Suche
Suche Menü

Live ist live? Nicht beim WDR!

Diesen Beitrag per E-Mail versenden
Sie können maximal fünf Empfänger angeben. Diese bitte durch Kommas trennen.





Die hier eingegebenen Daten werden nur dazu verwendet, die E-Mail in Ihrem Namen zu versenden. Sie werden nicht gespeichert und es erfolgt keine Weitergabe an Dritte oder eine Analyse zu Marketing-Zwecken.

Wie der Westdeutsche Rundfunk den Live-Begriff aushöhlt. 

Sind Nachrichten „live“, wenn sie aufgezeichnet und  erst 20, 30, 90 Sekunden später gesendet werden? Der WDR sagt: Ja. Wir sagen: Nein. Und finden: Das geht gar nicht.

Die neuen WDR-Nachrichten im fair radio-Check.                                                        
Eins vorneweg: Hier geht es nicht um die neue Machart der WDR-Nachrichten. Nicht um die Frage, wie sinnvoll die Originaltöne, Musikbetten und Trenner sind. Nicht um die Frage, wie gelungen Kurzmeldungen und Talks in den Radionachrichten sind. Das darf gerne anderswo diskutiert werden.

Aber wenn ein Sender behauptet, seine Nachrichten seien live, sie in Wahrheit aber zeitversetzt sendet, dann  ist das etwas, was uns bei fair radio beschäftigt. Ganz einfach, weil wir das a) für Betrug am Hörer halten und weil man damit b) der Glaubwürdigkeit des Mediums schadet.

WDR TimeWarp fair radio

Und genau das macht der WDR seit 4. Juni: Seine Hörfunknachrichten für die WDR-Programme 2, 3, 4 und 5 werden seitdem mit Zeitversatz gesendet oder neudeutsch: mit Time Shift. Und weil das (nicht nur für Laien) gar nicht so einfach zu verstehen ist, hier eine kurze Erklärung:

Die Nachrichtensprecher beginnen mit ihren Sendungen jeweils eine Minute vor der vollen Stunde. Diese Sendungen werden aufgezeichnet, aber noch während die Aufzeichnung läuft, von den einzelnen Wellen abgerufen und gesendet.

Aber warum?

  • Weil es Geld spart, wenn nur noch eine Nachrichtensendung für vier Programme gemacht werden muss, statt vier Nachrichtensendungen.
  • Weil man durch den Zeitversatz trotzdem jede Nachrichtensendung mit den Soundelementen des jeweiligen Programms ausstrahlen kann.
  • Weil jedes Programm die Nachrichten dann starten kann, wenn es gerade besonders gut passt, sich also schöne Übergänge zum vorangegangene Musiktitel/der Werbung ergeben.

Für die Hörer heißt das: Wer zur Nachrichtenzeit durch die WDR-Kanäle 2, 3, 4 und 5 zappt, hört dieselben Sprecher mit demselben Text und denselben Einspielern zu jeweils unterschiedlichen Zeiten. Klingt irrtierend. Zum Beispiel am 4. Juni, 9 Uhr (Die Umschaltvorgänge haben wir akustisch kenntlich gemacht):

Und genau da liegt das Problem: Der Laie kann sich so einen Zeitversatz nicht erklären. Für ihn ergibt sich ein fragwürdiger Höreindruck, einer, der nicht zu seinen Erwartungen passt. Denn (noch?) gehen die meisten Hörer wohl davon aus, dass Radionachrichten live gesendet werden. Und (noch?) werden Radionachrichten ja auch genau so präsentiert.

Post radioforen.de - Radionachrichten wirken live

Post bei radioforen.de.
Viele Radiomacher sind überzeugt: Hörer halten Radionachrichten für live.

Auch der WDR erweckt trotz Zeitversatz den Eindruck, seine Nachrichten seien live. Allein, dass die Sendungen jeweils beginnen mit „Es ist xy Uhr“ muss als gezielte Irreführung der Hörer gelten, und der WDR tut sich keinen Gefallen, sich da mit Spitzfindigkeiten rauszureden.

Denn in der Praxis wurden die Nachrichten gleich am ersten Sendetag zum Teil erst anderthalb Minuten nach Beginn der Aufnahme gesendet. Das ist keine Bagatelle.

