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Es ist angerichtet – der bigfm-MA-Skandal ist fertig!

Eine Polemik

Da haben wir ihn wieder – den MA-Skandal. Den Aufreger, der nur eins will – das Schreckensszenario vermeiden: Stell-Dir-vor-es-ist-Media-Analyse-und-keiner-hört-hin! Ein Alptraum wäre das.

Karnickel-Retter Rob Green - mehr Moralin statt Adrenalin

Karnickel-Retter Rob Green – mehr Moralin statt Adrenalin

Auch für Bigfm. Deshalb hat man dort so kurz vor der MA-Befragung mal wieder was krudes inszeniert. Und viele haben’s gehört. Oder drüber gelesen: Über den drohenden Tod eines Karnickels. Über die Schlachtung live im Radio.

Die Zutaten zum neuen alten Radioskandal: Ein schnuffiges Karnickel; ein (vermeintlicher) Hörer, der den Tod des selbigen einfordert; ein Rezept, wie man das Tier dann kochen möge. Das alles ein paar Tage on air köcheln lassen. Noch ein bisschen gruselig die Messer wetzen und Horrormusik einspielen…und dann am Ende doch Salat servieren, weil Moderator Rob Green das Tier melodramatisch am Leben lässt. Aber hey, ist doch MA!!

Hier hat die Redaktion, pardon, die Marketing-Abteilung bei bigfm nicht nur fleißig das Boulevard-Handbuch studiert (Tiere und Tote bringen Quote), sondern auch nach Witwe Bolte-Art Altes wieder aufgewärmt:

Die Dänen haben das Kaninchen-Rezept nämlich 2015 als erste ausprobiert. Beim dänischen Sender „Radio24syv“ gab es am Ende auch Kaninchenpasta. Denn angeblich haben sie es durchgezogen und das Tier auf ethisch fragwürdige Art und Weise mit einer Luftpumpe totgeprügelt. (Klingt schön brutal, ob das wirklich stimmt, ist allerdings unklar. Der Audio-Beweis klingt nach schlechtem Hörspiel, Bilder gibt es keine.)

Wurde dieses Kaninchen gerettet? Oder ein anderes? Egal, denn: Keinen interessiert's! (Quelle: SpiritBunny, pixabay.com)

Wurde dieses Kaninchen gerettet? Oder ein anderes? Egal, denn: Keinen interessiert’s! (Quelle: SpiritBunny, pixabay.com)

Bigfm hat dagegen nach vier Tagen auf die altbewährte moral-geschwängerte Nummer zurückgegriffen: Wir sind die Guten und retten – in dem Fall das Tier. Ja, noch abgeschmackter: Moderator Rob Green erklärt auch noch frech, er habe nie vorgehabt, das Tier zu töten. Auch die hinzugezogenen Tierschützer (Menschen für Tierrechte e.V. und das Stuttgarter Tierheim) haben bei dem Pseudo-Aufreger mitgemacht. Übersetzt heißt das: Wir (Radiomacher und Tierschützer) haben Euch vier Tage lang verarscht, damit ihr Euch mit hochrotem Kopf aufregen könnt. Achgott, wie nett, wird sich der Sender gedacht haben: Die vielen facebook-Kommentare! Und sogar die baden-württembergische Tierschutzbeauftragte regt sich umsonst auf! Aber hey, ist doch MA!!

Wie frech. Wie langweilig. Denn neu ist das nicht: In den vergangenen Jahren wurden ja in deutschen Privatradios schon Männer vor Sex, Frauen vor Abtreibung, und andere Menschen vor Pelzmänteln gerettet.
Fällt Euch nichts wirklich witziges ein? Kein wirklich guter Hinhörer, der die Leute nicht komplett für dumm verkauft?

Peinlich an den ganzen Inszenierungen ist ja nicht nur die schlechte Show, die Fake-Hörer, die Lügen.

Peinlich sind auch deutsche Radiosender, die sich ihre vermeintlichen Hinhörer noch nicht mal selber ausdenken können.

Der eigentliche Skandal ist aber wie immer der Verlust der Glaubwürdigkeit. HörerInnen werden ohne Not für dumm verkauft und hinter den Kulissen lacht man sich ins Fäustchen.
Aber hey, ist doch MA!

PS: Wer die Aktion auch daneben findet, darf sich gern wie ich offiziell darüber bei der zuständigen Landesmedienanstalt beschweren: programmbeschwerde.de

 

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Radiokollege Viktor Worms hat unsere Kritik an der BigFM-Aktion auf facebook kritisert. Er hält unsere Kritik für unbegründet und findet, die BigFM-Aktion habe da auf gelungene Art ein wichtiges Thema zur Diskussion gestellt. Unserer Autorin hat er unterstellt, sie habe die Aktion gar nicht gehört. Unsere Antwort:

    Lieber Viktor Worms,

    die Kollegin, die den Artikel verfasst hat, hat die Aktion bei BigFM sehr wohl on air verfolgt. Ein Hörbeispiel steht ja auch auf der fair radio-Seite. Und ihr Urteil scheint uns wohl begründet.

    Denn schon klar: Rob Green hat die Aktion als redaktionell wichtig verkauft. Und als ein Thema, über das man mal reden muss. Aber kann man das ernst nehmen? Wir von fair radio finden: Nein.

    Denn BigFM hat das Thema eben gerade NICHT klar als redaktionelle Entscheidung angekündigt. Das Thema „ergab“ sich bei BigFM ja aus einer Höreraktion. Ein junger Mann aus Kaiserslautern hatte den Moderator angeblich aufgefordert, das Kaninchen zu töten. Dann hat man die HörerInnen diskutieren lassen. Auf facebook. Auf Sendung. Via Hörermail.
    Und zwar schön angeheizt durch horromusikalisch untermalte Statements, Kaninchenbilder und Videos, bei denen gruselwirksam im Hintergrund ein Mann mit blutverschmierter Schürze durchs Bild hastet.

    Dass da ein Tierschutzverein Pate stand wurde am Schluss enthüllt. In der Diskussion spielte er keine Rolle. Im Gegenteil: Man hat die Tierschutzbeauftragte von Baden-Württemberg, PETA und andere Befürworter und Gegner aufeinander losgehen lassen unter der immer schön wach gehaltenen Bedrohung: Rob wird das Kaninchen killen, um zu demonstrieren wie wichtig das Thema ist.

    Das für journalistisch wertvoll zu erklären, halten wir für krude. Und wir bezweifeln, dass das fürs Radio eine sinnvolle Art sein könnte, Aufmerksamkeit zu kriegen. Denn eine so extreme Inszenierung spielt mit den Emotionen der Hörer und lässt zweifellos viele am Ende enttäuscht zurück. Motto: Die haben uns verarscht.

    Selbst wenn es bei der MA einen kurzfristigen Umfragezuwachs geben sollte, für uns ist klar: Sowas schadet langfristig der Branche. Wir sollten aufhören, uns mit Skandalen und der Inszenierung von Moderatoren als moralische Helden zu überbieten.

    Aber leider hat BigFM genau dieses Muster bedient: Es hat wie schon zig andere ähnliche Inszenierungen, die Hörer mit höchst aufgeladenen Diskussionsthemen aufeinandergehetzt, um dann den Moderator zum mutigen Verweigerer zu stilisieren. Für uns ist und bleibt das geschmacklos und unglaubwürdig.

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