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Sonneborn und die Deutsche Bank:
Lachen wir über die Richtigen?

Warum wir nach Sonneborn über vorgefertigte (Radio-)Interviews und Fake-Journalismus generell sprechen müssen.

Über Martin Sonneborn lacht das Publikum, über die Deutsche Bank das ganze Land. Die wurde nämlich Opfer des Ex-Titanic-Chefs und seiner Sendung „Sonneborn rettet die Welt“. In einem Beitrag erklärt Sonneborn, dass die Bank auf die Interviewanfrage hin ein fertig ausformuliertes Interview mit Fragen und Antworten geschickt hatte. Diese Chance lässt man sich natürlich nicht entgehen und nimmt das Institut, präsentiert durch den Mitarbeiter Stefan Georgi, böse aufs Korn.

In der Öffentlichkeit wird jetzt viel darüber diskutiert, ob das Vorgehen des Fragenstellers in Ordnung war. Sonneborn hatte das Interview nicht selbst angefragt. Das hat die Produktionsfirma „Smac Film“ für ihn übernommen. Die Bank kannte den Namen des Interviewers also zunächst nicht. Laut Sonneborn sei das bei Interviewanfragen „nicht ungewöhnlich“. Als angeblicher Kommunikationsexperte hätte Herr Georgi den Braten aber vielleicht riechen können, spätestens nachdem Sonneborn persönlich und mit echtem Namen vorstellig wurde.

Die Medienlandschaft zerpflückt jetzt die Vorgehensweise des Interviewers. Die Süddeutsche Zeitung sieht Stefan Georgi eindeutig als „Hauptopfer“ des Beitrags. Man solle diese Geschichte trotz allem nicht wichtiger nehmen als sie ist. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beteuert die Deutsche Bank nur Themen vorgeschlagen zu haben. Sonneborn erklärt an gleicher Stelle, dass das vorgefertigte Manuskript Voraussetzung für das Interview gewesen sei. Wahrscheinlich wird niemand herausfinden können, wer hier wirklich die Wahrheit – und nichts als die Wahrheit – spricht. Außerdem geht die ganze Diskussion doch an einem zentralen Punkt vollkommen vorbei.

Das eigentliche Problem ist aber nicht Sonneborns Vorgehensweise oder die Art wie das Interview angefragt wurde. Wirklich entscheidend ist der Umgang der Deutschen Bank mit dem Interview. Einem Journalisten ein Manuskript zusammenbasteln und ein vorgefertigtes Interview als echt ausgeben? Das steht wahrscheinlich ganz oben auf der Liste eines jeden PR-Chefs, denn das ist eindeutig die unterschwelligste und am wenigsten erkennbare Art der Manipulation für das Publikum. Und warum sollte man so etwas auch als falsch oder gar böse erachten, sogar die Bundeskanzlerin tut es! Da sollte sich auch die Deutsche Bank nicht wundern, wenn Martin Sonneborn über Herrn Georgi herfällt.

Screenshot GET AUDIO Angebot: fertiges Interview

Interview zum Selberbasteln: Die Antworten werden geliefert. Die Fragen kann man auf Lücke stellen.

Fürs Radio sind solche vorgefertigten Interview– und Beitragsangebote an der Tagesordnung und niemand scheint sich wirklich daran zu stören – oder es wird einfach nicht als Fake erkannt. (Nicht nur) fair radio weist immer wieder auf derartige Geschehnisse hin. Große Medienhäuser und Redaktionen schenken diesen Vorkommnissen indes kaum Aufmerksamkeit. Und auch bei Sonneborns Interview ist der Fall eingetreten: Alle Welt diskutiert über das „richtig oder falsch“ von Sonneborns Methode. Die Kritik müsste aber eigentlich an all jene Journalisten gerichtet werden, die diese vorgefertigten Interviews und PR-Angebote tagtäglich annehmen und als richtigen Journalismus verkaufen.

Screenshot GET AUDIO fertiges Interview-Angebot

Im Angebot klein vermerkt: Die Antworten geschrieben und bezahlt hat ein Unternehmen.
Ob das auch der Hörer erfährt?

 

 

0 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ja schau an! Da hat einer spontan erkannt, wo der Hase im Pfeffer liegt.
    Interviews werden heute nur noch sehr selten offen geführt. Und die Autorisierung vor der Freigabe ist eigentlich Standard. Wer etwas anderes glaubt, hat es auch mit dem Weihnachtsmann.

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  2. Was ist da mit dem unterschwelligen oder zwischen den Zeilen angedeuteten „Glauben“ an den Weihnachtsmann? Ist der auch „falsch“? Wo sind die Beweise!1! Sonst hagelt’s Abmahnungen!

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  3. Nein, das autorisieren ist zum Glück nicht Standard.
    Ich bin ca mehr als 40 Jahre im Geschäft und habe alle, in dieser Zeit angefallenen ca. 20 Bittem nach Autorisierung konsequent abgelehnt. Nicht ein Interviewpartner hat daraufhin das Interview abgesagt.
    Es geht also, wenn man will.

    Diese beiden Argumente ziehen immer:
    1. Nein.
    2. Sie wollen doch nicht, dass ich über Ihren Autorisierungswunsch berichte.

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  4. naja, Kritikpunkt war vor allem, dass ein Beitrag für eine Kindersendung angefragt war und kein Interview. Und das der Bank-Angestellte eben kein PR-Experte war sondern Bankangestellter. Und das dem Zuschauer dies bei Präsentation der Satire verschwiegen wurde bzw. die ganze Situation falsch wiedergegeben wurde.

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  5. Naja wenn ein Nicht-Profi die Pr-Arbeit macht, spricht das doch für das Selbstbewusstsein der Bank..Im Umkehrschluss hiesse das die Pr-Menschen die Geldgeschäfte machen,oder! Ist vielleicht ein bisserl auf die Spitze getrieben aber bedenkenkenswert. Und vielleicht ist es weniger Selbstbewusstsein als schlichte Arroganz der Bank die das Interview auf einigen Ebenen zeigt.
    Oder man hatte mal wieder totaltotal fähige (und teure)Consultingfirmen im Haus,die die Bank in Aussenkommunikation totalst gut berät..,;-)

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