Erst recht, weil es im Hörfunk eigentlich bewährte Methoden gibt, Nachrichten auch dann live zu senden, wenn sie gleichzeitig in verschiedenen  Sendern ausgestrahlt werden. Man nennt es Backtiming und meint damit: Die Nachrichten starten punktgenau um 14 Uhr. Die Sendungen drumherum werden so getimet, dass sie punktgenau um diese Zeit zu Ende sind – eine Technik, die seit Ewigeiten zum Radio gehört und bei der Moderatoren die Restlaufzeiten der Musiktitel (einst sogar  ohne Rechenhilfen und Sendeunterstützung aus dem Computer, sondern mit Kopf, Papier und Bleistift) ausrechnen und so auf Zeit moderieren, dass es eben passt.

Dass der WDR sich ausgerechnet bei seinen Nachrichten für ein anderes Modell entschieden hat, bleibt rätselhaft und problematisch. Denn nach unserer Überzeugung verspielt man seine Glaubwürdigkeit nirgendwo schneller als in den Nachrichten.

Beim WDR scheint man es dagegen generell nicht mehr so genau zu nehmen mit dem Live-Begriff in den Nachrichten. Denn innerhalb der aufgezeichneten Sendungen werden neuerdings auch scheinbare Live-Gespräche mit Korrespondenten geführt, die in Wahrheit nur anmoderierte O-Töne sind. Und das hört man auch:

Auch hier ist der Höreindruck fragwürdig und irritierend.
Zwar ist diese Praxis aus den Magazin-Sendungen entliehen. Dort ist es schon länger üblich, voraufgezeichnete Antworten von Korrespondenten und Gesprächspartneren wie Live-Gespräche nachzuspielen. Gut ist sie dewegen noch lange nicht. Und glaubwürdige, unmissverständliche Alternativen gäbe es. Dass der WDR diese nicht für seine Nachrichtensendungen nutzt, sondern stattdessen auf die theatrale Show setzt, ist bedauerlich.

Wir von fair radio jedenfalls halten diese Art der Inszenierung für fragwürdig. Für uns gelten die Ideale des Tutzinger Appells:

Es wird nichts vorgegaukelt, was nicht wirklich so ist.
Nachrichtensendungen werden nicht vorher aufgezeichnet.

Alles andere schadet der Glaubwürdigkeit.

38 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das Nachrichtensendungen ehrlich sein müssen steht außer Frage, dass sie aktuell sein müssen auch. Nur: Ob sie wirklich live sein müssen, ist ein interessanter Anspruch, aber wirklich nötig? Woraus leitet sich die Forderung eigentlich ab? Aus dem „das war früher immer so“ und früher war alles besser?

    Antworten

  2. Ein Zeitversatz von diesem geringen Ausmaß halte ich nicht für problematisch. Wer zum Beispiel in einigen Autoradios DAB Empfang hat, den Verkehrsfunk jedoch per FM-ARI zuschalten lässt, erlebt bei der Rückschaltung auf DAB Empfang auch eine Überraschung: der Empfang ist zeitvesetzt udn so höre ich die Verkehrsnews noch einmal.
    Da ist der WDR-Einfall, der mir ansonsten technisch recht aufwändig erscheint (und störanfällig?) kein Beinbruch, und mir eher deshalb unverständlich, weil es mir sehr umständlich erscheint.

    Antworten

    • Noch schlimmer ist es (Vorsicht: offtopic) beim 20:00:00 Uhr-Countdown der Tagesschau. Je nach Übertragungsweg sind da Differenzen bis zu 30 Sekunden und mehr drin (wenn man IPTV mitrechnet). Live gibt es in dem Zusammenhang vermutlich gar nicht mehr.
      Wobei dem Beispiel wie auch dem von Herrn Eberhard ein Manko anhängt: Bei beiden handelt es sich nicht um eine bewusste Speicherung, sondern schlicht um systembedingte Verzögerungen. Bei den WDR-Nachrichten wird aber gespeichert.

