehen lassen.

Dass das Format von RTL Radio Center in Berlin produziert wurde und man eine Staffel für NRW eingekauft habe, verschwieg radio NRW auf Anfrage von fair radio auch gar nicht. Die Rede von Anzeigen, welche zum Anrufen animieren sollten, war dort aber plötzlich nicht mehr.

fair radio reichte daraufhin Programmbeschwerde ein und bekam von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) – zuständig für 104.6 RTL – nach rund drei Monaten Prüfung eine Antwort, welche erklärt:

„Im Ergebnis verstößt die Comedy-Serie „Anzeigenfalle“ nicht gegen rundfunkrechtliche Bestimmungen, insbesondere nicht gegen die Berichterstattungsgrundsätze nach § 10 Rundfunkstaatsvertrag (RStV) und die Allgemeinen Programmgrundsätze des § 41 RStV.“

Einen Verstoß gegen ein Gesetz sieht man also nicht, aber man gibt zu:

„… es ist sicher auch aus ethisch-moralischer Sicht fragwürdig, wenn Hörern der Eindruck vermittelt wird, gescriptete Telefonate seien real und sie damit über deren Entstehung „getäuscht“ werden.“

Knapp zwei weitere Monate später meldet sich nun auch die Landesanstalt für Medien (LfM) bei uns, welche für radio NRW zuständig ist. Bereits im März habe man Kontakt mit dem damaligen Programmdirektor von Radio NRW, Ingo Tölle, aufgenommen. Dieser bedauerte, dass, „der Eindruck entstanden sei, dass es sich um eine Eigenproduktion von radio NRW handele.“

Da Ingo Tölle das Unternehmen Ende März verließ, nahm man im Mai erneut Kontakt auf. Im einem Gespräch bestätigte Chefredakteur Udo Kreuer:

„… dass radio NRW eine zweite Staffel der Comedy-Serie ‚Anzeigenfalle‘ in der erfolgten Form nicht mehr ausstrahlen werde. Sollte es zukünftig eine weitere Fortsetzung geben, werde radio NRW darauf achten, die Durchführung der Comedy-Folgen selbständig umzusetzen.“

Was bleibt, ist die Tatsache, dass mindestens ein Programm seine Hörer angelogen hat und es niemals Anzeigen oder echte Telefonate gab. Dieser Lüge scheinen die Landesmedienanstalten als Aufsichtsorgane hilflos ausgeliefert, solange sich die Programmanbieter im gesetzlichen Rahmen bewegen. Dass hier eine ordentliche Portion Glaubwürdigkeit verloren geht, scheint leider keine Rolle zu spielen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Leider ist dieser Artikel vollkommener Blödsinn, da unwissende Menschen versuchen die Regeln journalistischer Ethik auf Unterhaltung, Comedy und Entertainement zu übertragen.
    Das passiert, wenn jeder darhergelaufene Trottel seine eigene Erhik- Seite gründen kann!

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    • Den Artikel gelesen, auf welchen sich das hier bezieht? Natürlich ist Comedy in erster Linie fiktional und das ist ja auch kein Problem. Das Problem ist, dass den Hörern gesagt wird, es handle sich um echte Anrufer, welche sich auf die Zeitungsanzeigen gemeldet haben – die es aber zumindest in einem Fall nicht gegeben haben kann. Wenn ich die Hörer dadurch anlüge, hat das sehr wohl mit ethischen Grundsätzen zu tun.
      So am Rande: „Trottel“ ist übrigens eine Beleidigung. Hat auch was mit Anstand und Ethik zu tun … aber zum Glück ist das hier keine „Erhik-Seite“.

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