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Ein Jahr danach: Die positiven Folgen des SWRinfo-Fake

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Sender gibt sich „Leitlinien zum Umgang mit Interviews“

Das war ein dickes Ding: Die SWR3-Grillparty hatte noch gar nicht begonnen, damals am 1. Mai 2014, da erfuhren die Hörer im SWRinfo-Podcast schon, wie toll die Grillparty gelaufen war. Eine Moderatorin erzählte im Kollegengespräch von ihren Eindrücken und Erlebnissen. Ein Fake ausgerechnet in der Infowelle eines öffentlich-rechtlichen Senders.

Schluss mit InterviewFAKEs

Wir haben damals ausführlich darüber berichtet. Dem Fake folgte schnell die Einsicht: Das hätte nicht sein dürfen. Der SWR wolle verhindern, dass so etwas noch einmal passieren kann. Jetzt ist ein Jahr vergangen. Was ist im SWR passiert? Hat er sich neue Regeln überlegt, Handlungsanweisungen erarbeitet, die klar machen, was geht und was nicht?

Der SWR hat. Auf fair-radio-Nachfrage hat uns die Pressestelle des Senders ein fünfseitiges Dokument zugeschickt. „Leitlinien zum Umgang mit Interviews“ ist es übertitelt, behandelt aber auch den Umgang mit aufgezeichneten Kollegengesprächen und Hörertönen wie bei Musikwünschen oder Call-Ins. Und es spricht eine erfrischend deutliche Sprache:

Grundsätze

  • „Aufgezeichnet“ darf nicht den Eindruck erwecken, es sei „live“.
  • Interviewpartner werden nicht animiert, ihre Aussagen einem Sendezeitpunkt in der Zukunft anzupassen.
  • Reporter erwecken nicht den Eindruck, von einem Ort zu berichten, an dem sie nicht waren.

All das sind fair radio-Forderungen, die so auch aus dem Tutzinger Appell stammen könnten. Und ähnlich den fair radio-Ethik-FAQ gibt das Dokument konkrete Tipps, wie diese Situationen fair zu lösen sind. Beim ARD-üblichen „Drei Fragen, drei Antworten“ zum Beispiel raten die Leitlinien:

  • Es darf auf keinen Fall der Eindruck eines Live-Interviews vermittelt werden.
  • Zeitbezüge wie „Guten Morgen…“ oder „Ich spreche jetzt mit ….“ sind wegzulassen.
  • Stattdessen empfiehlt sich der Einstieg mit einer direkten Ansprache bzw. Frage. (Bsp.: „Russlands Außenminister Lawrow redet zur Stunde mit Kanzlerin Merkel. SWR1 Korrespondent XY – wie war die Atmosphäre vor Beginn des Gesprächs?“)
  • Alternativ kann auch mit einer Frage und einer Antwort gearbeitet werden (Bsp.: „Was passiert ist, dazu SWR1 Korrespondent“).
  • Denkbar auch: Der Redakteur fasst den Sachverhalt zusammen und stellt die Situation anhand der „Antworten“ des Korrespondenten dar.

Bei Interviews werden die Leitlinien noch deutlicher:

Bei Gesprächen, die aus zwingenden organisatorischen Gründen von einem Redakteur aufgezeichnet und zeitversetzt gesendet werden, ist sicherzustellen, dass der Interviewte über das Verfahren informiert ist – auch darüber, dass seine Aussagen nicht als „Interview“ in Gänze, sondern als „O-Ton-Material“ für jemand anderes verwendet werden. Für die Präsentation bietet sich unter anderem an, mit einer konkreten Frage einzuleiten (z.B. „Wir haben Herrn XY gefragt…“) und/oder die O-Töne moderativ miteinander zu verbinden. Es darf nicht der Eindruck erweckt werden, dass das Gespräch „live“ stattfindet oder selbst geführt wurde.

 

Was hier als Leitlinien formuliert wird, ist keineswegs überraschend innovativ. Es entspricht dem gesunden Menschenverstand. Und doch ist es innovativ, dass ein Sender es in dieser deutlichen Sprache aufschreibt und zu Leitlinien ernennt. Hier wird mehr als nur empfohlen, hier wird eingefordert. Schade ist, dass es dafür erst einen massiven Betrug am Hörer brauchte. Gut ist, wenn diese Regeln jetzt tatsächlich gelebt werden. Toll wäre, wenn andere Sender sich diese Leitlinien zum Beispiel nähmen. Wir helfen gerne.

 

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