      Antworten

  3. „Der Laie kann sich so einen Zeitversatz nicht erklären.“ Warum das?! Weil wir alle kleine, dumme Schafe sind? So dass wir die klugen Aluhüte von fair-radio als Erklärbären brauchen? Wie arrogant ist das denn? Kommt mal von eurem hohen Ross runter.

    Antworten

  4. Da verrennt Ihr Euch jetzt aber. Man kann diskutieren, was es heißt, dass Nachrichten nur noch ein Schnipsel sind, die möglichst elegant in den Flow von Musik und Bespaßung eingepasst werden – aber sie werden nicht weniger glaubwürdig, weil sie ein paar Sekunden versetzt gesendet werden.
    Hochproblematisch wäre natürlich, wenn die Technik (wie im amerikanischen TV) genutzt würde um zensierende einzugreifen – aber das ist ja wohl nicht so.
    Ansonsten ist Radio wie jedes Medium etwas, dessen Funktionieren im Detail der Hörer nicht verstehen kann und auch nicht verstehen muss. Entscheidend ist, dass ein gutes, glaubwürdiges Produkt herauskommt – nicht, welche technischen Prozesse hinter den Kulissen ablaufen.

    Antworten

  5. So ein Quark. Dann sollte man Internetradio verbieten. Da ist einfach zuviel zeitversatz drin.
    Den unterschied zwischen „Nachrichten aufzeichnen“ und „Nachrichten zeitversetzt senden“ sollte man natürlich verstanden haben…

    Antworten

  6. Völlig richtig. Ich kann mir zwar erklären, was die Sender da tun, aber es hinterlässt ein schales Gefühl. Ich fühle mich für dumm verkauft. Danke für die Kritik.

    Antworten

  7. Die Qualität von. Nachrichten hängt von der Recherche und der Beleuchtung von Themen aus allen Richtungen ab (keine selektieren von Meinung) – aber bis zu 90 Sekunden Zeitversatz, ist nun wirklich kein Beinbruch, außer auf die Inhalte wird in dieser Zeit Eingriff genommen (Zensur oder ähnliches)

    Antworten

  8. Ich finde eure Sache wichtig, aber hier ist es nicht angebracht. Ein so geringer Zeitversatz ist nach meinem (hoffentlich gesunden) Menschenverstand als Nebeneffekt bestimmter Produktionsmethoden okay.
    Wenn ich ein Live-Spiel über Satellit und über Internet-Stream im Fernsehbild vergleiche, sehe ich auch mehrere Sekunden Zeitversatz.
    Wichtig ist, dass die Nachrichten nicht stundenalt sind und dass der Zeitversatz nicht genutzt wird um unliebsame Äußerungen von Sprechern zu zensieren. Ansonsten bitte ich euch, konzentriert euch auf die wichtigen Themen

    Antworten

    • Was meinen Sie denn mit „unliebsame Äußerungen von Sprechern zensieren“? Glauben Sie, dass so etwas passiert oder passieren könnte?

      Antworten

  9. Schön. Eigentlich wollte ich ja sofort kommentieren. Aber viele Kommentare unter dem Artikel liefern mir eine noch bessere Grundlage meiner nun folgenden Befürchtungen. – Das Motto hier: Habt Euch mal nicht so – wegen 60, 90 SEKUNDEN! Das ist doch kikifax, da muss man sich nicht aufregen.
    Diese Argumentation ist großartig! Wer etwas verändern will (zum Guten oder Schlechten) kann sie immer gut gebrauchen: Langsam und klein anfangen. Und wenn wir uns alle mal dran gewöhnt haben, schön ausweiten.
    In diesem Fall gehe ich fest davon aus, dass dieser krasse Einschnitt in das Programm des WDR nur ein Anfang ist. Nachrichten werden nicht mehr live gesendet in einem ö-r-Sender. Es wird aber behauptet, sie seien es. Ein Stück Glaubwürdigkeit stirbt. Und warum? Weil es billiger ist. Weil eine technische Vorgabe erfüllt werden muss. Einen inhaltlichen Grund gibt es nicht. Der Inhalt muss sogar zurückstehen. (Weniger Vielfalt in einer Sendung für alle.)
    Ich freue mich schon darauf, wenn aus produktionstechnischen Gründen die WDR-Nachrichten 5-10 Minuten vorher aufgezeichnet werden. Weil man dann einfach nochmal sicherer gehen kann, dass technisch auch alles in Ordnung ist und HörerInnen nicht gestört werden. Weil man die Sendung glättet, falls sich jemand versprochen hat. Den Oton sauberer ansetzt. Oder das Musikbett in der Lautstärke anpasst. Sagen wird das aber niemand on air: Dass die Neuigkeiten alt sind.
    Dann freue ich mich auf die Argumente der Nicht-so-schlimm-Finder: Ob nun eine Minute oder fünf Minuten – regt Euch mal nicht so auf! Und: Die Privaten machen es doch auch. (Stand neulich doch da bei twitter…;)
    Na dann: Live and let lie!

    Antworten

    • Da müssen wir aber mal zwei Sachen auseinander dividieren.
      Erstens: Gegen eine Vorproduktion der Nachrichten im Sinne einer Qualitätssicherung habe ich überhaupt nichts. Es ist natürlich in Bezug auf die Aktualität nicht eine stundenlange Vorproduktion anzustreben sondern eine so zeitnah zur Ausstrahlung wie möglich.
      Zweitens: Natürlich sind dann in den Nachrichten Aussagen tabu, die den Eindruck erwecken könnten, die Sendung wäre live – wobei ich das Nennen einer aktuellen Uhrzeit ausdrücklich nicht dazu zähle.
      Natürlich wäre eine individuell an die Radioprogramme angepasste Nachrichtensendung die bessere Lösung, aber offensichtlich gibt es Gründe, die es nötig erscheinen lassen, für 4 Sender die gleichen Nachrichten zu produzieren.
      Und vielleicht noch ein grundsätzlicher Gedanke: Ich schätze mal, dass zur Zeit 25 bis 50% der Wortanteile im Radio nicht live sind. Dafür gibt es sicher Gründe, ob man die gut oder schlecht findet, steht auf einem anderen Papier. Aber warum sollten ausgerechnet die Nachrichten, die oftmals den Namen nicht mal verdienen, da eine Ausnahme sein?

      Antworten

    • Na denn: Die Qualität von Nachrichten definiert sich über den Inhalt, nicht über die technischen Bedingungen. Entscheidend ist doch, wie gut die Nachrichten recherchiert und geschrieben werden – ob sie zwei oder 20 Minuten vor der Ausstrahlung geschrieben werden, ist völlig unerheblich, und wann sie gesprochen werden erst recht. Und überhaupt: Bei den TV-Nachrichten werden Einspieler doch schon immer vorher produziert – wie denn auch sonst? Ist es in Deinen Augen tatsächlich erstrebenswert, dass der Nachrichtensprecher jede Meldung aus dem Ticker ohne jegliche Verzögerung vorliest?
      Der Text hier ist Technik-Nerd-Wichtigtuerei und geht am (möglicherweise tatsächlich existenten Problem meilenweit vorbei).

      Antworten

    • Da fällt mir noch ein anderer Aspekt ein, der gegen die Individualisierung der Nachrichtensendungen spricht, zumindest gegen ihre Notwendigkeit. Wenn man mal während der Nachrichten über die Sender hinweg zappt, also auch anstaltsübergreifend, konnte ich mich schon mehrfach des Eindrucks nicht erwähren, dass ich trotz unterschiedlicher Sprecher die selben Nachrichten (ggf. nur in anderer Beitragsreihenfolge) höre. Zumindest bei einzelnen Beiträgen. Insofern wäre, zumindest was die deutschlandweiten und internationalen Nachrichten betrifft, eine Überlegung interessant, diese verbundweit zentral zu produzieren. Das Einsparpotenzial wäre recht hoch. ;-)

      Antworten

  10. Der Nachrichtentext der Sprecher wird seit Anfang des Radiozeitalters etliche Minuten vor der Nachrichtensendung geschrieben. Die Aufregung über den Zeitversatz in der Ausstrahlung des danach gesprochenen Textes ist wirklich lächerlich.
    Wirklich wichtige Dinge werden sicher weiter live im Radio gesendet. Die passieren nämlich normalerweise nicht punktlich zu Beginn der Nachrichtensendung.

    Antworten

  11. Bei „Tagesschau 24“ im Digital-TV (ich weiß, das guckt keiner) machen sie das auch so. Das führt dann, wenn der diensthabende Praktikant mal wieder micht aufpasst, dazu, daß
    ein Bericht zweimal hintereinander abgespielt wird. Oder daß Jan Hofer zwei Minuten vor laufender Kamera seine Zettel sortiert und innerhalb von 5 Minuten zweimal einen schönen Abend wünscht. Alles schon passiert.

    Antworten

    • In den Anfangszeiten von n-tv war das auch ab und an mal der Fall. Allerdings unterstellte ich dann immer den Hausmeister als diensthabend … ;-)

      Antworten

  12. Meine persönliche Lieblinge sind Beiträge in den Radio-Nachrichten, wie diesem von mir erfundenen:
    Nachrichtensprecher: „Es gibt da ein Zwischenfall, wir fragen unseren Korrespondenten vor Ort, wie ist die Lage?“
    (Einspieler, möglichst in Telefonqualität um den Eindruck erwecken live zu sein): „Ja, hier in Houston gibt es in der Tat ein Problem, aber die Experten haben das im Griff.“
    Nachrichtensprecher: „Vielen Dank, das war UNSER Korrespondent Thomas Thonfeld aus für .“

    Nein, dieser Einspieler, also diese kleine MP3 Datei, wurde nicht mehrmals verkauft……

    Antworten

  13. Hier stirbt also die Glaubwürdigkeit? Weil der WDR jetzt auf allen Wellen die gleichen Nachrichten sendet? Und das auch einige Sekunden zeitverzögert? Oh. Mein. Gott. LÜGENPRESSE!!!!!11111elf

    Spaß beiseite… ganz ehrlich? Wen interessierts? Was hat eine minimale Zeitverzögerung mit Glaubwürdigkeit zu tun? O-Töne und Erklärstücke von Redakteuren/Korrespondenten (sog. Nachrichtenaufsager) sind im Radio logischerweise auch nicht live. Da hat sich bisher auch niemand beschwert, dass Kollege XYZ just in diesem Moment nicht tatsächlich live aus New York in die Nachrichtenshow zugeschaltet wird.

    Und, dass der WDR mal ein bisschen Geld und Personal einspart und sich für seine 5 Wellen eben keine 5 Nachrichtensprecher mehr leistet, die gleichzeitig live on air sind, ist absolut sinnvoll und lange überfällig. Wenn in der Türkei ein Bus explodiert, Jogi die Brocken hinschmeisst oder Merkel ein Flüchtlingskind streichelt muss ich das innerhalb einer Senderfamilie nicht von 5 verschiedenen Sprechern hören. Der WDR ist ein schwerfälliges Ungetüm, das ganz dringend mal ein bisschen abspecken muss.

    Hier bei Fair Radio werden ja oft Dinge angeprangert, wo man sagen kann „Joah, das ist echt nicht ok…“. Aber hier regt ihr euch meiner Meinung nach nur um des Aufregens Willen auf.

    Antworten

    • Dass (fast) alle WDR-Programme nun wieder dieselben Nachrichten senden, finde auch ich völlig richtig. Früher war das gang und gäbe und natürlichen waren die Nachrichten damals auch live.

      Natürlich kann man sich darüber streiten, ob das mit dem minimalen Zeitversatz nun soooooo wahnsinnig schlimm ist. Ich stelle mir halt die Frage, warum man den Aufwand einer Aufzeichnung überhaupt macht. Warum kann der Sprecher nicht weiterhin live zur vollen Stunde lesen? Weil dann die Moderatoren weiterhin ihr Handwerk beherrschen müssen, d. h. ein möglichst gutes Backtiming auf die volle Stunde? Für mich ist die Pünktlichkeit ein weiterer wichtiger Aspekt. Ich möchte, dass die Nachrichten zur vollen Stunde kommen. Nicht eine halbe Minute früher oder eine halbe Minute später, wie das mittelweile bei vielen – und nun auch beim WDR – der Fall ist.

      Wenn die Nachrichten denn unbedingt mit Musikbetten und Trennern an die Wellen angepasst werden müssen (scheinbar will man heutzutage gar keine Hörer mehr erreichen, die mehr als drei Minuten reines Wort am Stück vertragen), dann ist da auch möglich, wenn die Nachrichten live gelesen werden. Opener-Schlagzeilen-Stinger, dann zwischen den Meldungen Trenner, ggf. unter das Wetter ein Bett – alles technisch im Livebetrieb überhaupt kein Problem und gelebte Praxis z. B. bei Radio Bremen, dem SR oder auch beim BR. Es gibt für mich einfach keinen Grund, der eine Aufzeichnung rechtfertigt.

      Antworten

  14. Leute, bitte hört auf, den Untergang des Abendlands zu beschwören. Im Kern geht es um etwas anderes: Der WDR hat es endlich geschafft, eine Nachrichtensendung für 4 Sender zu etablieren. Damit endet die Geldverschwendung auf Kosten aller Hörer. Wo bestand denn bisher der Unterschied zwischen 4 Nachrichtensendungen? Der eine Redakteur packt den Ukraine-Konflikt auf Position 3, der andere auf 2 usw. Der nächste steigt mit Muhammed Ali ein, während der andere damit rausgeht. Im Kern verbraten alle die gleichen Meldungen. Bei Themenbewertung gibt es nie die eine Wahrheit. Und jetzt bitte nicht die Gewerkschaftsfloskel vom Einheitsbrei. Zum Punkt: Wenn dafür der Preis ist, dass wir 1-2 Minuten Zeitversatz haben, nehme ich das sehr gerne in Kauf. Über Web bin ich eh 30 Sekunden später als über UKW. Also lasst bitte die Kirche in Kauf und arbeitet euch an anderen Themen ab. Hier wird niemand belogen.

    Antworten

  15. Schade, dass hier nur die Zeitversetzung problematisiert wird.
    Ich finde es völlig inkonsequent, WDR 2-5 nachrichtentechnisch zusammenzufassen. Als WDR 5-Hörer muss man sich nun mit etwa 3 1/2 Minuten abspeisen lassen, das Wetter habe ich schon abgezogen.
    Wenn schon einsparen, dann doch lieber Einheitsnachrichten für die Dudelfunkwellen Einslive, WDR2 und 4. Und die WDR3, 5 und FHE werden zusammengefasst.

    Antworten

  16. Ob’s dramatisch ist, ich bin mir noch nicht sicher. Als ich Kind war, kamen die Nachrichten auch zentral für alle WDR Sender, somit darf der WDR von mir aus auch wieder sparen wenn’s hilft. Allerdings hat man es früher doch auch geschafft um Punktum bereit zu sein. Warum muß man jetzt zu so einem „Trick“ greifen? Prinzipiell gehe ich schon davon aus, daß Nachrichten live sind. Wer mit Internetradio, DAB+ u.ä. argumentiert hat natürlich nicht ganz unrecht. Aber warum sagt der WDR nicht klar, daß die TimeShift Funktion eingeführt wurde. Außerdem klingen die Nachrichten seit dem Wochenende irgendwie ein bisschen unpersönlicher, denn daß der Moderator auch mal mit dem Nachrichtenmann oder der -frau quatscht fällt jetzt weg. Auch gefällt mir die Aufmachung „Jetzt noch eine Nachricht aus NRW o.ä.“ gar nicht. P.S.: Der Artikel erklärt zumindest, warum am Samstag um 23.25(!) ohne weiteren Kommentar die 23.00 Uhr(!) Nachrichten auf WDR2 liefen.

    Antworten

    • Am Samstag, den 4. Juni um 23:25 Uhr auf WDR 2? Das kann ich aber nicht bestätigen. Da liefen keine Nachrichten.

      Dass DAB+ und Internetradio verzögert sind (ebenso wie digitales Fernsehen) hat technische Gründe und lässt sich auch nicht ändern. Das ist aus meiner Sicht etwas ganz anderes als das absichtliche Timeshiften.

      Antworten

  17. Das einzige, was ich hier kritikwürdig finde: Dass die Nachrichten nicht auf allen Sendern „auf den Punkt“ ausgestrahlt werden, so dass sie zumindest auf UKW mit der „Funkuhrzeit“ übereinstimmen.

    Timeshift von wenigen Sekunden halte ich nicht für tragisch. Bei Einspielern, Interviews oder vermeintlichen Live-Schaltungen finde ich das schon eher, dass transparent gemacht werden sollte, wenn da „getrickst“ wird – in den Tagesthemen sagen sie dann ja auch immer „Das Gespräch haben wir vor der Sendung aufgezeichnet“.

    Antworten

    • Ergänzung: Und die Musikübergänge und Jingles wirken auf WDR2 im Moment „gehustet“, also hätte jemand mit Null Erfahrung im Audioschneiden den alten Jingle „zweigeteilt“. Das ist technisch derzeit eher unperfekt…

      Antworten

  18. Huch… Ich höre Radio ja zugegebenermaßen ausschließlich bei langen Autofahrten. Aber da hatte ich bisher eigentlich immer den Eindruck, dass Nachrichtensendungen einmal am Tag aufgezeichnet und dann alle halbe Stunde wiederholt werden. Wenn man nach zwei Stunden zum fünften Mal diesselben Meldungen hört, kann man sie längst auswendig mitsprechen.

    Antworten

  19. „live“ ist inzwischen – oder immer noch – nur ein Modewort. Damit lockt (und bekommt) man Konsumenten.
    Jeder Tonband-Mitschnitt eines Konzerts von anno dunnemals wird neuerdings(?) im Radio (Kulturradio des rbb, Deutschlandfunk, Deutschlandradio; die anderen hör‘ ich nicht) als „Live“ oder gar als „Livekonzert“ angesagt. Weil es ja irgendwann mal von lebendigen Musikern bei einem Konzert vor lebendigem Publikum gespielt und vom Radio aufgenommen und archiviert wurde(?)
    Also macht man es mit den Nachrichten ebenso. „Live“ ist cool, Live ist schick, Live muss sein. Dass das technisch ganz anders läuft = zeitlich davor, im Studio, via Mikrophon, als Konserve auf einem Medium gespeichert; dann bearbeitet (Lautstärke, Klang, Dauer, Schnitte, Kompression, etc. …) und dann erst gesendet, weiß jeder Techniker und Moderator beim Sender; dem Publikum wird’s showbusinessmäßig als LIVE verkauft.

    Antworten

    • Klar, aber Nachrichten mit einem Konzert, welches dann gerne auch als Live-Album veröffentlich wird, zu vergleichen, passt für mich nicht so ganz zusammen. Wenn ich einen Mitschnitt eines Konzertes höre (z. B. beim Deutschlandradio Kultur ist das auch klar so im Programm angeben, meistens auch noch von wann dieser Mitschnitt ist), ist mir klar, dass das nicht jetzt in diesem Moment stattfindet und es würde wohl auch keiner auf die Idee kommen, das zu behaupten. Sollte es eine Live-Übertragung sein, wird darauf im Normalfall auch explizit hingewiesen. Bei Nachrichten erwarte ich, dass diese jetzt und in diesem Moment stattfinden, da sie aktuell sind (oder zumindest sein sollten). Hier extra zu betonen, dass die Nachrichten „live aus dem Newscenter“ kommen, klingt schon fast lächerlich, weil irgendwie selbstverständlich. Leider kommt aber auch keiner auf die Idee, zuzugeben, wenn es nicht so ist. So oder so: Nachrichten haben kein Showbusiness zu sein!

      Antworten

  20. Für mich ist die Diskussion hier der Wahnsinn. All die Rechtfertigungsversuche, warum es doch ok und nicht weiter schlimm ist, Nachrichten zeitversetzt zu senden. All die verzweifelten Behauptungen des WDR, dass alles nach wie vor live sei.

    Das kommt mir vor wie der Getränkehersteller, der seinen Kunden mit Hingabe erklärt, warum seine Rhabarber-Limo Rhabarber-Limo heißt, obwohl kein Rhabarber drin ist! Wer soll das denn verstehen?

    Denn machen wir uns nix vor: Die meisten Menschen gehen davon aus, dass Rhabarber drin ist, wo Rhabarber drauf steht. Und die meisten gehen davon aus, dass der Nachrichtensprecher im Studio sitzt, genau dann, wenn sie ihn im Radio sprechen hören und er dem Korri eine Frage(!) stellt.

    Klar ist auch, dass Menschen gerne stutzig werden, böse Absichten, Verschwörung, Manipulation vermuten, wenn sie bemerken, dass Dinge nicht so sind, wie es der gesunde Menschenverstand erwartet. Übrigens selbst dann, wenn die sogenannte Rhabarber-Limo ganz ok schmeckt und die Nachrichten ganz interessant waren. Denn entscheidend ist: Da wurde eine Erwartung enttäuscht und mutmaßlich absichtlich etwas anders vorgegaukelt! Bämm.

    Nun kann man der Kundschaft natürlich beibringen, dass sie sich irrt. Dass das alles seine Richtigkeit hat und „nun mal so ist.“ Und dass sie künftig doch bitte nicht auf jede angebliche Rhabarber-Limo und jeden angeblichen Live-Bericht reinfallen soll. Im Klartext: Traut uns nicht! Na prima.

    Ich persönlich halte das für verheerend und unnötig obendrein. Denn wär’s nicht viel schlauer, wir würden einfach das machen was das lineare Radio kann? Live senden. Live Gespräche führen. Live moderieren. Dann, wenn es möglich ist. Unterscheidet uns nicht genau das von den vielen Podcasts? Und ist es nicht genau das, was wir schon lange vor Periscope und Facebook-Live-Videos konnten? Doch!

    Also: Lasst es uns tun. Und nicht nur so tun als ob. Sendet Nachrichten live. Stellt Fragen nur, wenn Euch echt einer antworten kann. Und klebt keine Rhabarber-Etiketten auf Plastik-Plörre.

    Antworten

    • Ich glaube, man muss an der Stelle einfach drei Dinge unterscheiden – und das wird im Text eben nur halb getan, was dann zu diesen ganzen Kommentaren führt. Ich versuche es mal aufzudröseln:

      1.) Der WDR sendet nicht mehr auf einzelnen Wellen extra produzierte Nachrichten, sondern überall dieselben News. Das kann man schlecht finden, weil dadurch die Nachrichtenvielfalt zerstört wird. Ich persönlich halte es für gut, weil dadurch der völlig aufgeblähte News-Apparat etwas zurechtgestutzt wird. Und mal ehrlich: Wie sehr unterscheiden sich die News denn von Sender zu Sender in der Praxis wirklich?

      2.) Der WDR sendet seine Nachrichten nicht mehr „live“, sondern leicht zeitversetzt. Auch das finde ich, ehrlich gesagt, nicht weiter schlimm, so lange die Zeitverzögerung sich im Rahmen hält und die Aktualität darunter nicht massiv leidet. Das Gauck-Beispiel ist aus meiner Sicht ein Extrembeispiel, das im Alltag eher selten vorkommen dürfte.

      3.) Der WDR tut so, also ob seine Nachrichten live sind, obwohl sie zeitversetzt sind. Hier kommen wir zum eigentlichen Problem – und dem Punkt, der aus meiner Sicht völlig zu Recht kritisiert wird. Wenn man seine Sendungen nicht mehr „live“ fährt, dann sollte man das bitteschön auch so kommunizieren und sich nicht hinter doppeldeutigen Aussagen verstecken. Denn sonst passiert genau das, was hier bei Fairradio beklagt wird: Das Radio erleidet einen Vertrauensverlust. Und das ist ganz sicher nicht im Sinne des Erfinders.

      Antworten

  21. Der Zeitversatz ist wirklich das allergeringste Problem. Dieses unglaublich brutale Processing der Sprecherstimmen geht wirklich gar nicht. Heftigst komprimiert und die Bässe hochgedreht, das raubt jegliche Sprachverständlichkeit. Schlimmer als bei jedem Privatsender.
    Und dann noch dieses pseudoregionale Getue „Und jetzt noch eine Meldung aus Nordrhein-Westfalen“. Who the fuck cares, entweder ist die Meldung relevant , dann merkt man’s spätestens bei der Ortsangabe dass es in NRW ist oder sie ist nicht relevant, dann wird sie es auch nicht dadurch dass sie aus NRW ist.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.